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Freut sich über den Sieg: Eintracht-Keeper Frederik Rönnow.

DFB-Pokal

Eintracht Frankfurt mit viel Mühe ins Achtelfinale

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Eintracht Frankfurt legt im DFB-Pokal prima los, muss dann aber beim knappen 2:1-Erfolg bei St. Pauli lange um den Erfolg bibbern.

Es war eine Menge los nach einem klaren, kalten, sonnigen Tag auf dem Hamburger Kiez am Mittwochabend. Das lag einerseits daran, dass auf dem Heiligengeistfeld die Flutlichter im Millerntor leuchteten und mit der Frankfurter Eintracht ein wahrhaftig prominenter Bundesligist zu Gast beim Zweitliga-Zwölften FC St. Pauli war. Andererseits hatte es aber auch damit zu tun, dass sie sich in Hamburg den heutigen Donnerstag nunmehr im dritten Jahr in Folge als Reformations-Feiertag gönnen. Da tanzt der gemeine Hamburger natürlich gern in den Morgen hinein.

Fans des einheimischen Zweitligisten, wo die Stimmung vor dem Pokalspiel der zweiten Runde bestenfalls als mittelmäßig beurteilt werden konnte, hatten zum Feiern nach der aus ihrer Sicht unglücklichen 1:2 (1:2)-Niederlage gegen die klassenhöhere und keineswegs überzeugende Eintracht keinen aktuellen Grund, sieht man mal von Martin Luthers 502 Jahre alten Bemühungen um eine Kirchenreformation ab. Mit dem Weiterkommen ist zudem ein Wunsch von Trainer Adi Hütter in Erfüllung gegangen, der unbedingt „im Frühjahr noch im Wettbewerb“ sein wollte, wie er tags zuvor gesagt hatte.

Eintracht Frankfurt im Achtelfinale des DFB-Pokals

Die Eintracht-Fans konnten sich umso inniger ins Nachtleben werfen, denn sie wissen nun: Das Los von Eintracht Frankfurt befindet sich am Sonntag ab 18 Uhr im Deutschen Fußballmuseum mit im gläsernen Topf der letzten 32, die dann Anfang Februar 2020 um den Einzug ins Viertelfinale streiten. Mehr als 700 000 Euro aus dem Pokalpott spült der Sieg zudem in die ohnehin recht prall gefüllte Eintracht-Kasse.

Bas Dost erzielt das 2:0.

Die wird sich allerdings auf andere Art und Weise wieder ein gutes Stück leeren: Noch ehe die Partie mit Verspätung angepfiffen wurde, fielen einige Frankfurter Anhänger nicht nur durch Abbrennen von Pyrotechnik auf, sondern auch durch das Zünden von Kanonenschlägen und dem Abschießen von Raketen Richtung Rasen. Eine DFB-Strafe ist gewiss.

Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal: Kräftige Rotation in der Startelf

Trainer Adi Hütter hatte kräftig rotiert, Evan Ndicka, Timothy Chandler, Erik Durm, Dominik Kohr und überraschend auch Bas Dost nach überstandener Leistenverletzung gehörten zur Startelf. Die Hälfte der Frankfurter Feldspieler war also im Vergleich zum 2:4 vom Sonntag in Mönchengladbach ausgetauscht worden – sicher auch mit Blick aufs Bundesliga-Topspiel gegen die Bayern am Samstagnachmittag. Bei St. Pauli durfte der Ex-Frankfurter Johannes Flum erstmals in dieser Saison von Beginn an mittun. Im Tor stand, erstmals überhaupt für die Erste Mannschaft des Zweitligisten, Korbinian Müller.

Der wurde nach bereits dreieinhalb Minuten überwunden. Martin Hinteregger hatte rechts aus dem Halbfeld mit links geflankt, Bas Dost schraubte sich in bester Strafraumstürmermanier hoch, und sein kluger Kopfball senkte sich über den verdutzten Müller ins lange Eck. Eine bärenstarke Szene des Niederländers, wiewohl Pauli-Trainer Jos Luhukay sich noch in der Pause beim Schiedsrichter über Dost grenzwertigen Körpereinsatz beschwerte.

„Das sind die geilsten Spiele“: Eintracht Frankfurt freut sich auf die Bayern

Auch beim 2:0 war Hinteregger mit dabei. Der Österreicher erlief heroisch einen verunglückten Querpass von Makoto Hasebe noch kurz vor der Außenlinie (und krachte dabei sogar in die Bande), Kohr passte gedankenschnell genau in den Lauf des durchgestarteten Dost, der mit seiner zweiten bärenstarken Aktion eiskalt und abgezockt mit einem Schlenzer über den verzweifelt herausstürzenden Müller verwandelte. Gerade mal 16 Minuten waren da gespielt. Die Partie schien früh entschieden. War sie aber dann doch nicht.

Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal: Keine Entlastung in der zweiten Hälfte

Es war dann nicht einmal überraschend, dass sich danach Nachlässigkeiten ins Frankfurter Spiel mischten. Zwar lief der Ball meist halbwegs flüssig, aber echte Torgefahr kam dabei nicht mehr wirklich zustande, zudem geriet die Konterabsicherung mangelhaft. Auf der anderen Seite gaben die Kiezkicker, angetrieben vom enthusiastischen Publikum im ausverkauften Haus, natürlich nicht auf. Erst hatte die Eintracht noch Glück, als ein harter Wumms von Marvin Knoll an den Pfosten klatschte, dann wehrte Frederik Rönnow einen Schuss von Victor Gyökeres mit Mühe ab. Drei Minuten vor der Pause aber, das Spiel hatte sich schon beruhigt, spielte Hinteregger den Ball mit der Hand, es gab Strafstoß, den Waldemar Sobota in die Mitte verwandelte - 1:2. Die Spielbude kochte, auch die Pauli-Fans demonstrierten nun semiprofessionelles Zündeln.

Eintracht Frankfurt gewinnt beim FC St. Pauli: Die Spieler in der Einzelkritik

Zur zweiten Halbzeit brachte Hütter Danny da Costa für Chandler und David Abraham für den wegen des Handspiels bereits verwarnten Hinteregger. Die Gastgeber, gut organisiert von Flum, attackierten nun mit frischem Pokalfieber mutiger, das 2:2 lag mehrfach in der Luft. Die Eintracht bekam das Spiel nur schwer beruhigt, die meisten Zweikämpfe gingen verloren, selbst Hasebe ließ sich ab und an von der um sich greifenden Unsicherheit mit anstecken.

Trainer Hütter trieb draußen immer wieder an, aber das Positionsspiel klappte überhaupt nicht mehr, auch, weil das Freilaufverhalten keineswegs erstligareif war. Entlastung? Fehlanzeige! Am Ende wurde eine zunehmend hitzige Partie, die aus Frankfurter Sicht sehr entspannt begonnen hatte, zu einem wahren Zitterspiel, das zudem viel Kraft kostete (hier können Sie den Liveticker zum Spiel nachlesen). Kraft, die der Eintracht nun gegen die 24 Stunden länger ausgeruhten Bayern fehlen könnte.

Am Tag nach dem Weiterkommen im DFB-Pokal hat Eintracht Frankfurt gleich die nächste gute Nachricht parat: Das Waldstadion wird ausgebaut. 

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