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Eintracht gegen Köln: Wieder Schiri-Ärger, wieder kein Sieg

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Versteht die Welt nicht mehr: Eintracht-Torwart Trapp (re.) geigt Schiri Petersen die Meinung.
Versteht die Welt nicht mehr: Eintracht-Torwart Trapp (re.) geigt Schiri Petersen die Meinung. © IMAGO/Treese

Die Frankfurter Eintracht hadert nach dem 1:1 gegen Köln erneut mit dem Schiedsrichter und tritt weiterhin auf der Stelle.

Ganz zum Schluss schnurrte das mühselige Treiben auf dem Rasen des Waldstadions mal wieder auf eine einzige Szene zusammen. Und das kam so: Der Frankfurter Flügelspieler Ansgar Knauff hatte in der Endphase, die Eintracht führte gegen den 1. FC Köln mit 1:0 durch Daichi Kamada, eine Flanke recht dilettantisch geklärt, er köpfte die Kugel unbedrängt in hohem Bogen genau vor die Füße von Jan Thielmann, der mit einem sehenswerten Knaller aus 17 Metern den 1:1-Ausgleich erzielte (83.). Doch dann ging das Theater erst richtig los, weil FC-Stürmer Florian Dietz beim Schuss knapp im Abseits und auch noch im Sichtfeld von Eintracht-Torwart Kevin Trapp stand.

Der VAR schaltete sich ein, minutenlang wurde die knifflige Situation überprüft, ehe Schiedsrichter Martin Petersen selbst in die Review-Area schritt und kurz darauf entschied: Treffer zählt. Es war, ganz klar, eine entscheidende Szene, denn die müden Rheinländer hatten nun nicht unbedingt auf einen Treffer gedrängt, das Tor war ihnen buchstäblich vor die Füße gefallen. Mit ziemlicher Sicherheit wäre die Partie anders ausgegangen, wenn der Treffer nachträglich aberkannt worden wäre, was die bessere Entscheidung gewesen wäre. „Da haben wir Glück gehabt, wir hätten uns nicht beschweren können, wenn das Tor nicht gezählt hätte“, urteilte selbst FC-Trainer Steffen Baumgart.

Die Eintracht war in ihrer Schiri-Schelte etwas unnachgiebiger, was in der Natur der Sache liegt. Gerade der Betroffene selbst hatte Mühe, seinen Ärger runterzuschlucken. „Es ist Wahnsinn. Warum wird das nicht abgepfiffen? Ich verstehe es wirklich nicht mehr“, meckerte Torwart Trapp. „Ich reagiere ja gar nicht. Wenn einer vor mir steht und wenn es einer von Köln ist, dann ist es Abseits. Und er steht im Abseits.“ Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass der Keeper den „tollen Schuss“ (Oliver Glasner) auch dann nicht gehalten hätte, wenn er freie Sicht gehabt hätte.

Die Eintracht ärgerte sich nach der unglücklichen Entscheidung von Berlin in der Vorwoche, als ein Elfmeterpfiff von Frank Willenborg nach Videostudium kassiert wurde, abermals über den Referee. „Ich verstehe nicht, was sie da machen“, befand Sportvorstand Markus Krösche. „Das sind zwei entscheidende Situationen, insofern ist das sehr ärgerlich.“ Der Manager räumte gleichwohl ein: „Es ist eine Fehlentscheidung, aber wir müssen es nicht auf den Schiri schieben, wir können das vorher auch besser klären.“ Viele Grüße an Ansgar Knauff.

So oder so: Die Eintracht tritt nach dem zweiten Remis im dritten Bundesligaspiel auf der Stelle. Nach der 1:6-Züchtigung durch die Bayern reichte es gegen eher durchschnittliche Mannschaften wie Hertha BSC und den 1. FC Köln nur zu jeweils einen Punkt. Zu wenig, zu wenig auch für die eigenen Ansprüche. Zumal die Eintracht nun saisonübergreifend seit elf Spielen (!) auf einen Sieg in der Bundesliga wartet, den letzten Dreier holte sie Mitte März beim 2:1 gegen den VfL Bochum. Lange her. „Das ist keine schöne Statistik, aber das ist Bundesliga, da ist es nicht so einfach, Seriensiege zu feiern“, bekannte Coach Glasner. Kleinigkeiten entschieden auf diesem Niveau die Partien eben, „wir werden jetzt in Bremen wieder versuchen, diese Serie zu brechen.“

Insgesamt aber sieht der Fußballlehrer sein Ensemble auf dem richtigen Weg. Die Leistung gegen Köln stimme ihn zuversichtlich, selbst wenn sich vieles noch einschleifen müsse. „Wenn du zehn neue Spieler in der Kabine hast, dann bist du immer noch auf der Suche. Aber da sind wir dran.“

Der Österreicher hatte sein Team auf gleich fünf Positionen verändert und großen Wert darauf gelegt, seine zuletzt so fahrige und anfällige Mannschaft zu stabilisieren. Erwartungsgemäß bot er daher erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit eine Viererabwehrkette auf, links verteidigte Neuzugang Luca Pellegrini, auf der anderen Seite etwas überraschend Kristijan Jakic, der normalerweise zerstörerische Dienste im zentralen Mittelfeld leistet. Glasner hatte den Kroaten aber schon, wie die FR berichtete, unter der Woche im Training als Rechtsverteidiger getestet.

Ein Experiment, das nicht krachend scheiterte, aber auch ganz sicher nicht als durchschlagender Erfolg zu bezeichnen ist (siehe weiteren Bericht auf der folgenden Seite). „Wir haben uns für Stabilität entschieden“, begründete der am kommenden Sonntag 48 Jahre alt werdende Coach. „Ich bin sehr zufrieden, wie wir verteidigt haben.“

In jedem Fall hatte die Umstellung den gewünschten Effekt: Die Eintracht bot nicht so viele Lücken, stand besser, ging zudem beherzter in die Zweikämpfe, insgesamt aggressiver zu Werke. Das Ganze hatte allerdings auch zur Folge, dass nach vorne nicht so wirklich viel zusammen lief. Nach passablem Beginn flachte die Partie immer mehr ab. Gefährliche Situationen in des Gegners Strafraum waren Mangelware. Die Eintracht wirkte, alles in allem, tatsächlich wie eine Suchende, da passte vieles nicht zusammen, das Gesamte mutet irgendwie unrund, unfertig an.

Selbst FC-Trainer Baumgart stellte nüchtern fest: „Die Eintracht hat nun auch kein Feuerwerk an Chancen gezündet, sie hatte eine richtige Chance aus dem Spiel heraus.“ Die vergab Kristijan Jakic kläglich (88.). Auch diesen Frankfurter Angriff, den besten im ganzen Spiel, hatte Mario Götze unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick mit einem klugen Pass initiiert. Der 30-Jährige gehört zu den Aktivposten, genau wie Daichi Kamada, der zuletzt kränkelte, aber seine ganze Klasse nach der Einwechslung aufblitzen ließ. Kein Zufall, dass er das 1:0 per Freistoß machte (72.). „Daichi ist die ganze Zeit schon gut drauf“, kommentierte Sportboss Markus Krösche.

An Coach Oliver Glasner ist es nun, die offensiven Abläufe einzuschleifen, das ist dringend nötig. Sonst wird er noch häufiger in ein Remis gegen einen Mittelgewichtler einwilligen müssen. Für den Anfang ist der ehrgeizige Trainer „damit nicht glücklich, aber ich kann damit leben“. Bleibt ihm auch nichts anderes übrig.

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