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Gacinovic, Jovic und Kostic.

Aufsichtsratsvorsitzender 

Wolfgang Steubing stapelt tief

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Aufsichtsratsboss Steubing hält Eintracht Frankfurt nicht für eine Spitzenmannschaft.

Natürlich wollte auch die geballte studierte Finanzwelt und deren hoffnungsvoller Nachwuchs haarklein wissen, wie es mit Luka Jovic bei Eintracht Frankfurt weitergeht. Das ist bekanntlich jener Stürmer, der derzeit nahezu ununterbrochen trifft, einerlei ob bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga, in der Europa League oder neuerdings auch für sein serbisches Heimatland, dabei auch sehr gerne gegen Jogis blutjunge Jungs. „Das kennt man ja“, sagte jetzt der Frankfurter Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Steubing lässig bei einer sogenannten Paneldiskussion in der Frankfurt School of Finance & Management mit DFB-Präsident Reinhard Grindel und meinte die Treffsicherheit des „tollen Vollenders“.

Was dessen nähere Zukunft angeht, konnte Steubing nur lässig mit den Schultern zucken. „Bisher ist noch kein 100-Millionen-Angebot eingegangen.“ Eigentlich ist offiziell noch gar kein Angebot eingegangen, „Nullkommanull“ läge auf dem Tisch. Dabei hatte doch erst dieser Tage der englische „Guardian“ von einem gesteigerten Interesse des FC Barcelona berichtet, der angeblich ein erstes Gebot über 50 Millionen Euro abzugeben gedenkt. „Wenn etwas auf dem Tisch liegt, entscheiden wir“, sagte Steubing, und zuletzt habe Eintracht Frankfurt „mit Entscheidungen ja nicht so falsch gelegen“. Auch Eintracht-Vorstand Fredi Bobic hatte dieser Tage gesagt, dass bisher noch keine konkreten Angebote für den Knipser eingegangen seien. Das dürfte sich in absehbarer Zeit ändern, der Marktwert des 21-Jährigen schießt derzeit durch die Decke. Für 50 Millionen - so viel scheint sicher zu sein - dürfte der hessische Bundesligist seinen Topstürmer nicht ziehen lassen.

Eintracht Frankfurt hat viele richtige Entscheidungen getroffen

In der Tat hat Eintracht Frankfurt in jüngster Zeit viele richtige Entscheidungen getroffen, sagte Steubing vor gut 200 Studierenden. Fredi Bobic zum Vorstandsvorsitzenden zu ernennen, sei eine davon gewesen. Der „international vernetzte, harte Arbeiter Bobic“ sei genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen, da „wir 2016 gerade dem Teufel noch einmal von der Schippe gesprungen waren“ und insgesamt im Klub eine Stimmung geherrscht habe, die „nicht mehr verwalten wollte, sondern gestalten“. Wohin diese glückliche Personalentscheidung im Zusammenspiel mit einer „hervorragenden Scouting-Abteilung und Trainern“ geführt habe, sehe man aktuell: Eintracht Frankfurt ist in aller Munde, sorge in der Liga und auf europäischer Bühne für Furore, und ist, nach den Worten von Trainer Adi Hütter, zu einer „Spitzenmannschaft geworden“. 

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Diskussions- und meinungsfreudig: Eintracht-Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing, Moderator Professor Dr. Horst Löchel und DFB-Präsident Reinhard Grindel (von links nach rechts).

So weit wollte Steubing („Ich bin 60 Jahre bei der Eintracht, davon waren 50 Jahre schwierig“) an diesem Abend dann nicht gehen, er stapelte tief: „Dass wir diese gute Position haben, ist für mich immer noch ein Ausrutscher. Wir sind kein Dauergast in dieser Region. Das können wir auch noch gar nicht sein, denn unsere Geldmittel sind noch nicht so, dass wir uns in dieses Cluster einordnen können“, sagte Steubing am Donnerstagabend.

Dass die Hessen aber acht Spieltage vor Schluss mit beiden Händen seriös nach Champions League-Plätzen greifen und eine realistische Chance auf das Erreichen des Halbfinales in der Europa League haben, lässt den scheidenden Aufsichtsratsboss durchaus schmunzeln. „Wenn wir alle Spiele gewinnen, kommen wir in die Champions League und gewinnen die Europa League.“ Die Internationalität jedenfalls des Klubs mit aktuell 18 Nationen passe zur ebensolchen Stadt Frankfurt, sagte der Aufsichtsratsboss, der Fußball „spricht eine verbindliche Sprache“ und trage zur Integration bei. Dies hob besonders DFB-Präsident Grindel hervor: „Dem Ball ist es egal, wer ihn tritt.“

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Der Debatte um die umstrittene 50+1-Regel steht Steubing offen gegenüber; jeder Klub sollte für sich selbst entscheiden, ob er externe Investoren in größerem Stile zulassen wolle oder nicht. „Wer die Mehrheit verkaufen will, soll sie verkaufen.“ Für die Eintracht schließt er eine Übernahme aus, „für uns kommt das nicht in Frage“, die Eintracht habe „eine eigene DNA“, die nicht verhandelbar sei. „Wir werden unsere Seele nicht verkaufen.“ Und wenn nicht der Wertpapierdienstleister Steubing, wer wüsste es besser: „Es gibt externe Investitionen, die wehtun.“

Und womöglich hat Steubing auch eine Anregung mitnehmen können, wie Eintracht Frankfurt ihre zündelnden Problemfans in den Griff bekommen kann. Man sollte einen „support award“ ausloben für die beste Fankurve der Bundesliga, schlug ein Bachelor-Student vor, und diesen Preis mit der stolzen Summe von 600.000 Euro verbinden - genau der Hälfte der Summe, die alle Bundesligisten an Strafzahlungen zuletzt ausgegeben hätten. Wolfgang Steubing wollte sich das Theorie-Papier mal geben lassen.

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