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Eintracht-Fans beginnen zu zündeln.

Pyrotechnik in Mailand

Frankfurter Wirrköpfe bringen Eintracht-Fans gegen sich auf

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Beim Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt in Mailand könnten einige unverbesserliche Zündler für eine Fansperre gesorgt haben. Die UEFA nimmt die Ermittlungen auf.

Die Niederlage und das europäische Aus schmerzten doch schon zur Genüge, doch dann sah sich Ivan Perisic nach dem Abpfiff der Europa-League-Partie gegen die Eintracht (0:1) auch noch einem unbekannten Flugobjekt ausgesetzt, das auf einmal und aus dem heiteren Himmel in den Mittelkreis geflogen kam: eine Leuchtrakete. Der kroatische Stürmer von Inter Mailand sah verdutzt und etwas verängstigt aus, als sie dicht neben ihm einschlug – kein Wunder. Es war der Tiefpunkt an diesem an Höhepunkten reichen Abend im San Siro, zumindest aus Frankfurter Sicht.

Einige unverbesserliche Chaoten hatten es doch tatsächlich fertiggebracht, dass nach diesem großen Europapokalspiel in Mailand nicht wenige erst einmal nur noch über das diskutierten, was nicht hätte passieren dürfen: das Zünden und Werfen von Pyrofackeln. Schon nach dem Führungstreffer von Luka Jovic (5.) brannte es im Frankfurter Block, da noch recht dezent, doch zum Schluss wurden immer mehr Pyros angezündet und auch geworfen, eine Rakete landete im Unterrang zwischen den Mailänder Zuschauern, die erschreckt auseinanderstoben. Ein absolutes Unding.

Eintracht-Fans gehen auf Abstand

Die meisten, ja fast alle der rund 15.000 Eintracht-Fans gingen umgehend auf Abstand zu den Wirrköpfen, sie riefen sehr laut und vernehmlich: „Und Ihr wollt Eintracht Frankfurt sein.“ Oder auch: „Ihr seid Scheiße wie der OFC.“ Diese Distanzierung ist ein wichtiges Signal, auch wenn es eine gewisse Spaltung der Fanszene dokumentiert. Die ist bei solchen Vorkommnissen aber nahezu zwangsläufig.

Ob die Reaktion aber dazu führen wird, dass die Eintracht und ihre Fans ungeschoren davonkommen werden? Das ist nicht zu erwarten. Denn die Uefa hatte den Klub schon nach den unschönen Vorfällen in Rom im Dezember abgemahnt und Strafen zur Bewährung ausgesetzt. Sollte es, so hieß es in der Begründung, in den kommenden beiden Jahren erneut Ärger geben, würden die Hessen mit einer Fansperre für das nächste Auswärtsspiel belegt. Es wäre schon verwunderlich, sollte die Uefa nun von ihrer eigenen Rechtssprechung abweichen. 

Eintracht-Spieler reagieren sauer

Die Spieler waren entsprechend sauer. „Es ist ein No-Go. Wir wissen, dass wir vorbestraft sind“, sagte Torwart Kevin Trapp. „Wir betonen immer, dass wir die Fans brauchen, besonders auswärts. Das hat uns auch in Mailand wieder geholfen. Es ist einfach schade, dass es manche nicht verstehen. Wenn 15.000 hierher mitreisen und sich auf ein Spiel freuen und Einzelne es kaputtmachen, dann ist das einfach Schwachsinn. Dafür habe ich kein Verständnis.“ Viel besser kann man es nicht ausdrücken.

Die Eintracht-Verantwortlichen wollten sich, anders als in Rom, nicht zu den unschönen Vorkommnissen äußern. Damals sagte Vorstand Axel Hellmann: „Eine kleine Gruppe hat das Spiel missbraucht, um ihre private Auseinandersetzung zu führen. Diese kleine Gruppe nimmt alle anderen Fans in Sippenhaft. Das schadet Eintracht Frankfurt.“ Es ist in der Tat nahezu absurd, dass ein kleiner Hooligan-Teil den friedlich feiernden Anhängern eine weitere Reise und ein schönes Erlebnis nehmen könnte.

Davon mal abgesehen, dass es für die Mannschaft gewiss nicht von Vorteil ist, weil sie sehr wohl von der einzigartigen Unterstützung getragen wird. Es ist höchst bedenklich, wenn eine Gruppe von 40, 50 Leuten mit krimineller Energie ein solches Spiel für ihre Zwecke missbraucht. „Wir müssen Realisten sein: Diese Gruppe, die ihre Aggressionen so auslebt, werden wir nie ganz rausbekommen, aber wir müssen versuchen, sie so klein wie möglich zu halten“, sagte Hellmann. Sie am Zündeln zu hindern, hat jetzt erst mal nicht geklappt. Diese Verfehlung könnte unangenehme Folgen haben, sehr unangenehme.

Info: UEFA ermittelt gegen Eintracht Frankfurt

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat ein Disziplinarverfahren gegen Eintracht Frankfurt eröffnet. Das teilte die UEFA am Freitagnachmittag mit. Den Hessen droht dabei ein Fan-Ausschluss beim Viertelfinal-Hinspiel bei Benfica Lissabon am 11. April. Die UEFA hatte nach ähnlichen Vorkommnissen beim Gastspiel bei Lazio Rom im Dezember einen Fan-Ausschluss für ein Auswärtsspiel auf Bewährung ausgesprochen. Das zuständige Gremium wird sich nun am 28. März mit dem Fall beschäftigen. (sid)

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