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Gefragter Gesprächspartner: Eintracht-Vorstand Hellmann mit Leverkusens Pendant Carro. 

Sportkongress

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann warnt die neureiche Hertha

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Eintracht-Vorstand Axel Hellmann meint: „Einmaleffekte werden dir auf Sicht nicht helfen“, ganz oben anzugreifen.

Eintracht Frankfurts Marketingmann Axel Hellmann sieht „Luft nach oben“ für die Fußball-Bundesliga im internationalen Wettbewerb. Das sagte der Vorstand des Fußball-Bundesligisten beim größten europäischen Sportkongress Spobis und erklärte: „Wir können alle noch ein Stück weit mutiger und aggressiver vorgehen, was unsere Ansprüche angeht.“ Diese DNA, glaubt Hellmann, würden die im internationalen Wettbewerb verbliebenen deutschen Klubs verkörpern. Dazu gehört auch die Eintracht mit dem Erreichen der K.o.-Runde in der Europa League. Das schlichte Erfolgsgeheimnis der Hessen: „Du kannst es dir schlichtweg nicht erlauben, in der Europa League abzuschenken, wenn du schon in der Qualifikation vor ausverkauftem Haus spielst.“ Grundsätzlich aber würden sich deutsche Klubs nach Erreichen eines internationalen Wettbewerbs noch „zu oft hinter der Mehrfachbelastung verstecken“. Die Eintracht habe einen grundlegend anderen Ansatz gewählt und diese Herangehensweise den Profis unter anderem damit dokumentiert, „dass wir Euroleague-Jackets haben maßschneidern lassen – da wussten alle: ,Wenn wir in den Flieger steigen, geht es um etwas Ernstes. Das ist hier kein Spaß!“"

Eintracht Frankfurt: Steigerung von 50% wären für die Champions League nötig

Um stabil in die Champions League zu kommen, erläuterte Hellmann, sei es notwendig, die Personalkosten für den Profikader Spieljahr für Spieljahr auf „100 Millionen Euro, besser 120 Millionen Euro zu steigern“. Die Eintracht liegt derzeit bei rund 70 bis 80 Millionen Euro für die Gehälter der Spieler und Trainer. Eine Steigerung um rund 50 Prozent wäre also vonnöten, um zukünftig zur Creme de la Creme in Europa zu gehören.

Auch der neureiche Hauptstadtklub Hertha BSC werde zu spüren bekommen, wie schwierig es ist, dieses Niveau zu erreichen, glaubt Hellmann. Die Berliner hätten durch die Windhorst-Millionen „eine große Chance, sich vom Mittelfeldranking der Bundesliga in eine Spitzenposition zu bringen“, dorthin also, wo Eintracht Frankfurt sich in den vergangenen Jahren festgebissen hat. „Die Hertha wird dann die gleichen Erfahrungen machen wie wir: Einmaleffekte werden dir auf Sicht nicht helfen, du musst deine Erlöse stabil nach oben schrauben“. Das sei die große Herausforderung.

DFL-Boss Christian Seifert: Sportschau steht nicht unter Naturschutz

Mit Blick auf die von der Deutschen Fußball-Liga aktuell ausgeschriebenen Medienrechte für die Spielzeiten 2021 bis 2025, ist Hellmann verhalten optimistisch: „Es wird uns in der Summe nicht so schlecht ergehen.“ Offenbar baut man in der Bundesliga darauf, dass Platzhirsch Sky sich nach dem Verlust der Champions League an Dazn und Amazon ab 2021 mächtig strecken wird, um die Mitbewerber für die Liveberichterstattung der deutschen Ligaspiele abzuwehren.

Was den Free-TV-Markt angeht, äußerte sich DFL-Boss Christian Seifert beim Deutschen Medienkongress in Frankfurt in Richtung ARD spitzzüngig: „Im Gegensatz zur Mops-Fledermaus steht die Sportschau nicht unter Naturschutz.“ Will heißen: „Wir schreiben die zeitnahe Highlight-Berichterstattung aus, die es immer geben wird – auch wegen der gesellschaftlichen Relevanz. Es ist aber nicht unsere Entscheidung, ob es bei der Sportschau oder auch dem Sportstudio bleibt. Wir sind sehr zufrieden mit der Sportschau. Die Marke hat unserer Meinung nach sogar deutlich mehr Potenzial.“

Axel Hellmann stärkt den Mittelstand

Der Poker hat also längst begonnen. Die Vertreter der Bundesliga, der Frankfurter Hellmann inklusive, wollen sich aktuell nicht öffentlich daran beteiligen, das Fell des Bären zu verteilen. Man rechnet dank des geschickten Verkäufers Seifert und des umkämpften Marktes mit rund 1,5 Milliarden Euro pro Saison. In Hintergrundgesprächen weisen Ligavertreter darauf hin, dass sie eine Verschiebung der Einnahmen weg von den verhältnismäßig reichen Topklubs hin zur Mittelklasse befürworten. Auch Axel Hellmann hat im Sommer vergangenen Jahres erfolgreich auf eine Stärkung des Mittelstandes im DFL-Präsidium hingearbeitet – zum Verdruss der Kollegen Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern und Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund. Er finde es „legitim“, so Hellmann, „dass der Mittelstand bis hinab zur zweiten Liga für seine Interessen eintritt. Diese Verschiebung ist gesund“.

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