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Eintracht Frankfurts Randal Kolo Muani: Fast ein Held

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Von: Thomas Kilchenstein

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Eintracht-Profi Randal Kolo Muani hätte dem großen Messi die Krone nehmen, hätte den argentinischen Traum platzen lassen können, er, wäre zum Triumphator aufgestiegen und in den Orbit geschossen worden, hätte sich unsterblich gemacht. Ein Kommentar.

Die Silbermedaille hat Randal Kolo Muani schnell abgelegt, so als sei die Plakette siedendheiß gewesen. Den Orden für den Titel als WM-Vize wollte der Stürmer der Equipe Tricolore partout nicht um den Hals baumeln lassen, warum eigentlich nicht? Ein zweiter Platz einer WM und nach diesem epochalen, hinreißenden Spiel über mehr als zwei Stunden ist wahrlich keine Schande. Aber er weiß natürlich: es hätte sehr leicht die goldene sein können, er hat es auf dem Fuß gehabt. Er allein und sonst niemand. Was für eine Gelegenheit, was für eine Tragik.

Kurz vor dem Ende der Verlängerung hatte sich dem Angreifer von Eintracht Frankfurt diese einmalige Chance geboten, der Ball sprang leicht auf, perfekt für einen fulminanten Schuss. Kolo Muani schoss, aber der argentinische Torwart Emiliano Martinez, der sich später als ziemlicher Unsympath gerierte, wehrte mit einer fantastischen Parade ab, er rettete die Südamerikaner ins Elfmeterschießen.

Der totale Frust: Randal Kolo Muani (links).
Der totale Frust: Randal Kolo Muani (links). © AFP

Eintracht-Spieler bringt Frankreich wieder zurück ins Spiel

Was wäre das für eine Geschichte geworden. Randal Kolo Muani, im selben Krankenhaus geboren wie Dreifachtorschütze Mbappé, hätte Frankreich zum Weltmeister gemacht, in letzter Sekunde. Ein Einwechselspieler, der in den Kader gerutscht war, weil sich Christoph Nkunku verletzt hat, und der bis dato 101 WM-Minuten gespielt hat. Kolo Muani hätte dem großen Messi die Krone genommen, hätte den argentinischen Traum platzen lassen, er, wäre zum Triumphator aufgestiegen und in den Orbit geschossen worden, hätte sich unsterblich gemacht. Sein Name wäre immer verbunden gewesen mit einem der größten Comebacks in einem WM-Finale. Denn Frankreich, der Titelverteidiger, war doch mausetot, mürbe ge- und ausgespielt von bestens harmonierenden Argentiniern. Kolo Muani wäre der Held gewesen, der (fast) allein Frankreich aufgeweckt hatte. Denn er war es, der den Elfmeter herausgeholt, der die Equipe Tricolore überhaupt erst wieder ins Spiel zurückgeholt hat.

Und es zeigt sich: In Spielern wie Randal Kolo Muani (oder auch Marcus Thuram) brennt das Feuer, sie wollten noch was erreichen, hatten den unbändigen Willen, dieses Spiel noch herumzureißen, irgendwie. Sie waren nicht satt wie offenbar das Gros der 75 Minuten seltsam teilnahmslos kickenden Franzosen, die schon Weltmeister waren. Vieles spricht dafür: Ohne den Anschlusstreffer durch den ersten Elfmeter hätte sich Mbappé etwa nie und nimmer zum dreifachen Torschützen aufschwingen können, er wäre mit dem Team 0:2 untergegangen.

Kolo Muani fast wie Eintracht-Teamkollege Götze

Doch Randal Muani Kolo, der schon in der Bundesliga in seinem ersten halben Jahr mit seiner spektakulären, unorthodoxen Spielweise für Furore gesorgt hat, gelang der Schuss ins Glück nicht.

Ob es gut für seine Karriere gewesen wäre, wenn er das 4:3 erzielt hätte? Das ist hypothetisch. Es gibt Tore, die sind zu groß für einen Einzelnen. Mario Götze, sein Frankfurter Spielkamerad, kann ein garstig Lied davon siegen. Der Siegtorschütze von 2014, damals fast gleichaltrig wie der 23 Jahre alte Kolo Muani heute, hat sehr lange und sehr schwer an dieser historischen Tat zu tragen gehabt. Manchmal hat sie ihn schier zu Boden gedrückt. Dieses Tor von Rio war im Nachhinein mehr Bürde als Plaisir. Geschossen hatte er es dennoch gerne. Wäre es dem Jungen Randal Kolo Muani ebenso ergangen?

Dass ihm das wohl erspart geblieben ist, ist ein schwacher Trost. Wie die Silbermedaille. (Thomas Kilchenstein)

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