29. Mai 1999 - per Übersteiger zum Klassenerhalt: Jan Aage Fjörtoft trifft zum 5:1 gegen Kaiserslautern. imago images
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29. Mai 1999 - per Übersteiger zum Klassenerhalt: Jan Aage Fjörtoft trifft zum 5:1 gegen Kaiserslautern. 

Saisonfinale

Eintracht Frankfurt: Wenn letzte Würfel fallen

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt schaffte oft noch am 34. Spieltag die Wende - dieses Mal ist die Luft aber schon raus.

Herzschlagfinale. Endspiel. Schicksalsspiel. Es gibt eine Menge hochtrabender Worte für den 34. und letzten Spieltag einer Bundesliga-Saison. 90 Minuten noch, um Ziele zu korrigieren oder zu erreichen, 90 Minuten, um das Schlimmste abzuwenden - oder 90 Minuten Langweile in einer Partie um die Goldene Ananas. So wie am Samstag, wenn Eintracht Frankfurt auf den SC Paderborn trifft, für beide geht es im Kern um nichts mehr, die Hessen können nicht mehr ins internationale Geschäft eingreifen, die Ostwestfalen müssen nach einem Jahr die erste Liga verlassen.

Aber natürlich stimmt das, zumindest bei Eintracht Frankfurt, nicht: Es geht immer um was, man kann immer noch eine bessere Platzierung erringen, die ja nicht ganz unerheblich ist für die TV-Tabelle. Im Schnitt bedeutet jede bessere Platzierung runde zwei Millionen Euro mehr an Einnahmen. Die Frankfurter, momentan genau in der Tabellenmitte gelistet, können noch Achter, Neunter oder Zehnter werden.

Es ist das erste Mal, dass die Bundesliga noch Ende Juni Fußball spielt, aber das hat ja die bekannten Gründe. Es ist aber das erste Mal seit drei Jahren, dass es am letzten Spieltag für Eintracht Frankfurt um nicht mehr allzu viel geht, dass eine kräftezehrende Runde mehr oder weniger gemütlich ausläuft. Womöglich werden am Samstag Spieler noch einmal zum Einsatz kommen, die den Klub sicher verlassen (Gelson Fernandes oder Jonathan de Guzman) oder wegen Verletzungen ewig nicht gespielt haben (Marco Russ). Die Luft jedenfalls ist ein bisschen raus.

14. Mai 2011 - der überflüssige Abstieg: Aleksandar Vasoski (links), Marcel Heller und Patrick Ochs schieben Frust in Dortmund. 

Denn eigentlich ist es Eintracht Frankfurt gewohnt, die Dinge, wenn es sein muss, auf den letzten Drücker zu richten. Kaum ein Team bekommt das besser hin. Wer erinnert sich nicht an jenen 29. Mai 1999, als der Klub mit einem glorreichen 5:1 im eigenen Stadion gegen den Champions League-Aspiranten 1. FC Kaiserslautern und dem berühmten Übersteiger von Jan-Aage Fjörtoft die Klasse gehalten hatte - mit der Winzigkeit eines Tores. Im Grunde war das die Mutter aller Wunder im Frankfurter Waldstadion. Ein Jahr später, am 20. Mai 2000, war das 2:1 gegen den SSV Ulm nur die logische Krönung eines beeindruckenden Schlussspurts unter Felix Magath, auch da wurde der Abstieg im letzten Moment verhindert.

Oder 2003, als die Eintracht, eigentlich schon hoffnungslos hintendran, binnen weniger Minuten aus einem 3:3 gegen den SV Reutlingen ein 6:3 machte und den Mainzern noch den Aufstieg in die Bundesliga buchstäblich vor der Nase wegschnappten. Alex Schur wird seinen Treffer in der 90. nie im Leben vergessen. Diese beiden Spiele, in denen möglich gemacht wurde, was eigentlich unmöglich erschien, haben den Mythos begründet, wonach am allerletzten Spieltag immer noch was Außergewöhnliches passieren kann. Gerne auch noch ein weiterer Bundesligaaufstieg, etwa jener unter Trainer Friedhelm Funkel am 22. Mai 2005, nach einem ziemlich ungefährdeten 3:0-Erfolg über Wacker Burghausen.

In den vergangenen zehn Jahren aber hat es lediglich vier Spielzeiten gegeben, in denen am 34. Tag für Eintracht Frankfurt alle entscheidenden Würfel schon gefallen waren: In der Saison 2016/2017 endetet die letzte Partei 2:2 gegen RB Leipzig, die Eintracht schnitt als Elfter ab, in der Runde 2013/2014 verlor man 1:2 beim FC Augsburg, Platz 13 am Ende. 2011/2012 waren die zweitklassigen Hessen längst in die Bundesliga aufgestiegen, die 0:1-Niederlage beim Karlsruher SC änderte nichts daran, lediglich ein paar Unverbesserliche wollten den Platz stürmen, eine wahre Polizeiarmada hinderte sie daran. 2009/2010 verlor die Eintracht beim VfL Wolfsburg 1:3, Platz 10.

25. Mai 2003 - der Aufstieg: Alexander Schur dreht jubelnd nach seinem Tor zum 6:3 gegen Reutlingen ab.

In allen anderen Spielzeiten war aber noch mächtig Zunder im Spiel: 2018/2019 ging es um den Europapokal, die Eintracht ging zwar sang- und klanglos 1:5 in Müchen unter, doch weil Mainz den unmittelbaren Konkurrenten Hoffenheim schlug, reichte es zur Ochsentour. Ein Jahr zuvor vergeigten es die Frankfurter, 0:1 auf Schalke, drei Zähler fehlten für das internationale Geschäft, Platz acht, auch 2014/15 hätte Europa gelockt, doch ein 2:1 gegen Bayer Leverkusen im eigenen Stadion reichte nicht, weil andere Mannschaften dieses Mal nicht für die Hessen spielten. Schließlich bescherte ein Treffer in letzter Minute gegen den VfL Wolfsburg zum 2:2 in der Runde 2012/2013 der Eintracht einen hervorragenden sechsten Platz und damit unter Trainer Armin Veh die Europa League. 0:2 lagen die Hessen, gerade aufgestiegen, schon hinten, ehe zwei Treffer durch Jesus Vallejo und ein Eigentor in den letzten Minuten das Stadion im Stadtwald zum Kochen brachten.

Aber natürlich gab es nicht nur Happyends für die Frankfurter. 2011, bei der „Rückrunde der Schande“ unterlagen die Hessen am 14. Mai bei Meister Borussia Dortmund 1:3 - obwohl sie 1:0 geführt hatten. Damit war einer der überflüssigsten Abstiege besiegelt, die Eintracht hätte einen Sieg benötigt und ein Remis von Wolfsburg. Beides kam nicht, Platz 17, und ein „Weiter so kann es nicht geben“ von Vorstand Axel Hellmann, der damit erstmals öffentlich eine Duftmarke gesetzt hatte..

Und schließlich gab es noch jenen 14. Mai in 2016. Ein Punkt hätte Eintracht Frankfurt seinerzeit gegen Werder Bremen gereicht, um den direkten Klassenerhalt zu schaffen und die Bremer in die Relegation zu schicken. Doch in der 88. traf Papy Djilobodji mit einem Murmeltor und die Frankfurter, von Trainer Niko Kovac extrem defensiv eingestellt, mussten noch eine Extrarunde drehen, eine dann noch erfolgreiche gegen den 1. FC Nürnberg. Werder Bremen, um den Bogen zu diesem allerletzten 34. Spieltag zu schlagen, wäre schon gottfroh, sie kämen aktuell überhaupt so weit. (Von Thomas Kilchenstein) 

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