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Ging an seine Grenzen, reichte aber nicht fürs Weiterkommen: Eintracht-Profi Dominik Kohr (re.) gegen Basels Samuele Campo. hübner

Europa League

Eintracht Frankfurt: Wunder von Basel bleibt aus

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt rennt beim 0:1 gegen den FC Basel vergeblich an und schafft es nicht, den Drei-Tore-Rückstand aufzuholen.

Sie hatten auf ein perfektes Spiel gehofft, um das Wunder von Basel Wirklichkeit werden zu lassen. Doch nach 90 Minuten im fast menschenleeren St. Jakob-Park hat es für die Frankfurter Eintracht nicht gereicht, die 0:3-Hypothek aus dem Hinspiel vor exakt 147 Tagen war zu hoch. Die Hessen unterlagen am Donnerstagabend trotz großen Eifers und immensen Einsatzes 0:1 (0:0) beim FC Basel, Tabellendritter der gerade abgelaufenen Schweizer Liga. Der FC Basel zieht somit ins Viertelfinale der Europa League ein, trifft am kommenden Dienstag im K.o.-Spiel auf Schachtjor Donezk in Gelsenkirchen. Der Europa-Trip der Frankfurter, der am 25. Juli 2019 in Estland begann, ist damit zu Ende.

Die Eintracht hatte in Basel alles versucht, um das Unmögliche noch möglich zu machen. Sie rannte nimmermüde, aber eben auch vergeblich an. Die zweite Halbzeit war die bessere, da legten die Hessen nochmals einen Zahn zu, aber sie kamen einfach nicht durch, kreierten schlicht viel zu wenig Möglichkeiten. Ein Treffer der Frankfurter lag nie wirklich in der Luft. Dem Team von Trainer Adi Hütter fehlte über 90 Minuten trotz Feldüberlegenheit die erforderliche Durchschlagskraft, es fehlte Wucht und Power. Auf der anderen Seite war Torwart Kevin Trapp bester Frankfurter, ohne seine Paraden hätten die Hessen diese Partie klarer verloren. Verteidiger Martin Hinteregger sagte: „Bis zur 60. Minute war es gut für uns. Wir hätten unsere ersten Chancen nutzen müssen. Wir haben nur bis zum Sechzehner gut gespielt. Wir hätten irgendwie ein Tor machen müssen. Das ist uns nicht gelungen.“

Trainer Hütter hatte für die Mission Impossible im Grunde seine beste Elf nominiert - lediglich der Senior im Team, Makoto Hasebe, nahm erst einmal auf der Ersatzbank Platz. Martin Hinteregger hatte die Position des Japaners im Zentrum der Dreierabwehrkette übernommen, Evan Ndicka verteidigte links. Den Fokus freilich mussten die Hessen auf die Offensive legen, mit zwei Spitzen, André Silva und Bas Dost, sowie Daichi Kamada hinter den beiden, der tags zuvor 24 Jahre alt geworden war, wollten und mussten sie auf Torejagd gehen, mindestens drei hätten sie erzielen müssen, um erst wenigstens eine Verlängerung zu erzwingen. „Die Mannschaft ist heiß“, sagte der österreichische Trainer kurz vor dem Anpfiff, mutig habe man nach vorne spielen wollen.

Aber daraus wurde zunächst nichts, zumindest in den ersten 45 Minuten bissen sich die Frankfurter die Zähne aus am Baseler Beton. Die Eidgenossen hatten, was keine große Überraschung war, ihre ohnehin gute Defensive verstärkt, sie standen dicht und kompakt und ließen den Gästen kaum Raum. Dazu kam, dass Eintracht Frankfurt anfangs überhaupt nicht in die gefährliche Zone vordringen konnte. Den Hessen fehlte Spielwitz, fehlten Ideen, sie entwickelten in der ersten Hälfte kaum Druck, zudem unterliefen ihnen viele technische Fehler, was auch der mangelnden Spielpraxis geschuldet sein dürfte. Klar, sie waren feldüberlegen, hatten viele Ballkontakte, aber zwingend war es nicht, was sie vor das Schweizer Tor brachten.

Im Kern versprühten allenfalls zwei Kopfbälle, einer von Hinteregger (19.) und einer von Dost (45.), einen Hauch von Gefahr. Beide Versuche strichen über die Latte. Das war natürlich viel zu wenig, um einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen. Das Hütter-Team war zu harmlos, und wenn es hätte gefährlich werden können, trafen die Frankfurter Spieler die falschen Entscheidungen, dribbelten statt zu schießen. Vor allem die Offensive mit Silva, Dost und Kamada blieb in der ersten Hälfte nahezu alles schuldig.

Deswegen verwunderte es nicht, dass der FC Basel sogar die besseren Möglichkeiten hatte, Arthur Cabral (7. und 22.) vor allem aber Silvan Widmer (16. 25. und 26.) hatten die Führung auf dem Fuß. Es war Keeper Trapp zu verdanken, dass die Hessen zur Pause nicht zurücklagen. Der Tabellendritte der Schweizer Liga war jederzeit Herr der Lage.

„Wir müssen die Bälle besser in die Spitze spielen“, forderte Sportdirektor Bruno Hübner zur Pause. Trainer Hütter reagierte, brachte Hasebe für Ndicka und Stürmer Goncalo Paciencia für den enttäuschend Silva. Doch die besseren Möglichkeiten nach der Pause hatten wieder die Baseler, hatte erneut Silvan Widmer, der allein vor Trapp scheiterte. Mit Hasebe und Paciencia allerdings kam deutlich mehr Elan, der Portugiese hatte auch gleich eine Gelegenheit (52.), trat aber in aussichtsreicher Position ein Luftloch. Die Frankfurter erhöhten das Risiko, gingen mehr Tempo, waren die dominierende Mannschaft, sie sahen sich aber immer wieder Kontern der Hausherren ausgesetzt. Einmal musste Filip Kostic gar auf der Linie klären.

Und langsam lief den Frankfurtern die Zeit davon. Nach einer Stunde hatten die Hessen 17 Schüsse abgegeben, aber lediglich ein einziger war auch aufs Tor gegangen. Beide Teams lieferten sich zeitweilig einen offenen Schlagabtausch. Fabian Frei markierte schließlich kurz vor Schluss das 1:0 für die Schweizer, die insgesamt verdient eine Runde weiterkamen.

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