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Eintracht Frankfurt will hungrig bleiben

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Von: Thomas Kilchenstein

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Bestens in Schuss: Randal Kolo Muani. Foto: Imago Images
Bestens in Schuss: Randal Kolo Muani. Foto: Imago Images © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Eintracht Frankfurt ist vor dem Restart gegen Schlusslicht Schalke 04 noch nicht bei 100 Prozent - knackig ist der Auftakt noch dazu.

Manchesmal, wenn Oliver Glasner an der Spielerkabine vorbeikommt oder kurz reinlugt, dann wundert er sich über den Radau, und in aller Regel sind es die Franzosen und mittendrin: Randal Kolo Muani. „Diese Lebensfreude, diese Unbekümmertheit“, seufzt der Eintracht-Trainer dann, dieses ungezwungene, laute Lachen, einmalig, beneidenswert. „So viel, wie Kolo Muani an einem Tag lacht, lache ich nicht in der ganzen Woche.“

Glasner findet das super. Kolo Muani, erst ein halbes Jahr in Frankfurt und längst fester Bestandteil des Ensembles, ist ja nicht irgendein Spieler, Nein, er macht den Unterschied aus. Und wie wenig hat gefehlt, er wäre als Superstar und Schütze des französischen Weltmeistertores aus Katar zurückgekehrt. Der 24-Jährige Stürmer wirke „wahnsinnig glücklich, wahnsinnig fröhlich“, er hinterlasse „einen großartigen Eindruck, ich bin sehr zufrieden, wie er zurückgekommen ist“, sagt der Fußballlehrer und schließt alle anderen WM-Fahrer mit ein.

Erste Standortbestimmung

Und auf sie, die WM-Fahrer, wird es ankommen, wenn heute Nachmittag im Spiel gegen den FC Schalke 04 (15.30 Uhr/live Sky) die wohl längste Winterpause der letzten Jahrzehnte mit dem 16. Spieltag fortgeführt wird. Natürlich freue sich halb Frankfurt, inklusive Glasner und die Mannschaft, auf diese Partie vor ausverkauftem Hause im Stadtwald, endlich geht es wieder los, endlich wieder „emotionale Höhepunkte“, und stets nach so langer Zeit fällt es selbst professionellen Beobachtern enorm schwer zu sagen, auf welchem Leistungsstand die Mannschaft sich befindet. Oliver Glasber geht es nicht anders, er hat „einige Fragezeichen im Kopf“. Ein Beispiel: Zu Beginn dieser Woche war der 48 Jahre alte Österreicher überhaupt nicht einverstanden mit der Trainingsleistung, das gab sich dann, mit dem Abschlusstraining am gestrigen Freitag war er wieder sehr zufrieden. Immerhin ergehe es allen 18 Teams vor dem Restart so.

Und deshalb fände es Oliver Glasner nicht besonders überraschend, wenn sich die 90 Minuten heute Nachmittag womöglich eher zäh anließen. „Nach der langen Pause sagt mir mein Gefühl, wir werden das eine oder andere Spiel noch benötigen, um wieder in die alte Verfassung zu kommen. Wir werden nicht bei 100 Prozent sei.“ Es sei übrigens auch nicht besonders schlau, wenn „das erste Spiel gleich das beste“ wäre. Freilich würde er sich gerne positiv überraschen lassen.

Die Begegnung gegen den Tabellenletzten wird dafür eine erste Standortbestimmung sein. Auf die leichte Schulter wird den Gegner bei der Eintracht aber niemand nehmen. Auch will Glasner das Spiel seiner Mannschaft nicht an Schalke ausrichten. „Die Tabellenkonstellation ist uninteressant.“ Ihm sei es egal, ob man gegen Sandhausen bei Nieselregen, gegen Schalke oder im Februar gegen Neapel antrete, wichtig allein sei: „Unsere Leistung auf den Platz zu bringen, unseren Spirit, unsere Spielidee und Energie. Der Gegner spielt da keine Rolle“, sagt der 48-Jährige, der keineswegs erwartet, der nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzende Traditionsklub aus Gelsenkirchen-Buer werde sich nur tief hinten einigeln. So wie er den vormaligen Bochumer Trainer Thomas Reis kenne, würden die mit dem Rücken zur Wand stehenden Knappen vor allem eines tun: „Uns in permanente Zweikämpfe verstricken wollen.“ Bekanntlich ein recht probates Mittel gegen Eintracht Frankfurt.

Und doch täten die Hessen gut daran, den Start ins Jahr 2023 gegen einen machbaren Gegner nicht zu verbaseln - wenn sie den in der Führungsetage formulierten Ansprüchen gerecht werden wollen. Tags zuvor hatten die beiden Vorstände Axel Hellmann und Markus Krösche nahezu wortgleich davon gesprochen, Grenzen verschieben zu wollen und Platz vier zu verteidigen. „Erwartungen an uns hochzuschrauben“ sei das gute Recht der Vereinsspitze, sagt Glasner, das decke sich im Wesentlichen mit seinen Ideen, nie selbstzufrieden zu sein, regelmäßig an Leistungsgrenzen zu stoßen, sich stetig verbessern zu wollen und immer hungrig zu bleiben. Ob es zum Erreichen der hochgesteckten Ziele reiche, vermag kein Mensch vorherzusehen: „Ende Mai werden wir dort stehen, was wir uns verdient haben“, sagt der Trainer. „Je mehr wir investieren, umso erfolgreicher werden wir sein.“

Personell sind Tuta (Sprunggelenk) und Lucas Pellegrini (Wadenblessur) unpässlich, Tuta hat sogar schon wieder trainieren können. Kapitän Sebastian Rode wird den Restart zunächst von der Bank verfolgen. Er musste in dieser Woche kürzer treten, er wird sorgsam aufgebaut, Djibril Sow zum Beispiel hat schon vier Gelbe Karten. „Seppl ist zu wichtig, um das Risiko eines zu frühen Einsatzes einzugehen, womöglich fällt er dann drei, vier Wochen aus.“

Dessen ungeachtet bietet die erste Englische Woche drei knifflige Aufgaben, erst Schalke als Schlusslicht und damit ein angeschlagener Gegner, dem Eintracht Frankfurt zuweilen gerne auf die Beine zu helfen pflegt, am Mittwoch beim Tabellenzweiten SC Freiburg, am Samstag im Abendspiel gegen Bayern München. Ein knackiges Programm, aber - bange machen gilt ja nicht - Glasner will alle drei Spiele gewinnen. Selbst wenn er sich noch gut an die Ergebnisse der Auftaktspiele aus der Hinrunde erinnern kann: 1:6, 1:1, 1:1. Eine Ausbeute, die ihm jetzt zu wenig wäre.

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