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Gelson Fernandes trägt eine Kapitäns-Binde mit Europa-Flagge - und ist mit der Leistung seines Teams zufrieden.

3:0 gegen VfB Stuttgart

Eintracht nimmt Kurs auf die Champions League

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt fertigt die Stuttgarter mit 3:0 ab - und klettert auf Tabellenplatz vier. 

Eintracht-Dauerläufer Sebastian Rode weiß aus eigener Erfahrung sehr genau, wie es sich anfühlt, sich in der Champions League mit den Besten zu messen. Er hat mit Borussia Dortmund und Bayern München zumindest sporadisch in der Königsklasse gespielt, und da war es nur zu logisch, gerade ihn zu fragen, ob dieser Wettbewerb künftig auch was wäre für Eintracht Frankfurt. Die Hessen würden da bestens hineinpassen, nahm die Arbeitsbiene diesen Steilpass auf und veredelte ihn sogar: „Die Eintracht“, sagte der Mann, der nur Seppl gerufen wird, „wäre eine Bereicherung für die Champions League.“

Dass an diesem letzten Tag im März nach einem ziemlich souveränen 3:0 (1:0)-Erfolg der Frankfurter Eintracht über den VfB Stuttgart im Stadtwald erstaunlich viel von der Champions League gesprochen wurde, hatte einen einfachen Grund: Eintracht Frankfurt ist erstmals seit längerer Zeit wieder auf einen Rang geklettert, der für die Königsklasse reichen würde, nach der Niederlage von Borussia Mönchengladbach war der Weg zu Platz vier frei, „und diese Chance haben wir genutzt“, sagte Trainer Adi Hütter. „Wichtig war, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.“ Mit Reden, sekundierte Mittelfeldrenner Gelson Fernandes, habe noch nie jemand etwas erreicht, „wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten“.

Eintracht Frankfurt ist weiter ungeschlagen und hat „Blut geleckt“

Sieben Spieltage vor Schluss hat Eintracht Frankfurt allerbeste Möglichkeiten, tatsächlich nach diesen Fleischtöpfen greifen zu können. Und die Frankfurter haben mittlerweile stolze sieben Punkte Vorsprung auf Platz sieben, ein europäischer Wettbewerb scheint zum Greifen nahe. „Diesen vierten Platz wollen wir jetzt nicht mehr hergeben“, gab Sebastian Rode nach dem Schlusspfiff die Parole aus. „Wir haben Blut geleckt.“ Eintracht Frankfurt ist damit in diesem Jahr weiterhin ungeschlagen, 14 Spiele ohne Niederlage, davon aus den letzten sieben Spiele sechsmal zu Null - diese Bilanz lässt sich durchaus sehen.

„Wir haben nicht den Druck, unbedingt in die Champions League einziehen zu müssen. Träume sind aber weiterhin erlaubt“, sagte Adi Hütter. Dessen ungeachtet würde er es als „unangenehm“ empfinden, wenn Eintracht Frankfurt diese Saison etwa nur als Achter beenden würde. 49 Punkte hatten die Hessen auch im letzten Jahr aufs Konto geschaufelt - allerdings erst nach 34 Spieltagen. Vor einem Jahr übrigens standen die Frankfurter ebenfalls am 27. Spieltag auf Rang vier, doch dann verspielten sie in den letzten Begegnungen beinahe alles. Eine Warnung? „Ich sehe aktuell keinen Anlass, warum wir nachlassen sollten“, sagte Hütter. Wer solch ein Spiel nach holprigem Beginn derart souverän nach Hause bekommt, der hat schon ein gutes Team zusammen. „Das spricht für unsere Qualität. Wir sind keine Durchschnittsmannschaft“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer im Brustton der Überzeugung.

Eintracht-Trainer Hütter: In der ersten Hälfte stotterte der Motor

Dabei war die erste Hälfte über sehr weite Strecken sehr zäh. „Da hat unser Motor gestottert“, fand Hütter, dem die erste Halbzeit „überhaupt nicht gefallen“ habe. Die Eintracht war lange Zeit nicht durchgekommen, irgendwie schien auch der Schwung der letzten Wochen irgendwo in der spielfreien Zeit versandet zu sein. „Es ist immer schwer,nach der Länderspielpause ins Spiel zu finden“, suchte Gelson Fernandes Erklärungen für die ersten matten Minuten. Ein richtiger Spielaufbau wollte nicht aufkommen, immer wieder stoppte ein Pass ins Nirgendwo eine gut gemeinte Kombination, hakte es im Mittelfeld. Im Grunde erreichten im ersten Abschnitt nur Sebastian Rode und Luka Jovic ihre gewohnte Form. 

Eintracht Frankfurt auf die Ohren: Das Spiel in der Analyse des Rasenfunks

Der 21 Jahre alte Eintracht-Himmelsstürmer war es auch, der als einziger das Stuttgarter Tor in den ersten 45 Minuten in Gefahr brachte. Das begann schon nach knapp drei Minuten, als ein schwäbisches Abwehrbein im letzten Augenblick seinen Schuss noch ablenken konnte, und endete erst in der 45. Minute, als Luka Jovic mit einem abgeblockten Schuss die schmeichelhafte Führung vorbereitete. Filip Kostic, Frankfurts Bester, war aus spitzem Winkel vor Sebastien Haller zur Stelle und drosch die Kugel über die Fäuste des unglücklich reagierenden VfB-Schlussmannes Ron-Robert Zieler unters Tordach. 

Dazu kam, dass die Schwaben wahrlich nicht wie ein Abstiegsaspirant auftraten, sondern munter mitspielten, die Außenbahnen gut zustellten und die Frankfurter Spitzen - außer Jovic - gut im Griff hatten. Zudem hatten die Hessen Glück, dass der ehemalige Frankfurter Marc-Oliver Kempf nach sieben Minuten mit einem Kopfball lediglich die Latte traf. Das sollte allerdings die einzige nennenswerte Stuttgarter Möglichkeit bleiben.

Frankfurt tat sich in der zweiten Halbzeit gegen Stuttgart leichter

Den Führungstreffer unmittelbar vor dem Pausenpfiff war so etwas wie der Dosenöffner, Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl empfand den Treffer „als Knackpunkt.“ Im zweiten Abschnitt taten sich die Hessen dann deutlich leichter, spätestens nach dem zweiten Treffer von Filip Kostic (64.) nach wunderschönem Steilpass von Ante Rebic war die Partie entschieden. Kostic, einst beim VfB Stuttgart am Ball, sei „der Matchwinner“, lobte Hütter seinen linken Mittelfeldmann (siehe auch nächste Seite). Das 3:0 (84.) war dann endlich Luka Jovic vorbehalten, der einen überlegten Querpass von Danny da Costa mühelos im Tor unterbrachte. Sebastien Haller, der eher unglücklich spielte, musste eine Viertelstunde vor Schluss verletzt ausgewechselt werden. Er klagte über Probleme im Bauchmuskelbereich, die ihn schon seit einiger Zeit belasten.

Trainer Hütter war hinterher zwar so selbstkritisch, den Sieg als zu hoch einzuschätzen, dass sein Team aber wieder drei Treffer erzielt hat, freute ihn umso mehr. Zuletzt hatte er eine gewisse Nachlässigkeit in der Chancenverwertung bemängelt, dies habe er angesprochen. „Für den großen Aufwand in den letzten Spielen haben wir uns nicht belohnt.“ Das haben die Hessen am gestrigen Sonntag nachgeholt - genau rechtzeitig für den Endspurt um die lukrativen Fleischtöpfe.

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