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Die Stars von heute: Filip Kostic, Makoto Hasebe und Goncalo Paciencia (von links) kommen und gehen.
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Die Stars von heute: Filip Kostic, Makoto Hasebe und Goncalo Paciencia (von links) kommen und gehen.

STILLLEBEN

Eintracht Frankfurt zu dritt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit, als die Fußballwelt im Kinderhort noch in Ordnung war und Grabowski, Körbel, Nickel, Hölzenbein hieß.

Im Kinderhort spielten wir ein sogenanntes Dauerfußballspiel. Kann auch sein, dass es nur Dauerspiel hieß. Eher unwahrscheinlich, dass es Dauermatch hieß. Unser Englisch war noch rudimentär und beschränkte sich weitgehend auf die Begriffe Foul und … äh, Foul. Ach ja – und Hattrick. Wobei ich nicht sicher bin, ob uns bewusst war, dass es sich dabei um englische Begriffe handelte. Wir waren ziemlich jung und Fans von Eintracht Frankfurt.

Abgesehen davon war ein Tag im Kinderhort unfassbar lang. Im Vergleich zur bisherigen Lebenszeit eines Siebenjährigen ist ein Tag im Kinderhort ja mindestens doppelt so lang, wenn nicht gar zehnmal so lang wie für einen, sagen wir, Siebzigjährigen. Was wolltest du den ganzen Tag machen? Mittagessen? Hausaufgaben? Dinosaurier ausmalen? Danach war immer noch ewig Zeit. Also kickten wir. Und wenn die anderen keine Zeit hatten, spielten wir unser Dauerfußballspiel.

Das ging so: T. und ich gegen V. Richtig. Zwei gegen einen. Über die ganze Wiese. Klingt unfair. War aber nicht so, denn V. war der beste Fußballspieler im ganzen Kinderhort, vermutlich sogar auf der ganzen Welt, das wussten wir nicht genau, jedenfalls im Stadtteil. Er spielte schon im Verein. Und da wir drei unzertrennliche Freunde waren, ging das schon in Ordnung so. Meistens.

Manchmal auch nicht. Wenn einer etwa glaubte, ein Tor erzielt zu haben, aber nicht flach, sondern in Kopfhöhe (Interpretation des Torschützen) beziehungsweise klar übers Tor (sogenannter Hochschuss, Definition des Gegenspielers), gab es Diskussionen. Die Tore waren selbstverständlich mit Jacken oder Ranzen markierte Zonen, die in unserer Vorstellung aussahen wie die Tore im Waldstadion, für andere aber wie drei Meter niedergetrampelter Rasen zwischen zwei Anoraks.

Drei Meter waren das Maß der Dinge. Das Tor drei Meter breit. Vorgeschriebener Abstand bei Eckball, Einwurf, Freistoß: drei Meter. Also drei große Siebenjährigenschritte. Also drei Meter.

Bis zu den Knien im Morast

Wir spielten jeden Tag. Mag es zu Beginn unserer Kinderhortkarriere noch andere Beschäftigungen gegeben haben (Rutschbahn; Klettergerüst; Juckpulver; Rutschbahn im Stehen runterrutschen; Rutschbahn ohne Schneidezähne runterrutschen), so war irgendwann nur noch Fußball angesagt. Entweder zusammen mit den „Kleinen“, also den Sechsjährigen, und/oder den Großen, also den Neunjährigen, oder halt zu dritt beim Dauerfußballspiel.

Ob es regnete. Ob die Sonne brezelte. Ob es hagelte. Schnee. Sturm. Graupel. Katzen. Hunde. Egal. Wir kickten. Steckten bis zu den Knien im Morast. Zogen vor lauter Grundschnelligkeit waagerecht gewachsene Eiszapfen hinter uns her. Hechelten in der Hitze mit meterlangen Zungen um jeden Ball. Gab es eine spezielle Abseitsregelung, damit wir V. nicht bei jedem Angriff mit einem einzigen Pass oder Direktschuss übertölpeln konnten? In der Erinnerung verblasst.

Aber was ich noch weiß: Unsere Idole hießen Grabowski, Körbel, Nickel, Hölzenbein. Sie blieben es über die gesamte Hortzeit, fast über die gesamte Schulzeit, beinahe bis zum Abi. Alle bei einem Verein, alle bei der Eintracht. Du bist morgens aufgewacht und konntest sicher sein: Grabowski, Körbel, Nickel, Hölzenbein werden auch morgen noch bei der Eintracht sein, und in der nächsten Saison auch, es sei denn, irgend so ein Matthäus tritt ihnen auf den Fuß. Transferperioden? Gab es nicht. War das auch so ein neumodischer englischer Begriff?

Unser Dauerspiel endete irgendwann ungefähr 97:93. Für wen, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall für die Eintracht. Das Resultat wäre heute Abend gegen Olympiakos auch in Ordnung.

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