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Die Eintracht lässt ihre Gegner staunen: Tormaschine André Silva düpiert den Wolfsburger Jerome Roussillon, notfalls auch mit der Hacke. rhode
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Die Eintracht lässt ihre Gegner staunen: Tormaschine André Silva düpiert den Wolfsburger Jerome Roussillon, notfalls auch mit der Hacke. rhode

SGE

Eintracht mit denkwürdigem Wildwest-Duell gegen Wolfsburg

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt bezwingt Wolfsburg in einem Spiel auf höchstem Niveau, pulverisiert viele Bestmarken und marschiert schnurstracks Richtung Champions League.

An die sogenannten Geisterspiele haben sich die Darsteller längst gewöhnt, besonders toll finden sie es zwar nicht, so ganz ohne Emotionen von den Rängen ihrem Beruf an der Kugel nachzugehen, aber was will man machen? Das Niveau und die Intensität des Spiels, das lässt sich nach mehr als einem Jahr Corona-Frust sagen, haben definitiv nicht gelitten.

In Frankfurt sind die Fans ja besonders laut und überdreht, und selten sind sie so vermisst worden wie am Samstag im Stadtwald, weil dort das vielleicht hochklassigste Eintracht-Spiel der jüngeren Vergangenheit ausgetragen wurde: Ein wilder Ritt mit größtem Unterhaltungswert. Und mit gutem Ende für das Heimteam, nach 95 wie im Flug vergehenden Minuten hatten die Frankfurter den VfL Wolfsburg mit 4:3 (2:1) niedergerungen in einem Duell, das auch „5:5, 5:6 oder 6:3“ hätte ausgehen können, wie Sportvorstand Fredi Bobic betonte.

Eintracht Frankfurt: Etwa 100 Fans vor dem Stadion

„Sie können sich ja vorstellen, was hier los gewesen wäre, wenn die Hütte voll gewesen wäre“, sagte Trainer Adi Hütter. Dass er den Konjunktiv verwenden musste, stimmte ihn ernstlich traurig. „Dieses Spiel hätte ein ausverkauftes Haus verdient gehabt.“ Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass der Anhang gerade in dieser Saison ausgesperrt ist, in der Eintracht Frankfurt die Sterne vom Himmel spielt.

So durfte sich Hütter nur „wahnsinnig“ über die 100 Fans freuen, die sich vor den Toren des Stadions in der Otto-Fleck-Schneise versammelt hatten und ihre Mannschaft, so gut es ging, anfeuerten. „Das war nicht zu überhören. Das hat uns einen Schub gegeben.“ Zur Wahrheit gehört auch: Treffen dieser Art sind nichts, was die DFL in diesen heiklen Zeiten und mit einem noch mal nachgeschärften Hygienekonzept in helle Begeisterung versetzt. Im Gegenteil.

An den dezent in die Arena dringenden Sprechchören lag es jedoch gewiss nicht, dass sich auf dem Feld ein „absolutes Spektakel und ein absoluter Husarenritt“ (Hütter) entwickelte, eine schmissige Partie, die lange im Gedächtnis haften wird.

Eintracht Frankfurt: Durm-Tor als Schlüssel zum Sieg

Schon früh war klar, dass sich da zwei Mannschaften gegenüberstehen, die sich völlig zu Recht um die Zulassung für die Champions League bewerben und sich auf einen offenen Schlagabtausch einließen. Es war ein vogelwildes Fußballspiel, aber eines auf einem extrem hohen Niveau. „Ich dachte nach 25 Minuten schon, dass beide Mannschaft umkippen“, sagte Sportchef Bobic. Und so fühlte es sich offenbar auch auf dem Feld an. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals so ein intensives Spiel gespielt zu haben, in dem es nur auf und ab ging“, stöhnte Erik Durm, fast 29, und auch schon ein paar Jährchen dabei. Der starke Rechtsverteidiger war es, der für die Vorentscheidung sorgte, sein Schuss zum 4:2 (60.) war der „Schlüssel zum Sieg“, wie Hütter befand.

Schon nach sechs Minuten hatte das Scheibenschießen im Wildwestformat begonnen: Der umtriebige Ridle Baku brachte den VfL mit einem schönen Schlenzer in Führung, nach einem wunderbaren Angriff schlug die Eintracht durch Daichi Kamada postwendend zurück (8.), Luka Jovic in typischer Luka-Jovic-Manier drehte den Spieß um (27.). Es war schon das zwölfte Mal, dass die Frankfurter Mannschaft einen Rückstand aufholte und noch punktete, vier dieser Partien gewann sie. Auch das ein Qualitätsmerkmal – genauso wie die Nehmerqualitäten.

Eintracht Frankfurt: Das gefährlichste Angriffsduo der Liga

Von Rückschlägen lässt sich das Team nicht aus der Bahn werfen, dem 2:2-Ausgleich Sekunden nach dem Wiederanpfiff durch Wout Weghorst ließ Silva nach Vorarbeit des überragenden Kamada das 3:2 folgen (54.), ehe ein Eigentor von Tuta (85.) diese denkwürdige Begegnung abrundete. Es war ein umkämpfter, aber verdienter Sieg der Eintracht – und das gegen den VfL Wolfsburg, der eine extrem stabile, kräftige und gute Mannschaft beisammen hat, die in der gesamte Rückrunde zuvor nur drei Tore kassiert hatte – und dann vier auf einen Schlag in Frankfurt.

Auch das zeigt die unbändige Offensivkraft der Eintracht, die durch Dauerknipser Silva (23 Tore) und die Rückkehr von Luka Jovic über das gefährlichste Duo der Bundesliga verfügt. Fredi Bobic darf sich ruhig selbst loben, dass er Jovic für ganz kleines Geld von Real Madrid ausleihen konnte. „Da hat sich der Januar richtig gelohnt.“ Der 23-Jährige habe Zeit gebraucht, um anzukommen, „er hat anderthalb Jahre fast nicht gespielt“, aber die Eintracht verfolgte einen klaren Plan mit Jovic: streicheln, aufpäppeln, stärken. „Wir wussten, dass er uns hinten heraus noch helfen wird“, sagte Bobic.

Eintracht Frankfurt: Bestes Team des Jahres

Auch deshalb hat die Eintracht längst ihre eigenen Bestmarken pulverisiert, nur ein paar Beispiele: Die 53 ergatterten Punkte nach 28 Spielen sind ihre dickste Ausbeute aller Zeiten, nur drei Niederlagen sind ebenfalls ein Bestwert, lediglich die Bayern halten da mit. Die Mannschaft hat jetzt schon so viele Tore geschossen wie in der gesamten letzten Saison (59) und 21 (!) Punkte mehr eingesammelt als zum vergleichbaren Zeitpunkt in 2020. Und: Sie stellt in diesem Jahr das beste Team. Auf 36 Punkte nach 15 Spielen kommen nicht die Bayern (35), Leipzig (32) oder Wolfsburg (30) – von Borussia Dortmund (24) ganz zu schweigen.

Die Frankfurter haben sich bis auf einen Punkt an Wolfsburg auf Rang drei herangerobbt, und bei der Stärke, der Stabilität, Konstanz und Mentalität der Truppe ist es nur schwer vorstellbar, dass sie sich die Qualifikation für die Champions League noch nehmen lässt. „Wenn man sieht, wie die Stimmung ist, wie der Lauf ist, was die Jungs abliefern, dann bin ich mir sicher, dass das am Ende von Erfolg gekrönt sein wird“, sagte Bobic. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl.“ Auch Trainer Hütter findet bei aller gebotenen Vorsicht: „Wenn wir so weiterspielen, sind wir schwer aufzuhalten.“

Nur der 51-Jährige selbst sorgt mit seinem Lavieren in der Zukunftsfrage für kollektives Rätselraten, auch wenn sich die Mannschaft davon gänzlich unbeeindruckt zeigt und sich eher etwas wundert: „Ich wüsste nicht, was ihn nicht in Frankfurt halten sollte“, sagt Sebastian Rode achselzuckend. Doch auch am Samstag vermied Hütter jedwedes Bekenntnis. Die Pressekonferenz beendete er nach einer entsprechende Frage eigenwillig: „Danke für die vielen Fragen. Danke.“ Gibt auch Wichtigeres. Die Champions League zum Beispiel.

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