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Torschütze Daichi Kamada (r) jubelt nach dem zweiten Tor mit Almamy Touré.

DFB-Pokal

Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen: Ein Sieg mit Beigeschmack

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt schafft mit einem 2:0 gegen Werder Bremen den Halbfinaleinzug im DFB-Pokal, doch Filip Kostic sieht Rot für ein brutales Foul.

Frankfurt - Der Tanz auf drei Hochzeiten geht für Eintracht Frankfurt weiter. Am gestrigen Mittwochabend bezwangen die Hessen im DFB-Viertelfinale Werder Bremen mit 2;0 (1:0). Sie stehen damit im Halbfinale, das am 21. und 22. April ausgetragen wird. Gegner ist entweder Bayern München, Bayer Leverkusen oder der Viertligist 1. FC Saarbrücken, die Paarungen werden am Sonntag um 18 Uhr in der ARD-Sportschau ausgelost. Der Einzug ins Halbfinale, der dritte Einzug binnen vier Jahren, bringt der Eintracht zudem Prämien von 2,808 Millionen Euro.

Der Erfolg in diesem Viertelfinale vor 51 500 Zuschauern war verdient, die Gastgeber waren die bessere, die aggressivere Mannschaft, die den Sieg mehr wollte. Auch wirkten die Hessen physisch deutlich stärker. Allerdings profitierten die überlegenen Frankfurter von einer Videoentscheidung kurz vor der Pause.

Der Sieg wurde aber sehr teuer erkauft. Kurz vor Schluss sah Frankfurts bester Spieler, Filip Kostic, nach einem brutalen, völlig überflüssigen Tritt von hinten in die Wade von Ömer Toprak die Rote Karte. Toprak wurde mit einer Trage vom Platz gebracht und anschließend mit einem Krankenwagen in eine Klinik gefahren.

Eintracht Frankfurt: Kostic wird fehlen

Kostic dürfte der Eintracht in den nächsten beiden Pokalspielen fehlen, und damit wohl also auch in einem möglichen Finale, das am 23. Mai in Berlin gespielt wird. Für Eintracht Frankfurt ist sein Ausfall ein nicht zu kompensierbarer Verlust.

Natürlich wollte die aktive Frankfurter Fanszene nach den Vorkommnissen des Wochenendes nicht schweigend zusehen. Auch sie entrollten Plakate und Transparente, allerdings mit durchaus pfiffigem Inhalt: „Adi, meld dich, wenn du ne Spielunterbrechung brauchst“ stand auf einem der Laken, ein anderes, über das ganze Oval der Nordwestkurve verteilt, beinhaltete auch ein politisches Statement und lautete so: „Unser Fußball durch euch verkauft. Euer Dialog nur Schall und Rauch. Doppelmoral, Selbstgefälligkeit und alles für das Geld. Die Funktionäre sind das hässliche Gesicht des Fußballs, nicht die Fans.“ Das Ganze wurde untermalt von Abbrennens von Pyro. Dazu hingen die Banner aller Fangruppierungen an Zaun und Oberrang.

Es war also angerichtet für einen stimmungsvollen Pokalabend, die Spieler der Eintracht trugen auch wieder ihre weißen Trikots, die im Pokal bislang immer Glück gebracht hatten.

Doch eine packende, dramatische Pokalpartie entwickelte sich zunächst nicht. Vieles war lange Zeit Stückwerk, die Bremer, obzwar Tabellenvorletzter, erwiesen sich alsbald als Gegner auf Augenhöhe, was auch daran lag, dass sie personell wieder mehr Alternativen hatten. Die Hessen, die kurzfristig auf Sebastian Rode verzichten mussten, den eine Magen-Darm-Grippe flach gelegt hatte, kamen nur sehr schwer ins Spiel. Trainer Adi Hütter hatte erneut viele Fußwerker ins Spiel gebracht, Makoto Hasebe oder etwa auch Mijat Gacinovic saßen auf der Bank, die rustikale Fraktion um Stefan Ilsanker und Djibril Sow hatte den Vorzug erhalten. Viele Ideen, das Spiel nach vorne zu tragen, entwickelten sie nicht.

Die Partie plätscherte eher so dahin, Torchancen waren selten gesät, und wenn, dann lagen sie auf Bremer Seite. Torwart Kevin Trapp hatte die Eintracht zweimal mit sehr guten Paraden im Spiel gehalten, erst reagierte er blitzschnell bei einem Kopfball von Davie Selke (35.), dann entschärfte er einen tückischen Distanzschuss von Maximilian Eggestein (42.). Werder hätte da durchaus in Führung gehen können. Auf Frankfurter Seite lag ebenfalls zweimal ein Tor in der Luft, zunächst verpasste André Silva um Haaresbreite eine Hereingabe von Daichi Kamada (11.). Da profitierte der Japaner von einem kapitalen Fehler des Bremer Innenverteidigers Kevin Vogt, was ein wenig symptomatisch für das eher einfallslose Frankfurter Spiel war - eigene gelungene Aktionen waren selten. Immerhin strich nochmal ein Schuss von Martin Hinteregger um Haaresbreite (32.) am Tor vorbei.

Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen: Elfmeter durch Videobeweis

Und dann kam die Nachspielzeit, und ein erster Höhepunkt im bis dahin müden Spiel. Schiedsrichter Felix Zwayer entschied nach Videobeweis auf Handelfmeter: Die Szene war längst weitergegangen, keiner im Stadion hatte es gesehen, keiner protestiert. Doch die Hand von Ludwig Augustinsson war in der Tat weit über Kopfhöhe. Diese Chance ließ sich André Silva nicht entgehen, den fälligen Elfmeter schoss er hoch unter die Latte zum 1:0. Bremens Trainer Florian Kohfeldt regte sich mächtig über dieser Entscheidung auf, er schleuderte eine Trinkflasche mit voller Wucht auf den Rasen. Dafür sah er die Gelbe Karte,

Die zweite Halbzeit begann mit einem Feuerwerk- entzündet in der Bremer Kurve. Die 5000 Werder-Fans brannten Silvesterraketen ab. Später kam dann auch noch Pyro zum Einsatz. Auf der anderen Seite enthüllten die Frankfurter Fans dann doch noch ein Plakat, das Dietmar Hopp zum Inhalt hatte: „Dietmar Hopp, du Sohn einer ... Mutter“, und ein Smiley gab es noch dazu.

Dann wurde wieder Fußball gespielt. Mit dem schönsten Angriff des Spiels schaffte Eintracht Frankfurt das 2:0. Der Ball lief über viele Stationen, über Silva, Evan Ndicka und natürlich Filip Kostic, wie immer, wenn es gefährlich wurde. Seine feine Flanke bugsierte Daichi Kamada aus kurzer Entfernung ins Netz zum 2:0 (60.). Es war sein zweites Pokaltor, nur in der Bundesliga hat der Mittelfeldspieler bisher noch nicht getroffen. Es sollte die Entscheidung sein, denn Werder Bremen, sichtlich mit den Kräften am Ende, kam nicht mehr entscheidend zurück. Silva hatte kurz vor Schluss noch eine Möglichkeit, verpasste aber. Und dann kam, schon in der Nachspielzeit, der komplett überflüssige, folgenreiche Tritt von Filip Kostic.

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