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Ante Rebic (l.) und Maximilian Eggestein (r.) kämpfen um den Ball.

Eintracht Frankfurt - Werder Bremen

„Guter gewonnener Punkt“

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Eintracht Frankfurt nimmt bei Werder Bremen ein Unentschieden mit. Die Adlerträger räumen ein, dass der Zähler eher glücklich zustande kam.

Nicht immer kommt es vor, dass ein abgeblockter Schuss mit erhobener Faust gefeiert wird. Aber Marco Russ wusste sehr genau, dass seine letzte Rettungstat im Bremer Weserstadion für die Frankfurter Eintracht wegweisende Bedeutung besaß. In einer vogelwilden Nachspielzeit, die das turbulente wie unterhaltsame Treiben die 90 Minuten offenbar ganz auf die Spitze treiben sollte, hatte sich das aus Hanau stammende Urgestein in die Schussbahn geworfen, um gegen den einschussbereiten Bremer Maximilian Eggestein den Genickschlag für die Frankfurter zu verhindern. „Er hat mir fast den Knöchel weggeschossen“, meinte der eingewechselte Routinier, der damit das glückliche, aber nicht völlig unverdiente 2:2 (1:1)-Remis absicherte.

Dass es eine umstrittene Sequenz auf der Gegenseite, in der Schiedsrichter Markus Schmidt nach dem Videobeweis durchaus einen zweiten Handelfmeter für die Hessen hätte verhängen oder Sébastien Haller bei einem Konter besser auf Luka Jovic quer spielen können, wollte Russ anführen: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Das 2:2 ist glücklich. Wir haben so viel individuelle Klasse, um Punkte mitzunehmen. Wir dürfen uns aber nicht immer auf die Geniestreiche der Drei vorne verlassen.“

Der mahnende Unterton in der Stimme des 33-Jährigen war deutlich vernehmbar. Wie schon im Heimspiel gegen den SC Freiburg (3:1) agierten die Adlerträger beim SV Werder Bremen gewiss nicht am Limit; erneut stimmte die Balance über weite Strecken nicht – dazu gesellten sich Abwehrfehler ungeahnter Ausmaße. Wie gleich drei Frankfurter beispielsweise beim 0:1 von Maximilian Eggenstein nur Geleitschutz gaben – Danny da Costa, David Abraham und Simon Falette – das war fast schon tölpelhaft zu nennen (27.).

Gute Trainingsleistungen

Vor allem wunderte sich der Werder-Torschütze ja selbst, dass er bei diesem eigentümlichen Sololauf noch im Ballbesitz blieb. „Ich habe die Orientierung verloren, dann lag der Ball aber noch vor mir“, schilderte Maximilian Eggestein die Szene, die für die Unstimmigkeiten der Frankfurter Defensive stand. Kapitän Abraham stand neben den Schuhen, Falette war eine Fehlbesetzung. Trainer Adi Hütter erklärte die Nominierung seiner Nummer drei später auf FR-Nachfrage mit den guten Trainingsleistungen und fügte an: „Ich wollte auf Erfahrung setzen.“ Falette (26 Jahre) mag zwar mehr erlebt haben als Even Ndicka (19), aber der bessere Verteidiger ist er definitiv nicht. Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund dürfte Ndicka wieder seinen Platz erhalten.

So hatte Torwart Kevin Trapp über die gesamte Spielzeit viel mehr zu tun, als ihm lieb ist. „Bremen war die bessere Mannschaft – so ehrlich muss man sein. Bessere Mannschaften nutzen so etwas aus.“ Der mit klarem Kopf agierende Keeper behielt anders als einige Vorderleute stets die Übersicht und strahlte viel Sicherheit aus, hatte aber auch Glück als der umtriebige Maximilian Eggestein beispielsweise nur den Pfosten traf (39.).

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Eintracht allerdings schon ausgeglichen. Bei einem der wenigen gelungenen Vorstöße über Filip Kostic landete die Kugel bei Ante Rebic, der in Weltklassemanier den Ausgleich erzielte. Wie schon gegen Freiburg düpierte er seine Gegenspieler und zirkelte das Spielgerät unhaltbar ins Eck (35.). Dass der kroatische Vizeweltmeister neuerdings sehr zurückhaltend jubelt, wollte niemand bei der Eintracht zum Thema machen. Hütter stellte allein heraus, dass Rebic im neuen Jahr zu alter Klasse zurückgefunden habe: „Zwei Spiele, zwei wunderschöne Tore. Er hat mehr Power, mehr Punch. Er ist entschlossener und dynamischer.“ Und damit ein Spieler, der den Unterschied macht, wenn es ansonsten nicht so läuft. Hütter sagte hinterher: „Werder war die bessere Mannschaft mit mehr spielerischen Anteilen. Wir haben uns schwer getan und konnten uns nicht so entfalten. Aber wir haben Moral bewiesen. Daher war es ein guter gewonnener Punkt.“ Dass sich sein Team nächste Woche gegen Dortmund steigern muss, weiß der 48-Jährige – dennoch steht sein Team erst einmal auf Platz vier. Wer hätte das vor Saisonbeginn gedacht!

Rebic als ewiger Unruheherd

Der ewige Unruheherd Rebic sorgte indirekt dafür, dass die Eintracht auch nach einem 1:2-Rückstand – Martin Harnik war nach Zuspiel des überragenden Max Kruse entwischt und hatte den behäbigen Falette wie einen Schulbuben stehen gelassen (52.) – zurückkam. Denn im Duell mit ihm rutschte Bremens Linksverteidiger Ludwig Augustinsson aus und spielte den Ball klar erkennbar mit der Hand. Referee Schmidt, im Hauptberuf Personalleiter, blieb gar nichts anderes übrig, auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Haller ziemlich cool zum 2:2 (68.). Ansonsten war vom Frankfurter Torjäger wenig zu sehen, dasselbe galt auch für Jovic, der nur bei einem Seitfallzieher sein Können andeutete (9.) und ansonsten oft untertauchte.

Dass aber dennoch an solchen Abenden wieder zwei der drei Frankfurter Ausnahmestürmer netzen, ist ein Qualitätsmerkmal. Bremens Trainer Florian Kohfeldt verortet das Trio übrigens schon komplett in der Kategorie Weltklasse. Ansonsten wirkte der 36-Jährige ziemlich missmutig. „Wir hatten den Sieg verdient. Wir hätten gewinnen müssen. Aber es hat Spaß gemacht.“ Ein Fazit, dem sich übrigens jeder neutrale Beobachter eines außerordentlich ansehnlichen Bundesligaspiels anschließen dürfte.

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