Mitunter einen Schritt zu spät: Stürmer Bas Dost (rechts) hier im Spiel gegen den FC Basel mit Arthur Cabral.
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Mitunter einen Schritt zu spät: Stürmer Bas Dost (rechts) hier im Spiel gegen den FC Basel mit Arthur Cabral.

SGE

Neue Bundesliga-Saison: Eintracht Frankfurt will wieder pressen und stressen

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt möchte den Gegner wieder mit konsequentem Pressing früher unter Druck setzen – das Problem: Noch fehlen die Spieler dazu.

  • Adi Hütter will Eintracht Frankfurt wieder mehr pressen lassen
  • Passende Spieler fehlen der SGE noch
  • Märkte in Europa werden beackert

Frankfurt - Kürzlich, als Adi Hütter seine Mannen erstmals wieder um sich scharte, gab der Eintracht-Trainer einen kurzen Einblick darüber, wie er sich den Frankfurt-Style für die neue Saison in etwa vorstelle. „Ich möchte eine Mannschaft haben, die versucht, die Art und Weise von Fußball aus dem ersten Jahr zu spielen“, sagte der 50-Jährige. In seinem ersten Jahr, man erinnert sich gut, bot die Eintracht Fußball in Reinkultur, schnell, zackig, mutig. Der Gegner wurde unter Druck gesetzt, permanent beschäftigt und gestriezt. Kein Opponent hat sich gefreut, gegen diese Kampfeinheit aus Frankfurt anzutreten, es war eklig, dieser widerborstigen Mannschaft entgegenzutreten.

Eintracht Frankfurt: Team konnte Hütters Idealvorstellung nicht umsetzen

Adi Hütter ist ein Verfechter dieses Spielstils, er steht für Pressing, Aktivität und Attackieren. Doch er weiß nur zu gut, dass sein Team die Idealvorstellung in der vorangegangen Spielzeit nicht umsetzen konnte, zumindest nicht in dem Maß, wie es gewünscht gewesen wäre. „Wir sind besser, wenn wir vorne drauf gehen“, sagte Coach Hütter unlängst im großen FR-Interview und schob ein dickes Aber hinterher: „Was uns von der Mannschaft des letzten Jahres unterscheidet, ist, dass wir nicht mehr dieses starke Pressing spielen, das uns ausgezeichnet hat. Aber damals hatten wir mit Haller, Jovic und Rebic auch die Typen dafür, die bedingungslos drauf gegangen waren, da war Feuer unterm Dach, das war auch ein Zeichen für die anderen. Diese Dynamik fehlt uns ein bisschen.“

Also orientierte sich der Österreicher am Machbaren, wich von seiner offensiven, draufgängerischen Maxime ab und passte seine Vorstellungen den Gegebenheiten an. Hütter, der Pragmatiker, der Realpolitiker. „Manchmal“, sagt er, „sind einem die Hände gebunden.“

Der Fußballlehrer steckt aber auch in der Vorbereitung auf die kommende Runde in einem Dilemma, denn die Vorsätze sind ja aller Ehren wert und gewiss auch der richtige Ansatz. Denn die Frankfurter Mannschaft ist, wie sich in den vergangenen Jahren zeigte, zumeist nur dann richtig stark und unangenehm, wenn sie sich eine gewisse Wildheit auf den Rasen wirft. „Die Eintracht hat sich das Ungestüme auf die Fahnen geschrieben, das fast schon Anarchische“, schrieb die FR einmal. Doch genau da beginnt es knifflig zu werden.

Denn in der bestehenden Struktur und mit dem kickenden Personal ist es nur schwerlich möglich, einen Kontrahenten permanent unter Stress zu setzen und ihm wenig Luft zum Atmen zu geben. Denn Pressing funktioniert nur dann, wenn es bedingungslos und voller Überzeugung und nicht schablonenhaft, mehr so alibimäßig betrieben wird. Und es macht nur wirklich Sinn, wenn die erste Reihe die nötigen Zeichen setzt und entschlossen anläuft.

Die Stürmer sind es, die Signalwirkung haben und es den Mitspielern ermöglichen, nachzurücken und das Geschehen weit in die Hälfte des Gegners zu verlagern. Im Idealfall führt die Umklammerung zu frühen Ballgewinnen oder aber zu unkontrollierten Aktionen des Kontrahenten. Seit dem Weggang der drei Wildhengste im Angriff hat sich das Spiel und die Herangehensweise aber gewandelt, weil die aktuellen Angreifer ihre Qualitäten haben, aber eben nicht im Pressingverhalten. Goncalo Paciencia, Bas Dost und André Silva sind nicht bekannt dafür, dem Gegner auf Teufel komm raus den Ball abzuluchsen, ihn zu jagen und wehzutun. Dafür sind ihre defensiven Zweikampfqualitäten nicht gut genug, sie sind nicht schnell und kompromisslos genug.

Eintracht Frankfurt: Märkte unter Beobachtung

Und so besteht die Gefahr, dass der Schuss nach hinten losgeht, denn ein halbgares Pressing ist schlechter als gar kein Pressing. Schließlich ist es nicht selten so, dass die Mittelfeldspieler, im Wissen um die Defizite der Stürmer, gar nicht mehr oder nur halbherzig aufrücken, weil sie Angst haben, leichte Beute und locker überspielt zu werden. Und anfällig genug war das Eintracht-Konstrukt ja schon in der abgelaufenen Spielzeit.

Das Problem für Hütter: Andere Spieler hat er noch nicht, sieht man mal von dem 22-jährigen Ragnar Ache ab, der aber ein Stürmer sein könnte, der eine andere Komponente, eine andere Note ins Spiel bringt. Und Hütter muss hoffen, dass Sportvorstand Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga schnelle, entwicklungsfähige Spieler finden, die ins Konzept passen. Die Märkte in Spanien, Portugal, Frankreich und Italien beackern sie jedenfalls mit Hochdruck. (von Ingo Durstewitz)

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