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Frankfurts Martin Hinteregger sitzt nach Spielende auf dem Spielfeld.

SGE überwintert in Europa League

Arsenal sei Dank: Eintracht Frankfurt zittert sich in die nächste Runde

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verliert gegen Vitoria Guimaraes, überwintert aber dank dem FC Arsenal dennoch in der Europa League.

Frankfurt - Die Rechenschieber konnten zwar in der Schublade bleiben, aber mächtig gezittert um den Einzug ins Sechzehntelfinale wurde dennoch: Eintracht Frankfurt unterlag zwar zu Hause überraschend Vitoria Guimaraes 2:3 (2:1). Weil aber gleichzeitig Standard Lüttich über ein 2:2 gegen den FC Arsenal nicht hinauskam, ziehen die Hessen mit viel Glück in die Runde der letzten 32 Mannschaften ein. 

Die Eintracht hat sich unter den Augen ihres Ex-Trainers Niko Kovac wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, sie lieferte ein ganz schwaches Spiel ab. Die Hessen sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, konnten aber nie ihre Schwächen kaschieren. Spielerisch lief nicht vieles zusammen. Und von einer erhofften Initialzündung für die nächsten drei Bundesligabegegnungen konnte nach der Schlappe auch keine Rede mehr sein.

Dessen ungeachtet überwintern die Frankfurter international, die Auslosung für die Runde am 20. und 27. Februar findet am kommenden Montag in Nyon statt. Für den Einzug in die K.o.-Phase kassiert die Eintracht eine halbe Million Euro zusätzlich. Hätten die Hessen diese Partie gewonnen, wären sie sogar als Erster der Gruppe F durchs Ziel gegangen.

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic erleichtert

Sportvorstand Fredi Bobic war nach dem Zitterspiel sichtlich erleichtert: „Es war keine einfache Gruppe. Wir sind weiter, das zählt.“ Die Mannschaft habe das Spiel „unnötig aus der Hand gegeben“, aber es gäbe dafür auch Gründe: „Wir hatten 20 Spiele in der Europa League in diesem Kalenderjahr. Das ist eine Menge Holz. Das merkt man natürlich.“ Trotzdem sei es „eine Erfolgsstory“.

Verteidiger Danny da Costa sagte: „Wir haben uns in der zweiten Halbzeit zu tief reindrücken lassen und können bei Arsenal danke sagen, dass sie das noch gedreht haben.“ Er habe „gar nicht mitgekriegt, ob wir draußen oder weiter sind.“ Und dann ergänzte er in derben Worten: „Ich war extrem angepisst. Wir sollten jetzt in London anrufen, weil sie uns den Arsch gerettet haben.“

Der Einzug in die K.o.-Phase begann mit einer kalten Dusche: Es waren gerade mal acht Minuten gespielt, die Stimmung im weiten Rund war lautstark-europäisch, da lagen die Portugiesen plötzlich und unerwartet in Front: Rochinha hatte aus halbrechter Position getroffen und Torwart Frederik Rönnow nicht besonders gut aussehen lassen. Aber zuvor war im Mittelfeld Sebastian Rode von Denis-Will Poha gefoult, es hätte eigentlich Freistoß geben müssen für die Hessen. Das Gegentor war ein Schock für die Frankfurter, die sich das komplett anders vorgestellt hatten. Und sie hatten daran zu knabbern. Hinzu kam, dass Vitoria Guimaraes ein blitzsauberes Spiel aufzog, technisch sehr versiert, flink. Sie agierten aus einer sehr dicht gestaffelten Hintermannschaft heraus, agierten in einem 5-4-1-System, das den Frankfurtern nicht die Luft zum Atmen ließ.

Eintracht Frankfurt war Angst anzumerken

Und hätte sich André Pereira nur zwei Minuten nach der Führung ein wenig mehr zugetraut, die Hessen wären gar mit 0:2 ins Hintertreffen geraten. Doch der Portugiese zögerte viel zu lang mit dem Abschluss, sein Schuss konnte gerade noch abgeblockt werden. Der Eintracht merkte man in dieser Phase deutlich die Angst an, die große Chance auf das Weiterkommen plötzlich verspielen zu können.

Es dauerte eine Weile, ehe die Frankfurter wieder Zugriff bekamen. Dazu glänzten sie gegen die massiert auftretenden Portugiesen wahrlich nicht mit Ideen, ihnen fiel wenig ein, den Abwehrriegel zu knacken. Und so bedurfte es der gütigen Mithilfe der Gäste, zum glücklichen Ausgleich zu kommen. Einen komplett harmlosen Kopfball von der Strafraumgrenze von Danny da Costa ließ Torwart Miguel Silva, bei Vitoria die Nummer zwei, durch die Hände gleiten, der Ball trudelte über die Linie, 31 Minuten waren da absolviert. Kurz zuvor hatte der Schlussmann einen Kopfball von Goncalo Paciencia aus fünf, sechs Metern Entfernung noch spektakulär über die Latte geboxt.

Eintracht Frankfurt: Doppelschlag innerhalb von sechs Minuten

Die Frankfurter Führung sieben Minuten später resultierte dann aus dem schönsten Angriff der ersten Halbzeit. Der lange blass gebliebene André Silva hatte Filip Kostic ins Szene gesetzt und dessen flache Hereingabe drückte Daichi Kamada zum 2:1 ins Tor: Es war eine Kopie des Tores vom vergangenen Freitag in der Bundesliga gegen Hertha Berlin,. das aber wegen eines Fouls von Kostic zurückgenommen worden war. Und es war bereits das dritte Tor des Japaners in der Europa League. Unmittelbar vor der Pause hätte Silva den Deckel fast schon auf diese Partie machen können, doch seinen viel zu schwachen Schuss von der Fünfmetermarke wehrte Miguel Silva ab.

Erstaunlicherweise brachte die Führung eingangs der zweiten Halbzeit weder Ruhe noch Sicherheit ins Frankfurter Spiel. Ja, die Hessen hatten sogar Glück, dass ein fulminanter Schuss von Florent Hanin von der Latte ins Feld zurückprallte, Die Eintracht bekam kaum noch einen vernünftigen Spielzug zu Wege, im zweiten Abschnitt ging ihr so gut wie nichts mehr. Guimaraes war viel besser im Spiel, die Eintracht schwamm zeitweise gehörig. Sie bettelte förmlich um ein Gegentor. Fünf Minuten vor dem Ende war es dann geschehen, Ali Al Musrati markierte mit einem abgefälschten Schuss den Ausgleich, keine zwei Minuten später erzielte der eingewechselte Marcus Edwards (87.) sogar das 3:2 für Guimaraes. So mussten die Frankfurter bange Minuten überstehen, ehe in Lüttich die Partie abgepfiffen wurde.

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