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Eintracht Frankfurt will alles – nur keine Unruhe

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Von: Ingo Durstewitz

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Open-Air Kino mit Eintracht-Fußballern. Foto: Jan Hübner
Open-Air Kino mit Eintracht-Fußballern. Foto: Jan Hübner © Jan Huebner

Eintracht Frankfurt bereitet sich knackig auf den Re-Start vor. Trotzdem ist die Sorge ist groß, das magische Quartett könnte ausfallen.

Frankfurt – Luca Pellegrini, dieser etwas schräge Typ aus Bella Italia, hat ganz schön einstecken müssen am Mittwochvormittag auf Platz vier vor dem Frankfurter Waldstadion. Gleich zweimal wurde der Verteidiger im Eintracht-Training von seinen Kameraden hart erwischt, erst winkte er leicht entnervt ab, doch irgendwann übermannte den impulsiven Römer der Zorn, weshalb er im Fallen einfach mal nach hinten austrat und prompt den Kollegen Aurelia Buta empfindlich traf. Der fand die Stollenschuh-Attacke gar nicht so lustig, er hatte Pellegrini zuvor nicht mal berührt. Pech gehabt.

Knackig ging’s jedenfalls zu in der einzigen Einheit des Tages, kein Spieler zog den Fuß zurück oder ging auch nur einem Zweikampf aus dem Weg. Das blieb nicht folgenlos, nach einem harten Duell ging Christopher Lenz zu Boden auf und musste das Training abbrechen. Der 28-Jährige, gerne mal von diversen Verletzungen heimgesucht, hätte eigentlich den Medien nach dem Training zur Verfügung stehen sollen, doch das Gespräch fiel aus. Stattdessen: Behandlung im Proficampus. Am Donnerstag aber soll Lenz wieder mit dem Team üben können. Immerhin.

Ob das auch auf Makoto Hasebe zutrifft, ist unklar. Den Japaner hat es ebenfalls erwischt, allerdings gesundheitlich. Der Routinier fehlte am Mittwoch wegen einer Erkältung – ausgerechnet an seinem 39. Geburtstag. Schicksal. Für den Restart am Samstag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den Tabellenletzten FC Schalke 04 ist Hasebe, wie es scheint, sowieso nur zweite Wahl. Trainer Oliver Glasner plant offenbar mit Hrvoje Smolcic als zentrales Glied der Dreierkette. Kann man so machen, muss man nicht.

Eintracht Frankfurt kann Ausfall von Leistungsträgern schlecht kompensieren

Für die Eintracht wird es im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres darauf ankommen, gleich wieder den Rhythmus aufzunehmen und in Fahrt zu kommen. Und sie wird darauf angewiesen sein, weitgehend verletzungsfrei durch die Rest-Saison zu kommen. Einen Ausfall der Leistungsträger, gerade in der Offensive, könnte die Mannschaft nur schwerlich kompensieren. Sollte etwa Randal Kolo Muani länger unpässlich sein, würde ein wichtiger Mosaikstein aus dem Gebilde brechen, das Team wäre eines entscheidenden Elements beraubt. Doch das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Eintracht, das geht vielen Klubs so. In Watte werden sie den französischen Fast-Weltmeister deshalb nicht packen, genauso wenig wie Mario Götze, Jesper Lindström oder Daichi Kamada – jene Kreativspieler, die für so viele spielerische Feuerwerke verantwortlich zeichneten.

Und der Verein kann keine Unruhe gebrauchen – weder intern noch extern. Schlechte Stimmung oder Spieler mit Stinkstiefel-Potenzial können den Erfolg gefährden, genauso wie ungeklärte Zukunftsfragen. In Frankfurt spielen gleich fünf Leistungsträger, deren Verträge entweder auslaufen oder die ins letzte Vertragsjahr gehen, Daichi Kamada, Evan Ndicka und Ansgar Knauff sowie Kevin Trapp und Djibril Sow. Ganz sicher werden nicht alle von ihnen in der neuen Spielzeit den Adler auf der Brust tragen.

Für Sportvorstand Markus Krösche ist das kein Problem, er glaubt nicht daran, dass diese Spieler ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr voll bei der Sache sein könnten. „Die entscheidende Frage ist: Sind sie mit dem Kopf woanders?“ Das verneint der Manager ganz entschieden. „Alle, die hier sind, sind voll fokussiert und stehen zu 100 Prozent zu Eintracht Frankfurt. Das ist Fakt.“ Alle treibe das große Ziel an, eine weitere historische, „außergewöhnliche Saison“ zu spielen. „Das ist eine Riesenchance.“

Eintracht Frankfurt: Auge auf Pacho geworfen

Vorbereitet für alle Eventualitäten ist Krösche ohnehin. So hat er nach FR-Informationen jetzt schon die Angel nach dem 21 Jahre alten William Pacho ausgeworfen. Der Ecuadorianer steht bei Royal Antwerpen unter Vertrag, bis 2026. Die Verhandlungen sind allerdings ins Stocken geraten, die Belgier fordern 15 Millionen für den sechsfachen Nationalspieler, die Eintracht bietet elf Millionen. Ausgang offen.

Bleibt die Frage, was aus dem begehrten Oliver Glasner wird. Auch er hat einen Vertrag bis 2024, immer wieder mal wird über das Interesse diverser Topklubs berichtet. In Frankfurt soll über eine Ausdehnung des Kontrakts dennoch erst nach der Saison gesprochen werden. „Wir wollen jetzt den Fokus auf die Rückserie legen“, sagt Sportchef Krösche. Der Trainer bleibt locker: „Ich habe noch 18 Monate Vertrag. Es macht mir wahnsinnig Spaß bei der Eintracht“, sagt Glasner, schränkt aber ein: „Wenn ich jetzt sage, dass ich sowieso bleibe oder sicher gehe, und dann kommt am Ende etwas anderes, dann ist niemandem geholfen. Alles, was ich heute sage, ist im Endeffekt falsch.“ Denn was für die Spieler gelte, gelte mittlerweile auch für die Trainer: „Der Markt macht die Gesetze.“ (Ingo Dustewitz)

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