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Seitenwechsler: Dass Sebastian Rode (Mitte) nach Dortmund zurückkehrt, ist unwahrscheinlich.

Eintracht Frankfurt

Im Zocker-Modus

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Eintracht Frankfurt vor einem heißen Sommer: Die Frage ist, was aus Leihspielern wie Trapp, Rode, Hinteregger und Kostic wird – und welchen Plan der Bundesligist bei Toptorjäger Jovic verfolgt.

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag in Fußball-Frankfurt, ohne dass Toptorjäger Luka Jovic nicht mit irgendeinem Spitzenverein aus Europa in Verbindung gebracht wird. Gestern der FC Bayern München und Chelsea London, heute Real Madrid und der FC Barcelona. Klar ist, dass die Eintracht den serbischen Nationalstürmer im Sommer wohl verlieren wird, wenn dieser tatsächlich einen Wechselwunsch äußern sollte, was angesichts der höchst attraktiven Bewerber nicht besonders unwahrscheinlich erscheint. Das ist in Zeiten wie diesen, da die Summen längst astronomisch und völlig entrückt sind, allerdings auch nicht verwunderlich. Es ist alles eine Frage des Preises. 

Der Eintracht sind die Hände gebunden, sie kann den Spieler im Grunde nicht halten, wenn dieser weg möchte, aber sie würde den 21-Jährigen auch nur dann ziehen lassen, wenn eben jener Preis stimmt. Die nun öffentlich kolportierten Ablösesummen von etwa 40, 45 Millionen Euro würden den Verein ganz sicher nicht dazu veranlassen, den begehrten Goalgetter wirklich zu veräußern. Jovic ist sehr viel mehr wert, er ist jung, hat enormes Potenzial und noch enormere Entwicklungsmöglichkeiten, er schießt Tore aus jeder Lage, spektakuläre zudem, ihn darf man keine Sekunde aus den Augen lassen, er ist ein Instinktfußballer, ein Knipser, wie er im Fußball-Bilderbuch steht. Unberechenbar, eiskalt, gnadenlos. 

Natürlich wird er an seiner Körpersprache und seiner Haltung zum Spiel arbeiten müssen, aber Luka Jovic ist ganz klar eine ganz heiße Nummer in Europa. Der Serbe ist zwar noch immer nur ausgeliehen, doch die Eintracht wird die vereinbarte Kaufoption ziehen und den Angreifer fest verpflichten, an Benfica Lissabon muss sie dafür nicht mal annähernd zehn Millionen Euro zahlen, ein echtes Schnäppchen. 

Jovic bringt am meisten Geld 

Zumal auch die Beteiligung der Portugiesen bei einem Weiterverkauf – anders als etwa bei Ante Rebic und dem AC Florenz – im überschaubaren Rahmen liegt. Jovic könnte der Eintracht im Sommer gewiss mehr als 50 Millionen Euro bringen, vielleicht 60, 70 Millionen – schon in der winterlichen Transferperiode waren höchst lukrative Angebote hereingeflattert. Der Angreifer selbst äußerste sich in einem Interview mit dem Portal Sportbuzzer: „Ich fühle mich natürlich geehrt, dass solch große Klubs Interesse an mir zeigen, aber momentan bin ich froh, in Frankfurt zu sein und fühle mich wohl. Ich konzentriere mich nur auf Eintracht Frankfurt, das ist meine oberste Priorität.“ Wohlbekannte, inhaltsleere Worte, die einen Verbleib nicht wahrscheinlicher machen. 

Intern hat sich die Eintracht schon darauf vorbereitet, dass einer aus dem magischen Dreieck da vorne den Klub verlassen könnte, und da ist Jovic wegen seines Alters und des Potenzials garantiert derjenige, der am meisten Geld bringt. Vieles hängt aber natürlich davon ab, welchen Weg der Spieler selbst gehen will. 

Das machte jetzt auch Keeper Kevin Trapp deutlich, noch so ein ausgeliehener Spieler, aber einer, ohne eine entsprechend fix verankerte Kaufoption. Der 28-Jährige stellte nun klipp und klar heraus, wer bestimmt, in welche Richtung seine Karriere sich zu bewegen hat. „Eintracht Frankfurt muss wollen, Paris spielt eine Rolle, und ganz am Ende ist mein Wort das entscheidende. Ich entscheide das. Ohne mein Ja oder mein Nein passiert gar nichts“, sagte der Schlussmann und ergänzte: „Ich habe gesagt, dass ich mich hier superwohl fühle. Gerade seitdem ich wieder da bin, merke sich sehr deutlich, dass der Klub auf dem richtigen Weg ist, dass sich etwas nach vorne entwickelt, auch von der gesamten Denkweise. Das sind viele positive Dinge.“

 Die Eintracht würde den ehrgeizigen und charakterstarken Torwart gerne längerfristig an sich binden, dazu müsste sie dem Torsteher gewiss eine europäische Perspektive bieten können, also sich zumindest erneut für die Europa League qualifizieren. Und sie müsste eine Übereinkunft mit dem französischen Meister Paris Saint Germain treffen, bei dem der Nationalkeeper noch unter Vertrag steht – bis 2020.

Der gebürtige Saarländer war vor vier Jahren für knapp zehn Millionen Euro nach Paris gewechselt. Dass PSG nun, wie kolportiert, acht Millionen Euro fordert, scheint nicht besonders realistisch. Trapp ist in einem Jahr ablösefrei, wurde in Paris auf Platz drei des Torhüterrankings gelistet. Da scheint diese Summe etwas überhöht. Die Eintracht ihrerseits wird so viel sicher nicht zahlen, zumal der Torhüter ja auch nicht günstig ist, in Frankreich strich er per annum fünf Millionen Euro ein. Selbst wenn er ein paar Abstriche machen sollte, wird sich der Frankfurter Klub mächtig strecken müssen, um Trapps Salär stemmen zu können. 

Und die Verhandlungen mit PSG könnten auch kompliziert werden, gerade dann, wenn noch ein anderer Klub auf den Torwart aufmerksam werden würde und ihn ernsthaft verpflichten wollte. Das würde die Verhandlungsposition der Pariser stärken, auch wenn der deutsche Nationaltorwart nirgendwo unterschreiben wird, wenn ihm der Verein nicht zusagt. Und doch gibt es genügend Spitzenklubs, die interessant sein könnten. Und der Musterprofi ist in seinem ganzen Wesen mächtig gereift, tritt schon fast wie ein Elder Statesman auf, wortgewandt, sicher, selbstbewusst. So einer würde sich schnell überall zurechtfinden.

Gute Chancen bei Rode 

Andererseits hat er sich im Sommer bewusst für die Eintracht und gegen andere verlockende Angebote entschieden, weil er sich am Main heimisch und wohl und wertgeschätzt fühlt. Mal sehen, was im kommenden Sommer passiert. Verwundern würde es nicht, wenn es einen recht zähen und langen Poker geben wird. Sollte die Eintracht abermals international spielen, stehen die Chancen, den Keeper zu halten, bestimmt nicht schlecht. 

Bei Sebastian Rode dürfte die Möglichkeit, ihn weiterhin im Eintracht-Dress auflaufen zu sehen, noch größer sein. Nach Dortmund kann der 28-Jährige, bei rationaler Betrachtungsweise, kaum mehr zurückkehren. Er hat beim BVB zwei Seuchenjahre hinter sich, ist von Trainer Lucien Favre zu Saisonbeginn quasi aussortiert worden. Sein Arbeitsverhältnis mit der Borussia endet 2020, was bedeutet, dass auch die Dortmunder, die den Südhessen einst für zwölf Millionen aus München holten, keine opulent hohen Forderungen aufrufen können. 

Es würde doch sehr überraschen, wenn sich die Frankfurter Verantwortlichen mit den Westfalen nicht auf einen endgültigen Transfer im Sommer einigen könnten. Rode selbst wird allerdings einige Einbußen hinnehmen müssen, ein Gehalt wie bei Bayern oder in Dortmund wird er in Frankfurt nicht beziehen können. Für den bescheidenen Spieler ist eine gute sportliche Perspektive allerdings wichtiger, auch über die ihm dargebrachte Anerkennung freut er sich aufrichtig. Wieder mittendrin zu sein, ein fester und respektierter Teil der Mannschaft, all das ist für einen Typen wie Seppl Rode nicht unerheblich. 

Etwas komplexer gestaltet sich der Fall bei Martin Hinteregger, den aus Augsburg ausgeliehenen Verteidiger. Die Eintracht würde auch ihn, den 26 Jahre alten Österreicher, gerne weiter beschäftigen, doch da stellt die Ablösesumme sehr wohl ein Problem dar. Die Fuggerstädter würden sich gerne mit einem Betrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich entschädigen lassen. Ein Haufen Zaster für einen Abwehrspieler, der zwar gute Leistungen zeigt, aber dessen Entwicklungspotenzial mit 26 begrenzt ist. Da wird die Eintracht abwägen müssen und natürlich auch schauen, wie er sich in den verbleibenden Spielen schlägt. Es ist natürlich auch eine Frage des Preises, der womöglich noch gedrückt werden kann, und gewiss wird die Sportliche Leitung gemeinsam mit dem Vorstand erörtern müssen, wie viel Geld generell vorhanden ist und wie es am besten eingesetzt werden soll, um die Mannschaft zu verstärken. 

Am einfachsten stellt sich die Situation bei Filip Kostic dar, der Serbe ist für zwei Jahre vom HSV ausgeliehen. Die Leihgebühr beträgt für beide Spielzeiten 1,2 Millionen Euro, die Eintracht besitzt eine Kaufoption in Höhe von 6,5 Millionen Euro. Kostic hat sich längst als Volltreffer entpuppt. 6,5 Millionen sind da ein wahres Schnäppchen.

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