Das Ballgefühl ist noch da: Eintracht-Trainer Adi Hütter.
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Das Ballgefühl ist noch da: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Adi Hütter

Wo bleibt der Haken?

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Die Vertragsverlängerung von Eintracht-Trainer Adi Hütter zieht sich. Worum es bei dem Poker geht.

Bei seinem letzten, ziemlich großen Interview fast in Fußballspiellänge hat sich der Frankfurter Sportvorstand noch sehr zuversichtlich gezeigt, die Vertragsverlängerung mit Trainer Adi Hütter zügig über die Bühne zu bekommen. In Juli oder August werde man sich zusammensetzen, dann hoffe er, „einen Haken dranmachen“ zu können, sagte Fredi Bobic. „Es gibt da auch schon ein Commitment.“

Jetzt, Ende Juli, hat es den Anschein, als gehe die Vertragsverlängerung mit dem ambitionierten Fußballlehrer über das Jahr 2021 - so lange ist sein aktueller Kontrakt datiert - doch nicht so reibungslos vonstatten. Adi Hütter selbst war es, der bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Urlaub eines klarstellte: Eine reine „Formsache“ sei seine Unterschrift unter das neue Arbeitspapier keinesfalls, „wir müssen noch ein paar Dinge klären und besprechen“. In der nächsten Woche, in der Eintracht Frankfurt in Basel das Rückspiel in der Europa League zu bestreiten hat, komme zudem sein Berater Christian Sand nach Frankfurt. „Man muss die Köpfe aber schon noch mal ein bisschen zusammensetzen“, sagte der 50-Jährige. Grundsätzlich sei er freilich zu einer weiteren Zusammenarbeit bereit.

Um was geht es? Trainer Adi Hütter hat in seinen ersten beiden Jahren bei den Hessen nachhaltig unter Beweis gestellt, dass er eine Bereicherung für den Klub ist, dass er „deutsche Bundesliga“, wie er oft sagt, kann. Er hat in der Nachfolge von Niko Kovac die Mannschaft weiter nach vorne gebracht, hat sie bis ins europäische Halbfinale in London geführt, hat die berühmte „Büffelherde“ entwickelt, die dem Klub mehr als 100 Millionen Euro eingebracht hat und reichlich Applaus. Er ist erneut ins Pokal-Halbfinale eingezogen, ist international noch dabei und hat die Liga mit einem einstelligen Tabellenplatz - trotz Corona-Pause - beendet. Vor allem hat er gezeigt, dass er auch Krisen zu meistern in der Lage ist, mindestens zwei hatten die Frankfurt in der gerade abgelaufenen Runde zu bewältigen. Das alles sind Argumente für den Trainer, es stärkt seine Position, die komfortabel ist, Hütter ist die Lokomotive, die treibt. Und er weiß das.

Insofern erscheint es nur zu plausibel, dass der Österreicher Erwartungen hat, Forderungen formuliert. „Ich möchte eine schlagkräftige Mannschaft haben für die nächste Zeit“, sagte er jetzt zum Saisonauftakt, ganz offensichtlich aufgeschreckt von Meldungen, wonach Eintracht Frankfurt einen Verkauf von Leistungsträgern wie Kevin Trapp oder Filip Kostic nicht kategorisch ausschließt. Das kann in der aktuellen Situation ein Klub wie die Eintracht schon mal nie, logisch ist auch: Ein Abgang dieser Spieler würde die Mannschaft erheblich schwächen. Das will, verständlich, ein Trainer verhindern, deswegen hat er sich jetzt, gegen seine sonstige Art, im Falle des Nationaltorwarts klar positioniert: Trapp bleibe die Nummer eins. Adi Hütter will Pflöcke einschlagen.

Hütter will insbesondere eines verhindern: Dass ihm Korsettstangen wegverkauft werden, wie zu Beginn seiner Amtszeit. Erst wurde der Vertrag von Alex Meier 2018 nicht verlängert, dann ließ der Klub kurz vor Saisonstart Kevin Prince Boateng ziehen, in 2019 verlor der Coach seine komplette Sturmreihe mit den Paradeangreifern Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller. Einen erneuten Aderlass möchte der Trainer unbedingt verhindern.

Und er möchte eine sportliche Perspektive sehen. Wohin soll der Weg der Eintracht führen? Hütter ist ehrgeizig, er will Ziele erreichen. Reicht es ihm, im tabellarischen Mittelfeld zu spielen? Er hat kein Hehl daraus gemacht, durchaus nach Höherem zu streben. Kann er das mit Eintracht Frankfurt schaffen? Kann er die letzten beiden, sehr erfolgreichen Runden toppen? Einfach wird das nicht, zumal derzeit keiner sagen kann, wie angesichts der vielen Unwägbarkeiten in der Corona-Zeit der Kader aussehen wird. Fest steht: Adi Hütter hat in der Vergangenheit einen klaren Karriereplan verfolgt, ist mit seinen Klubs immer ein Stückchen gewachsen, von Altach, über Gröding, Salzburg, Bern und jetzt Eintracht Frankfurt. Nie war er länger als drei Jahre bei einem Klub.

Andererseits ist nicht davon auszugehen, dass die Gespräche scheitern. Eintracht Frankfurt kann es sich im Grunde nicht leisten, den Vertrag nicht zu verlängern, das will sie auch gar nicht. Das gebe, noch ehe der erste Ball getreten ist, enorme Unruhe im Klub, Hütter wäre ein Trainer auf Abruf. Auch öffentlich wäre es schwierig zu vermitteln, warum man eine weitere Zusammenarbeit mit einem erfolgreichen Trainer nicht hinbekomme.

Im Kern dürfte es bei den Vertragsgesprächen neben der Kaderzusammenstellung, der grundsätzlichen Ausrichtung und einer Gehaltsaufstockung womöglich auch um eine Ausstiegsklausel - bei einem entsprechenden Angebot eines großen Klubs - gehen. Und beide Parteien haben ohnehin dargelegt, den Weg gemeinsam zu gehen. Aber ein Haken ist am Vertragswerk noch nicht dran. Eher ein kleines Fragezeichen.

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