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Frankfurter Rekordknipser: An einen Verbleib von André Silva glaubt niemand ernsthaft bei der Eintracht. hübner
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Frankfurter Rekordknipser: An einen Verbleib von André Silva glaubt niemand ernsthaft bei der Eintracht. (Archivfoto)

SGE

Eintracht Frankfurt bei lukrativen Angeboten für André Silva gesprächsbereit

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Am Beispiel Eintracht Frankfurt zeigt sich, wie massiv die Ausschläge im Fußball sein können.

Frankfurt – Ein einziges (an und für sich bedeutungsloses) Spiel bleibt noch, um so manche Bestmarke aufzuhübschen. Eintracht-Topstürmer André Silva etwa könnte seinen erstaunlichen 27 Treffern noch ein paar weitere folgen lassen, die Anzahl der Buden ist schon jetzt unglaublich.

Mehr Tore haben europaweit nur die Allergrößten geschossen, Cristiano Ronaldo (29), Lionel Messi (30) und natürlich Robert Lewandowski (40).

Eintracht Frankfurt: André Silva mit überragender Saison

In den vergangenen 40 Jahren ist ein Spieler mit so vielen Treffern nur zweimal nicht Torschützenkönig geworden, Timo Werner in der vergangenen Saison (28 Tore, Lewandowski 34) und Lewandowski 2017, der 30-mal traf, aber einmal weniger als Pierre-Emerick Aubameyang. Silva hat zudem zehn Vorlagen beigesteuert – mehr Scorerpunkte konnte niemals ein Frankfurter Spieler sammeln. Und das, wie Sebastian Rode dem Fachblatt „Kicker“ erzählte, bei einem Verein wie der Eintracht: „Bei Bayern und Dortmund sind die Mitspieler noch mal eine Klasse besser. Deshalb ist Andrés Leistung, 27 Tore zu schießen, noch mal höher einzuschätzen.“ Das ist richtig.

Und auch Filip Kostic sowie Daichi Kamada können an der Schraube drehen, beide haben 15 Torvorlagen geliefert, in der Bundesliga ist es einmalig, dass zwei Spieler eines Vereins jeweils so viele Assists lieferten.

Es war, und das streitet niemand ab, eine Spielzeit mit vielen Glanzlichtern und Rekorden, es ist aber nun mal der letzte Eindruck, der hängenbleibt, und da ist in den zurückliegenden Wochen einiges eingerissen worden, was sich Team und Trainer zuvor aufgebaut hatten. Die Saison wirkt merkwürdig verwässert und schal. Deshalb sind in Frankfurt auch alle froh, wenn die 90 Minuten gegen den SC Freiburg am Samstag (15.30 Uhr) absolviert sind und das letzte Kapitel dieser Runde abgeschlossen werden kann. Zu viel ist zuletzt kaputt gegangen, zu viele Nebenschauplätze aufgemacht, zu viel Zwietracht gesät und zu viele Enttäuschungen produziert worden. In fünf Wochen zeigte sich am Beispiel Eintracht Frankfurt, wie zerbrechlich so ein ganzes Gebilde und der Erfolg auf diesem Niveau ist und wie schnell sich alles ins Gegenteil verkehren kann – durch individuelle Zukunftsentscheidungen, missratene Kommunikation und plötzlich fehlende Glaubwürdigkeit. Da nutzt die klügste strategische Ausrichtung nichts mehr, da wird man von der Wucht der Eigendynamik hinfortgespült.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche sucht neuen Trainer

Insofern ist es nur gut, dass ab Sonntag eine neue Zeitrechnung beginnt, mit den Abgängen von Sportdirektor Bruno Hübner, der in jüngster Zeit übrigens fast unsichtbar war, Sportvorstand Fredi Bobic und Coach Adi Hütter wird die Sportliche Leitung von Bord gehen. Neue Leute übernehmen, Markus Krösche an der Spitze, sie werden eine neue Kultur und ein anderes Miteinander einführen, für frische Impulse sorgen. Das ist notwendig, um das Beladene und Schwere abzuwerfen und diesen heterogenen Traditionsklub wieder flottzumachen.

Markus Krösche verwendet momentan seine ganze Kraft, einen neuen Trainer zu holen. Dieser Schuss muss sitzen, diese Personalie ist, wie gerade diese Saison mit dem erklärbaren Einbruch zum Schluss überdeutlich zeigte, die wichtigste in einem Verein. Daher ist es richtig, wenn sich der 40-Jährige Zeit lässt, auch wenn so langsam mal weißer Rauch aufsteigen könnte. Doch Fehler werden nicht verziehen.

Die Strukturen im Führungszirkel und der Ebene darunter stehen dann wieder, in den kommenden Tagen wird auch die Rolle des Teammanagers besetzt, Timmo Hardung soll ebenfalls aus Leipzig kommen und in Frankfurt anheuern. Der 31-Jährige genießt einen exzellenten Ruf, gerne hätte ihn der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann mit zu Bayern München genommen, doch die Position ist dort bereits besetzt.

Auf Markus Krösche wird in den kommenden Wochen einige Arbeit einprasseln, der loyale, verbindliche und umgängliche Teamplayer wird zusammen mit seinen Vorstandskollegen auch entscheiden müssen, welches Preisschild für welchen Spieler gilt. Denn relativ klar ist, dass die Mannschaft zwar im Kern zusammenbleibt, sich auf einzelnen Positionen aber verändern wird.

Eintracht Frankfurt: Leistungsträger sind bei anderen Vereinen heiß begehrt

Kaum einer glaubt ernsthaft daran, dass Stürmer Silva auch in der neuen Spielzeit in Frankfurt seine Tore machen wird. Wer fast 30 Treffer in der Bundesliga schießt, der steht bei ganz anderen Klubs auf dem Zettel. Die Eintracht will sich verständlicherweise angemessen entschädigt wissen, 40 Millionen Euro soll der Portugiese bringen. Deutlich weniger wäre es bei Daichi Kamada, Evan Ndicka oder Filip Kostic. Sie alle sind aber auf dem Markt begehrt, und die Eintracht wäre gewiss verhandlungsbereit, wenn ein entsprechendes Angebot hereinkäme, selbst wenn sie nicht darauf angewiesen ist, Spieler zu verkaufen. So leicht ist das, gerade in Corona-Zeiten, ohnehin nicht. Linksaußen Kostic etwa war gefühlt jeden Sommer verkauft – doch ein entsprechendes Angebot flatterte nicht herein. Auch jetzt gibt es Spekulationen über einen Transfer. Klar ist aber, dass es eine in der Öffentlichkeit lancierten Zusage für einen ablösefreien Wechsel nicht gibt. Wer Kostic will, muss blechen, 20 bis 25 Millionen Euro sollten es sein. Mal sehen.

Sportchef Krösche wird versuchen müssen, einen Kader zu formen, der stark genug ist, die internationalen Strapazen und den nationalen Alltag zu schultern. Der Weg, junge Spieler heranzuführen wie Ali Akman und auch Fabio Blanco ist dabei der richtige, nur so kann der Verein Werte schaffen und die eigene Philosophie (Talente günstig holen, gut ausbilden, teuer verkaufen) am Leben halten. Aber nur mit juvenilen Hochbegabten wird es nicht gehen, doch das wissen die Verantwortlichen natürlich.

Leicht ist so eine Mehrfachbelastung nicht wegzustecken, das kennt die Eintracht aus eigener Anschauung. Genau deshalb hatten die Verantwortliche vor Beginn der jetzt ablaufenden Saison alles auf die Karte Eingespieltheit gesetzt und das Aufgebot beisammen behalten. Ohne die europäischen Touren, so war der Plan, könne man die internationalen Plätze angreifen – was ja letztlich klappte, aber eben doch nicht zum ganz großen Wurf langte.

Umso enttäuschender waren die Funktionäre intern übrigens über den Verlauf des ersten Saisondrittels, als die Eintracht nach zwölf Spielen nur zwei Siege und 14 Punkte geholt hatte und auf Platz zehn dümpelte. Damals, vor dem Augsburg-Spiel, wackelte sogar Trainer Hütter bedenklich. Klingt nun, vor dem Kehraus, wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit, ist aber Tatsache und zeigt, wie schnell es im Geschäft in beide Richtungen geht und wie massiv die Ausschläge sein können. (Ingo Durstewitz)

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