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Kann sich nicht durchsetzen: Gonzalo Paciencia (li.) in Mainz.

Kommentar

Eintracht Frankfurt: Ein Teil der Fans sucht die Machtprobe

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Eintracht Frankfurt hat aktuell auf dem Spielfeld Probleme. Und außerhalb droht die Auseinandersetzung mit einem Teil der Anhängerschaft. Der Kommentar.

Eintracht Frankfurt hat am schwarzen Montag in Mainz gleich in zweierlei Hinsicht kein gutes Bild abgeben, innerhalb wie außerhalb der Kreidemarkierungen. Innerhalb, weil man inzwischen im Niemandsland der Tabelle angekommen ist mit deutlicher Tendenz nach unten. Die Hessen müssen aufpassen, nach drei Niederlagen hintereinander in der Liga nicht weiter nach unten durchgereicht zu werden. Denn diese Mannschaft mag über viel Mentalität und Charakter verfügen, mit denen sie zu bestimmten, besonderen Anlässen, wie etwa jüngst in London, Spiele noch drehen und für sich entscheiden kann. 

Eintracht Frankfurt an es an einer grundsätzlichen Spielidee

Grundsätzlich aber fehlt es an dem gewissen Etwas, das ein Team über den Durchschnitt erhebt. Das mag eine Spielidee sein, eine individuelle Qualität - wie im letzten Jahr die Treffsicherheit der Büffelherde -, eine spezielle Art, wie man Fußball zu spielen gedenkt. Bei Eintracht Frankfurt ist von allen Dingen etwas dabei, es mangelt aber daran, worauf sich dieses Team im Krisenfall zurückziehen kann. Derzeit wirkt der Fußball mühselig, schwergängig, wankelmütig, keiner kann vorhersagen, wohin die Reise geht, ja selbst im laufenden Spiel zeigt diese Eintracht regelmäßig zwei unterschiedliche Gesichter.

Eintracht Frankfurt in Mainz: Teile der Fans demonstrieren Selbstherrlichkeit

Außerhalb des Spielfeldes droht unterdessen die Auseinandersetzung mit einem Teil der Anhängerschaft aus dem Ruder zu laufen, ja auf eine Machtprobe hinauszulaufen. Das, was sich in Mainz ereignet hat, war nichts anderes als zu zeigen, wer der Stärkere ist. Es ging nicht in erster Linie darum, gegen die verhassten Montagsspiele zu protestieren, es war die pure Provokation, die Demonstration der eigenen Selbstherrlichkeit.

Eintracht Frankfurt in der Europa League: Die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Vitoria Guimaraes im Live-Ticker

Und natürlich geht es dabei nicht um Fußball, nicht mal um die eigenen Spieler, sonst wäre nicht ein bodenständiger Typ wie Ersatzkapitän Rode von den Ultras beleidigt („verpiss dich“) worden. Es geht ihnen auch darum, zu zeigen, und zwar vor allem Vorstand Fredi Bobic, zu welch Aktionen sie fähig sind, sofern der Klub Entscheidungen trifft - die Einstellung des unbeliebten Andreas Möller zum Leiter des Nachwuchsleistungszentrums -, die den Ultras nicht passen.

Eintracht Frankfurt darf sich von Ultras nicht auf der Nase herumtanzen lassen

Spätestens da ist der Klub aber an einem Punkt angelangt, an der er reagieren muss, selbst wenn es auf eine Zerreißprobe hinausläuft. Er kann sich nicht von unbelehrbaren und im Grunde auch für vernünftige Gespräche nicht mehr zugänglichen Ultras auf der Nase herumtanzen lassen, er kann sich die Vereinspolitik nicht von außen vorschreiben lassen, schon gar nicht mit Pyro. 

Und man muss auch konstatieren: Die Vorstellung, mit langer Leine bei diesem Klientel etwas bewirken zu können, ist am Wanken. Zuschauerausschlüsse, Geldstrafen über die Jahre im hohen sechsstelligen Bereich, ein ramponiertes Image, das selbst beeindruckende Choreographien bei internationalen Auftritten zu Hause nicht mehr polieren, kann sich Eintracht Frankfurt nicht mehr leisten. 

Eintracht Frankfurt: Ein kleiner Teil bringt die friedlichen Fans ins Misskredit

Es nervt nur noch, wenn ein kleiner Teil abgedrehter Idioten den überwiegenden Teil friedlicher Fans in Misskredit bringt, und den gesamten Klub dazu. Dass es, um diesem Problem Herr zu werden, keine Patentlösung gibt, dass es schwer ist, die einzelnen Täter zu identifizieren, ist klar. Klar ist aber auch: Ein „einfach weiter so“, um ein berühmtes Axel-Hellmann-Wort zu zitieren, kann und darf es nicht geben.

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