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Den Sieg im Blick: Bas Dost.

Eintracht - Lüttich

Eintracht Frankfurt will weiter in Europa spielen

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Im absoluten Schlüsselduell gegen Standard Lüttich wird Eintracht Frankfurt „ein perfektes Spiel“ benötigen, um den Weg ins Sechzehntelfinale der Europa League zu ebnen.

Theoretisch ist der Weg ins Sechzehntelfinale der Europa League für Eintracht Frankfurt schon bereitet, Trainer Adi Hütter hat eine simple Rechnung aufgemacht. Heute Abend (21 Uhr/live auf RTL und Nitro, Liveticker) ein Sieg gegen Standard Lüttich einfahren, in Belgien am 7. November dann bestehen und gegen Vitoria Guimaraes „den Sack zumachen“, das müsste reichen für den Einzug in die K.-o.-Runde, findet der Frankfurter Fußballlehrer, und das vorletzte Spiel gegen den FC Arsenal in London wäre somit sozusagen Bonusmaterial. Wenn es halt nur so einfach wäre.

Ist es natürlich nicht, jeder weiß es, logischerweise auch Hütter, der vor den beiden „absoluten Schlüsselduellen“ gegen den Tabellenzweiten der belgischen Ligen eine enorme Aufgabe auf sein Team zukommen sieht. „Wir brauchen ein perfektes Spiel“, sagt der 49 Jahre alte Coach, und er definiert gleich selbst, was er darunter versteht: „ein Sieg, und zwar zu null“.

Eintracht Frankfurt: Den zweiten Platz im Visier  

Eintracht Frankfurt und Standard Lüttich sind nicht nur aus des Trainers Sicht die beiden Mannschaften, die sich um den zweiten Platz in der Europa-League-Gruppe F balgen, Arsenal ist zu gut und wird Erster, Guimaraes ist nicht gut genug und wird Vierter. Es steht also eine ganze Menge auf dem Spiel heute Abend unter Flutlicht im Stadtwald. „Wir müssen vorlegen und wollen die perfekte Ausgangslage schaffen“, erinnert der Trainer an die Bedeutung dieses ersten von sechs Spielen in 18 Tagen.

Dieses frühe Endspiel kommt für Eintracht Frankfurt durchaus zu einem günstigen Zeitpunkt; die Mannschaft wirkt deutlich gefestigter als zu Beginn der Runde, zudem ist sie seit fünf Spielen ungeschlagen. Dazu kommt der triumphal herausgespielte Erfolg über Bayer Leverkusen am achten Spieltag und zur Duplizität der Ereignisse: Genau vor einem Jahr gelang Eintracht Frankfurt mit einem ebenso beeindruckenden 7:1 über Fortuna Düsseldorf ein bemerkenswerter Durchmarsch. Seinerzeit bedeutete dieser Kantersieg die Initialzündung für ein erstaunliches Hoch, nebenbei war alsbald die berühmte „Büffelherde“ ins Leben gerufen. Ob das in dieser Runde ähnlich verläuft?

Eintracht Frankfurt mit Elan und Powerfußball

Hütter ist, wie er selbst sagt, natürlich „kein Hellseher“, er bleibt bei den Fakten, und die sehen sogar noch rosiger aus als vor einem Jahr: „Wir stehen mit einem Punkt besser da als letztes Jahr, zwei Punkte Abstand zum ersten Tabellenplatz hatten wir auch nicht.“ Und dass die aktuelle Angriffsreihe mit Bas Dost, Goncalo Paciencia und André Silva auf dem besten Weg ist, mit der vorherigen Ante Rebic, Sébastien Haller, Luka Jovic mithalten zu können, findet Hütter erstaunlich. „Ich bin zufrieden, dass wir die neuen Stürmer so integrieren konnten, dass sie ihre Tore schießen.“

Kommentar:  Lüttich-Fans mit offenen Armen empfangen

Ob sie die Quote des abgewanderten Triumvirats erreichen, das 57 der 90 Pflichtspieltreffer der Hessen erzielte? In dieser Runde kamen die Hessen bislang auf 32 Pflichtspieltore, Dost, Silva und Paciencia steuerten 14 bei, allerdings stießen Dost und Silva erst Ende August dazu.

Mit dem Elan und dem Powerfußball, den die Hessen am Freitag gegen Leverkusen gezeigt haben, wollen sie auch gegen „diese nicht einfach zu bespielenden“ Belgier agieren. „Wenn wir so spielen, können wir viel erreichen“, schwärmte Abwehrchef Makoto Hasebe. „Wir müssen da weitermachen, wo wir am Freitag aufgehört haben, und unser Spiel durchsetzen“, gibt Hütter die Parole aus. „Wir wollen auf der Erfolgswelle bleiben und zeigen, was in uns steckt.“ Ohnehin ist dem Fußballlehrer wichtig, welche Entwicklung seine Mannschaft nehme, und die, sagte er, gefalle ihm ausnehmend gut.

Frederik Rönnow hat das Vertrauen

Wie der Coach das Spiel personell angehen wird, mochte er vorab nicht verraten; selbst ob der angeschlagene Angreifer Silva seine Achillessehnenprobleme auskuriert hat nicht. Manches spricht dafür, dass der Portugiese nicht für die Startformation infrage kommt, „wichtig ist, dass er bei unserem geballten Programm mitmachen kann“. Große personellen Änderungen sind für die Partie nicht zu erwarten, dennoch achtet Hütter genau darauf, ob ein Spieler die notwendige Frische vermissen lässt und eine schöpferische Pause brauchen könnte. Als lobenswertes Beispiel hob er Gelson Fernandes hervor, der vor dem Bremen-Spiel bekundete, nicht spielen zu können, weil er sich müde fühle. „Das ist top-professionell“, sagte Adi Hütter.

Professionell hat sich auch in seiner schweren Zeit Torwart Frederik Rönnow verhalten, „stets korrekt und immer für die Mannschaft da“. Den Lohn für dieses Auftreten habe er jetzt erhalten, seine überragende Leistung am Freitag hat ihm überall positivste Schlagzeilen beschert. „Vielleicht“, grinste er am Mittwoch vor dem Abschlusstraining, „bin ich besser ohne Schlaf.“ Am Tag vor dem Spiel war er Vater geworden. „Frederik ist ein sehr guter Tormann und ein super Typ“, sagte Hütter. Fürs Erste scheint die Baustelle, die der Ausfall von Kevin Trapp im Tor gerissen hat, behoben.

Am heutigen Donnerstag werden rund 1000 Zuschauer weniger im Stadion sein als sonst. Teile der Haupttribüne müssen laut Uefa wegen Frankfurter Verfehlungen gegen Straßburg frei bleiben. Adi Hütter nimmt das gelassen. „Das ist hinter der Trainerbank, da drehe ich mich selten um. Ich sehe vor mir immer nur ein volles Haus.“

Von Thomas Kilchenstein

Zum Spiel

Frankfurt: Rönnow - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Fernandes, Sow, Rode - da Costa, Kostic - Dost, Paciencia

Lüttich: Milinkovic-Savic – Vojvoda, Vanheusden, Laifis, Gavory – Cimirot – Mpoku, Bastien, Boljevic, Lestienne – Avenatti

Schiedsrichter: Stefanski (Polen)

Der Eintracht fehlen: Trapp (Schulter-OP), Touré (Sehnenriss), Russ (Achillessehnen-OP), de Guzman, Torro

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