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Jan Zimmermann zum Spiel gegen die Bayern: Wir wollen Punkte, am besten drei.

Eintracht Frankfurt

Jan Zimmermann: Spieler, Integrationshelfer und stolzer Papa

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Torwart Jan Zimmermann über seine Rolle als Integrationshelfer, sein Leben als stolzer Papa und handyfreie Zeiten.

Jan Zimmermann, der nur Zimbo gerufen wird, ist im Brotberuf Fußballtorwart, in Frankfurt die Nummer drei, aber er ist viel mehr als ein Ballfänger. Der 34-Jährige ist der gute Geist, ein kommunikativer Typ, eloquent und intelligent, ein Menschenfreund, der hilft, wo er kann. Auch bei der Integration neuer Spieler. „Wenn man sich die Zeit nimmt, gerade bei den Neuzugängen und ihnen ein offenes Ohr schenkt , dann hilft das ihnen. Das wird wertgeschätzt. Ich behandele einfach die Menschen so, wie ich auch behandelt werden möchte. Damit bin ich ganz gut gefahren“, sagte er mal. Und weiter: „Ich bin schon ein eher extrovertierter Typ, der auf die Leute aktiv zugeht. Man muss ja schon ein bisschen emphatisch sein, um sich in die Menschen reinversetzen zu können.“

Das bestätigt Frederik Rönnow, zurzeit die Nummer eins im Eintracht-Tor. Er bezeichnet Zimmermann als guten Freund, mit dem man Pferde stehlen kann. „Zimbo hat sich von Anfang an um mich gekümmert, war für mich ein Mentor, Übersetzer und Helfer in einem. Wir sprechen viel miteinander. Das heißt, Zimbo redet viel, und ich höre meistens zu, das kann ich gut“, sagte der Däne lächelnd. Sie spielen gemeinsam mit Sebastian Rode auch leidenschaftlich gerne Skat.

Jan Zimmermann: Ich stelle mein Ego hinten an

Herr Zimmermann, wir wollen ja jetzt nicht gleich zu Beginn zu tief in der Wunde bohren, aber Hand aufs Herz: Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Sie in Ihrer Karriere als Torwart noch mal ein Bundesligaspiel gewinnen? Sie wissen ja, Ihre Serie von fünf Niederlagen in fünf Partien ist schwarz und verbesserungswürdig.
Ich bin älter geworden, die Prioritäten und die Sichtweisen verändern sich, deshalb kann ich damit ganz gut leben. Ich hatte fünf Bundesligaspiele für Eintracht Frankfurt, ich darf im Verein viel erleben, von daher gibt es überhaupt keine Wehmut. Ich beschäftige mich damit gar nicht, nullkommanull. Ich freue mich vielmehr, dass der Freddy (die aktuelle Nummer eins Rönnow; Anm. d. Red.) gut performt hat, weil ich mit ihm viel gearbeitet und viel geredet habe. Ich freue mich, wenn die Neuzugänge gut drauf sind und sich wohlfühlen. Wenn hier alles funktioniert und wir erfolgreich sind, dann ist mir das viel wichtiger als meine persönliche Befindlichkeit. Da stelle ich mein Ego hinten an. Ich sehe mich als Teamspieler, und auch ich habe sicher meinen Anteil an den Erfolgen in den letzten Jahren, auch wenn der Prozentsatz klein sein mag. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich hier gerne noch mal in unserer Arena spielen würde. Das ist doch ganz normal. Aber ich gehe nicht ins Bett und denke: Hoffentlich erlebe ich das noch mal. Nein, ich habe keinen Grund, mich zu beklagen.

Haben Sie nicht darauf gehofft, dass Sie die Nummer zwei werden, als sich Kevin Trapp verletzt hat?
Ich kann doch nichts anderes machen, als gut zu trainieren und mein Bestmögliches auf dem Platz zu geben. Die Entscheidung treffen dann Cheftrainer Adi Hütter und Torwarttrainer Moppes Petz. Wenn ich mich damit beschäftigen würde, würde mir das doch viel zu viel Energie rauben. Ich kann das ja nicht beeinflussen. Ich kann meine körperliche Verfassung beeinflussen, meine Performance auf dem Platz. Und, nicht zu vergessen, in der Europa League bin ich ja die Nummer zwei. Aber noch mal: Es wäre für mich ganz furchtbar, wenn ich den Gedanken hätte: Hoffentlich verletzt sich ein Torwart, der vor mir steht. Nein, so bin ich nicht. Wir haben in Frankfurt ja auch eine luxuriöse Situation: Wir haben zwei Nationaltorhüter (Kevin Trapp und Frederik Rönnow; Anm. d. Red.), mit Wiede einen Torwart, der 70 Bundesligaspiele auf dem Buckel hat (Felix Wiedwald; Anm.d.Red.) und meine Wenigkeit, die in der zweiten Liga schon gezeigt hat, dass sie nicht zu den Schlechtesten gehört. Das ist schon eine spezielle, komfortable Situation. Außerdem ist es so: Ich kenne meine Aufgabe in diesem Eintracht-Universum, und die geht über das Torwart-Dasein hinaus.

Jan Zimmermann hat erste Trainerlizenz – Einmal in der Woche Training mit den Jugendtorhütern

Sie sprechen schon manchmal wie ein Trainer, ein Unterstützer und Helfer.
Absolut. Das erklärt sicher auch, weshalb ich mit der Situation entspannt umgehe. Ich habe eine Zwitter-Position. Ich versuche, als aktiver Spieler mein Bestmögliches rauszuholen. Auf der anderen Seite habe ich die Rolle des Unterstützers und Trainers. Ich bespreche viel mit meinen Torwartkollegen, arbeite eng mit Moppes zusammen. Und dann trainiere ich ja auch einmal die Woche die Jugendtorhüter am Riederwald. Von der U10 bis zur U19. Das ist sehr zeitintensiv und anstrengend, aber erfüllt mich total. Und ich habe auch meine ersten Trainerlizenzen gemacht.

Erzählen Sie doch mal.
Es gibt zwei Säulen, die als Torwarttrainer und die als Mannschaftstrainer. Ich habe im Sommer meinen Torwarttrainer-Leistungskurs gemacht, das ist die zweithöchste Lizenz. Und vor kurzem auch einen DFB-Elite-Kurs, da geht es um das Allgemeine. Ich möchte so viel Input wie möglich, mich immer weiterbilden. Der Feldspielerlehrgang war für mich absolutes Neuland, sehr anspruchsvoll. Da war ich für zwei Wochen in Oberhaching, war hier bei der Eintracht während der Länderspielpause für zwei Wochen freigestellt. Da muss man extrem viel lernen, das ist wie ein Studium mit Praxisteil. Lernen ist mir zum Glück immer leicht gefallen. Und wenn ich etwas mache, dann möchte ich es nicht irgendwie, sondern gut machen.

Sie haben vorhin Frederik Rönnow angesprochen, Ihren Kollegen, dem Sie freundschaftlich verbunden sind. Wie konnten Sie ihm in seiner schweren Zeit helfen?
Zunächst einmal muss man sagen, dass wir Torhüter eine spezielle Beziehung zueinander haben, weil wir eine Gruppe innerhalb der Gruppe sind. Wir verstehen uns alle gut. Bei uns herrscht keine Missgunst. Keiner sabotiert den anderen - zu meinen Anfangszeiten habe ich so was sehr wohl schon erlebt. Nein, das hier ist das Gegenteil davon. Und ich bin jemand, der versucht, sich emphatisch den Neuzugängen anzunehmen. Freddy und ich haben uns vom ersten Tag an super verstanden. Deshalb freut man sich umso mehr, wenn er so einen Spotlighttag wie gegen Leverkusen hat. Er hatte hier eine schwere Zeit, das darf man nicht vergessen, die Leute haben nach dem schwierigen Start an ihm gezweifelt, ihn schlechter gesehen als er ist. Und ich habe ihm auch den Tipp gegeben, vielleicht doch mal ein bisschen häufiger in den Kraftraum zu gehen. Den hatte er, bis er zur Eintracht kam, noch nicht so oft gesehen (lacht).

Jan Zimmermann: Es ist das Großartigste und Tollste, Vater zu sein

Er gehört ja auch zu Ihrer Skatgruppe mit Sebastian Rode.
Und Bas Dost, er spielt jetzt auch mit, muss sich aber an die deutschen Besonderheiten noch gewöhnen (lacht). Und Wiede hat neulich mal mitgespielt. Aber dass wir heutzutage, 2019, überhaupt eine Skratrunde zusammenbekommen, ist ja beeindruckend. Als ich das letzte Mal mit einer Fußballmannschaft gespielt habe, das war, glaube ich, 2009.

Sind Sie eigentlich noch im E-Sport-Kader der Eintracht?
Nein, das hat zeitlich nicht mehr hingehauen. Und ich bin einfach zu schlecht, da fehlen mir viel zu viele Stunden. Ich sehe E-Sports aber generell positiv, auch wenn das vielleicht irgendwie romantisches Denken ist: Ich hoffe, dass es so wieder mehr soziale Kontakte gibt, denn sie spielen ja in der Gruppe, interagieren, soziale Kompetenzen werden gebildet. Die würden nicht gebildet, wenn sie zu Hause über das Internet spielen würden. Das ist nun mal die heutige Zeit, wir können ja nicht mehr ändern, dass gezockt wird.

Sie sind ja, wie so viele Eintracht-Spieler in diesem Jahr, Vater geworden. Hat das etwas verändert?
Stimmt. Mijat Gacinovic, Erik Durm, Filip Kostic, Gelson Fernandes, Freddy Rönnow und ich – wir sind alle Väter geworden. Läuft bei uns, würde ich sagen (lacht). Im Ernst: Es ist das Großartigste und Tollste, Vater zu sein. Ich finde gar nicht genügend Superlative. Ich habe auch vom ersten Tag immer fleißig die Windeln gewechselt, wollte direkt richtig dabei sein und nichts verpassen. Das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Familie steigt noch mal, klar, aber meine Werte und meine Sichtweise aufs Leben haben sich nicht verändert. Seit meinem Tumor hat sich da bei mir ja ohnehin einiges verändert. Ich möchte meiner Tochter aber auf jeden Fall eine Zukunft bieten, die es ihr ermöglicht, sich so zu entfalten, wie sie es möchte.

Machen Sie sich in diesem Zusammenhang Gedanken um unser aller Zukunft?
Klar. Das meine ich mit Verantwortung und Bewusstsein. Das Leben endet nicht mit meinem Tod, es gibt meine Tochter, jetzt drei Monate alt, es gibt ein Leben nach mir, nach uns allen. Wir sollten gewährleisten, dass auch unsere Nachkommen eine Zukunft haben. Da gehört die Klimadebatte dazu. Auch die politische Entwicklung macht mir Sorge, wenn ich mir die Ergebnisse der AfD anschaue. Aber ich möchte jetzt keine politische Diskussion führen.

Bei Eintracht Frankfurt ist vieles gleich geblieben

Sie gehen gerne Wandern, auch hoch auf eine Berghütte, dann schalten Sie das Handy aus, schalten ab. Funktioniert das mit einer kleinen Tochter noch?
Ja, wir waren erst in der letzten Länderspielpause am Achensee. Da sind wir zwar nicht mehr auf den Gipfel der Berge gegangen, weil wir ja mit dem Kinderwagen unterwegs sind, aber noch hoch genug. Und dann ist bei uns immer handyfreie Zeit, dann ist Zeit für uns, um die Ruhe zu genießen und mal innezuhalten. Da kann es auch sein, dass mal keiner ein Wort spricht für eine halbe Stunde. Wenn ich generell zu viel mit dem Handy beschäftigt bin, dann ärgert mich das. Ich könnte die Zeit sinnvoller nutzen.

Kommen wir dann doch noch mal zum Sport, was bei einem reflektiertem Gesprächspartner wie Ihnen ja gar nicht so leicht ist. In wiefern unterscheidet sich die neue Eintracht von der alten aus der letzten Saison?
Das Personal hat sich verändert und auch die Spielweise. Wir haben mehr Ballbesitz, versuchen, anders zu spielen. Natürlich haben wir auch was verloren, vorne ein bisschen Dynamik, klar. Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic – sie haben extreme Qualität. Aber Bas Dost hat auch schon gezeigt, dass er weiß, wo das Tor steht, auch Goncalo Paciencia hat sich super entwickelt. Aber ich finde, das Wichtigste ist, dass vieles gleich geblieben ist.

Was meinen Sie?
Das Untereinander, das Miteinander, das gegenseitige Unterstützen. Das ist geblieben. Und das ist das Wichtigste. Wenn ein neuer Spieler reinkommt, dann ist er bereit. Wir haben willige, charakterstarke Spieler. Nehmen Sie Simon Falette in der vergangenen Saison. Er hatte monatelang nicht gespielt und dann gegen Lissabon ein herausragendes Spiel gemacht. Das geht nicht, wenn du dich unter der Woche hängenlässt. Und so ist es jetzt auch wieder. Und das ist entscheidend. Und ich finde, man muss das auch immer in Relation setzen.

Die Erwartungen bei Eintracht Frankfurt sind gestiegen

In Relation zu was?
Man muss sehen, wo wir herkommen. Wir waren 2016 noch in der Relegation gegen Nürnberg, und schauen Sie, was seitdem hier passiert ist. Wir waren zweimal im Pokalfinale, einmal Pokalsieger, waren letzte Saison im Halbfinale der Europa League und haben uns wieder für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Das ist schon ein organisches Wachstum und kein Zufall. Andere, die mal einen Ausrutscher nach oben hatten, sind danach abgestiegen. Wir aber haben das bestätigt. Das ist, ganz klar, ein Verdienst von Fredi Bobic, Bruno Hübner, den Trainern und dem gesamten Team.

Eintracht Frankfurt düpiert Bayern München: Die Spieler in der Einzelkritik

Also sind generell die Erwartungen gestiegen?
Klar, man ist verwöhnt. So ist der Mensch. Er gewöhnt sich an das, was er hat, und möchte immer mehr. Aber von was reden wir aktuell? Wir sprechen davon, dass wir in der Europa League gegen Arsenal verloren haben und im Pokal auswärts gegen einen Zweitligisten nicht so überzeugend gespielt haben. Und in der Liga sind wir trotz des Umbruchs super unterwegs. Das muss man doch erkennen und anerkennen.

Am Samstag geht es gegen Niko Kovac und die Bayern. Die Bilanz, selbst zu Hause, ist eher dürftig.
Darum geht es doch nicht. Ich finde, das ist ein gutes Beispiel. Heute ist es so: Eintracht Frankfurt empfängt Bayern München und hofft nicht mehr nur, dass es unter vier bleibt. Nein, wir wollen Punkte, am besten drei. Und das trauen uns viele zu, wir selbst auch.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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