Hinten dicht: Kevin Trapp.
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Hinten dicht: Kevin Trapp.

Vor Rückrundenstart in Hoffenheim

Eintracht Frankfurt will sich in der Rückrunde neu erfinden

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Trainer Adi Hütter ist optimistisch, dass die Hessen gut gewappnet sind, aber die immense Auswärtsschwäche gibt dem Österreicher zu denken.

Im Trainingscamp unter der wärmenden Sonne Floridas hat der Trainer Adi Hütter mit Eintracht Frankfurt nicht nur einfach ein neues, defensives taktisches Konzept einstudiert. Es gab selbstverständlich gemeinsame Analysesitzungen, und dabei wurde dem kickenden Personal der ins Straucheln geratenen Mannschaft auch allerhand statistisches Material an die Hand gegeben, Zahlenmaterial, das schnell aufzeigte, wo bei den Hessen der Schuh besonders drückt: In den Spielen eins bis zehn, also zu Beginn der Hinrunde, habe die Eintracht im Schnitt 2,1 Tore erzielt und 1,5 Tore erhalten. Das sei schon nicht besonders gut gewesen, erläuterte der Fußballlehrer einen Tag vor dem Rückrunden-Auftakt am Samstag (18.01.2020) bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr/ bei uns im Live-Ticker oder auf live im TV bei Sky). 

Noch düsterer gestalteten sich aber die Werte bei den dann folgenden Spielen elf bis 17: Da schoss die Eintracht pro Partie lediglich 0,86 Tore, kassierte aber gleichzeitig 2,0 pro Spiel. Das führte zu 6:14 Toren und lediglich einem Punkt aus sieben Bundesligaspielen- kein Wunder also, dass der Klub in der Tabelle durchgereicht wurde, bis auf Platz 13 mit 18 Punkten, Abstiegsgefahr!

Eintracht Frankfurt: Laut Adi Hütter heißt das Zauberwort „Kompaktheit“

Man müsse dringend wieder zu einer gewissen Kompaktheit zurückfinden, verkündet Hütter fast schon gebetsmühlenartig. „Ob Dreier-, Vierer- oder Fünferkette, die Kette muss dicht sein: Wichtig ist, dass es uns gelingt, defensiv besser zu stehen, damit wir wieder punkten.“ Auch wenn der 49 Jahre alte Österreicher die Taktik für die Partie im Kraichgau erwartungsgemäß nicht verraten wollte, so spricht doch eine Menge dafür, es dieses Mal mit der neu einstudierten Viererkette zu versuchen. Ansonsten hätten die Hessen dieses System ja in den Staaten nicht eigens erlernen müssen. Manches deutet zudem daraufhin, dass der Trainer dem am Samstag 36 Jahre alt werdenden Makoto Hasebe eine Rolle im defensiven Mittelfeld zuordnen wird.

Hütter geht es neben einer grundsätzlich stabileren Grundordnung auch darum, künftig flexibler und variabler auftreten zu können. Denn: „Viele haben uns durchschaut.“ Eintracht Frankfurt stellte zuletzt die gegnerischen Trainer vor keine großen Überraschungen mehr, jeder wusste, wie die Frankfurter zum Erfolg kommen wollten. „Wir müssen neue Lösungsansätze finden“, erklärt Trainer Hütter. Die Eintracht soll nicht mehr so leicht auszurechnen sein, soll vor allem aber schwerer zu knacken sein. Die vielen Gegentore liegen dem Coach schwer im Magen.

Eintracht Frankfurt mit einer „eklatanten Auswärtsschwäche“

Und natürlich die „eklatante Auswärtsschwäche“. Eintracht Frankfurt ziert einsam den letzten Platz in dieser Kategorie, ganze drei Punkte haben die Hessen in der Fremde geholt, beim Sieg Ende September bei Union Berlin. Alle anderen sieben Auswärtsspiele haben sie in den Sand gesetzt - und in der Rückrunde müssen sie gar neunmal auswärts antreten. „Das ist auch für mich Neuland, so viele Spiele nicht gewonnen zu haben“, findet Hütter.

In der Tat muss Eintracht Frankfurt langsam anfangen zu punkten, soll sich die Lage nicht zusätzlich zuspitzen. Auch für Trainer Hütter selbst könnte die Situation bedrohlich werden: Seit dem letzten Bundesligasieg (am 2. November, 5:1 gegen Bayern München) hat die Eintracht von 30 möglichen Punkten in Pflichtspielen gerade vier geholt, 2:2 gegen Berlin, 2:1 gegen Arsenal. Das ist dramatisch wenig. 

Adi Hütter muss Ergebnisse liefern sonst könnten unangenehme Zeiten bei Eintracht Frankfurt anbrechen

Hütter weiß, dass er Ergebnisse liefern muss, er weiß, dass sonst unangenehme Zeiten anbrechen. Immerhin wisse jeder im Klub, um was es gehe. „Die Mannschaft hat die Situation angenommen“, sagt der Coach, die Winterpause habe dem Team gutgetan. Auch habe der USA-Trip mit Jetlag und Temperaturunterschieden keine Folgen bei der Mannschaft hinterlassen, bis auf Daichi Kamada, Gelson Fernandes und Marco Russ seien alle Mann an Bord. Und Kevin Trapp, der so lange verletzte Schlussmann, ist wieder auf dem Damm und wird heute in Sinsheim im Tor stehen. Diese Personalie hat Hütter bereits entschieden.

Der Fußballlehrer hat keinen Zweifel daran, dass die Batterien mittlerweile aufgeladen sind. Dass der Mannschaft angesichts der immens vielen Spiele am Ende „zehn, 15 Prozent an Spritzigkeit gefehlt“ hätten, könne niemand „wegleugnen. Die Frische war nicht da“. Er selbst nahm sich da von Kritik nicht aus, womöglich hätte er öfter rotieren sollen, „da muss man sich als Trainer hinterfragen“. Er kündigte an, in nächster Zeit häufiger zu wechseln. „Am Ende des Tages müssen wir es besser machen.“

Auftaktprogramm von Eintracht Frankfurt außerordentlich knackig

Dummerweise ist das Auftaktprogramm der Frankfurter mit den Partien in Hoffenheim und am kommenden Samstag gegen die Rasenballer aus Leipzig, denen Hütter den Titelgewinn zutraut, außerordentlich knackig. Hohe Siege sind da für die aus der Spur geratenen Hessen nicht unbedingt zu erwarten. Andererseits hat genau dieses Team bis November trotz Mehrfachbelastung zuverlässig gepunktet, ist erst in den letzten sechs Wochen eingebrochen. Die Mannschaft habe gezeigt, dass sie es besser könne, man habe, sagt Hütter, „eine sehr ordentliche, gute Mannschaft“ beisammen,

Dazu kommt, dass ganz hinten (Trapp), davor (David Abraham, der seine Sperre abgesessen hat) und ganz vorne (Bas Dost) eine gewisse Leistungssteigerung zu erwarten ist. Gerade auf den langen Stürmer baut Hütter, im Trainingslager wirkte der endlich schmerzfrei agierende Niederländer „sehr positiv, fast schon euphorisch“. Mit ihm sei auf jeden Fall zu rechnen. Und Spieler, die vorausgehen, braucht man jetzt.

Von Thomas Kilchenstein

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