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„Im Fußball gibt es eben doch Durchlässigkeiten, man kann über Schwellen hinüber gehen“, sagt Axel Hellmann.

Axel Hellmann

SGE-Vorstand Axel Hellmann verrät: Das sind die Zukunftspläne der Eintracht

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SGE Vorstand Axel Hellmann spricht in der FR über die Gesamtstrategie der Eintracht, die aktuelle Entwicklung des Klubs und die Risiken des Wachstums.

Herr Hellmann, Sie sind erst kürzlich aus den USA zurückgekehrt, wo Sie unter anderem den Eintracht-Film „Die Rückkehr des Pokals“ präsentierten. Diese Geschichte müsste für die Menschen in den Staaten doch wie gemacht sein.
Die Reise war ein großer Erfolg. Wir haben den Film in New York auf einem Filmfestival gezeigt und in Austin bei unserem Hauptsponsor Indeed. Die Amerikaner lieben diese Geschichte, weil sie eine klassische David-gegen-Goliath-Geschichte ist, und sie ist zeitlos. Es ist völlig uninteressant, dass der Pokal jetzt schon wieder in den Händen eines anderen Vereins ist. Diese Story kann man auch in drei, fünf oder zehn Jahren erzählen.

Ist der Film synchronisiert worden?
Der Sprecher, ja. Aber die Protagonisten nicht. Einen Peter Fischer (Vereinspräsident; Anm. d. Red.) kannst du ja nicht synchronisieren, wie soll das gehen? Die Amerikaner finden gerade Peter mit seiner Art total spannend und lebendig. Aber es gibt auch Johnny de Guzman, der ja in Englisch erzählt, dass es das größte Spiel seiner Karriere war. All diese Dinge rühren die Menschen emotional an. Interessant war auch, dass die Amerikaner sehr gut über uns informiert waren und auch über unser außergewöhnliches Fanaufkommen und deren Aktivitäten. Für uns geht es jetzt um die Frage, wie distribuieren wir den Film in den Staaten. Denn eine bessere Werbung für die Eintracht kannst du nicht machen.

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Hatten Sie das geplant?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben ja sowieso gedacht, wir machen einen Liebhaberfilm. Aber den haben sich in Deutschland schon mehr als 100 000 Menschen angesehen, was für einen solchen Film ein Riesenerfolg ist. Damit waren wir in den Kinocharts. Jetzt wollen wir die Geschichte in anderen Ländern weitererzählen.

Sie werden den Trip auch dazu genutzt haben, um mit Hauptsponsor Indeed über eine weitere Zusammenarbeit zu sprechen. Der Vertrag läuft noch ein Jahr, bis dahin werden insgesamt 20 Millionen Euro in die Kasse der Eintracht geflossen sein. Damit würden Sie sich in Zukunft angesichts des rasanten Wachstums Ihres Klubs sicher nicht mehr zufrieden geben, oder?
Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass beide Seiten mit der Partnerschaft außerordentlich zufrieden sind. Indeed ist ein Hauptsponsor, der sehr gut zu uns passt, weil er aus einer neuen, modernen, digitalen Welt kommt. Sie sind als größte Job-Plattform der Welt Marktführer. Es geht aber auch um Werte, Indeed steht für Weltoffenheit, Internationalisierung, sie nennen es Diversity (Vielfalt, internationaler Gegenbegriff zu Diskriminierung; Anm. d. Red.). Das entspricht genau unserer Haltung. Da sind sich die Philosophien beider Partner sehr nahe. Wir haben Indeed geholfen, in Deutschland einen anderen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Ich spüre, dass es ein grundsätzliches Interesse gibt, die Partnerschaft fortzusetzen. Allerdings müssen wir uns über die finanziellen Rahmenbedingungen einig werden, das muss jetzt verhandelt werden. Klar ist, dass wir durch die Erfolge der letzten zwei Jahre eine andere Wahrnehmung der Eintracht, auch andere Reichweiten haben. Wir haben auf allen Feldern enorm zugelegt und einen anderen Werbewert erreicht. Das muss sich in der zukünftigen Partnerschaft auch widerspiegeln.

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Die Eintracht boomt, sie ist in aller Munde. Woran machen Sie persönlich diese andere Wahrnehmung fest? Anhand von Zahlen oder durch vermehrte Schulterklopfer in der Kleinmarkthalle des „normalen“ Bürgers?
Da gibt es verschiedene Punkte. Zum einen sind da die nackten Daten. Da geht es um Reichweiten, Mitgliederzahlen, die Nachfrage nach Dauerkarten. Wir haben ja noch mal 1000 in den freien Verkauf gegeben, die waren in 20 Minuten vergriffen – mehr als 10 000 hatten sich darum bemüht. Wir werden alle Business Seats, Logen und Werbemöglichkeiten im Stadion auch in der neuen Saison ausverkauft haben. Es gibt im Übrigen in dieser Stadt kein einziges Trikot mehr zu kaufen, in keinem Shop, in keiner Größe. Das gab es noch nie. Das ist die faktische Seite.

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Welche gibt es noch?
Wir haben uns national und international ein anderes Standing erworben. Unser Sportvorstand Fredi Bobic war jetzt gerade auf dem Kongress der ECA (European Club Association, eine selbstständige Interessenvertretung der europäischen Klubs; Anm. d. Red.) auf Malta, und da ist Eintracht Frankfurt häufiger genannt und hervorgehoben worden, weil der europäische Fußball eben doch durchlässig sei. Das ist Zeichen einer Anerkennung, die wir uns erarbeitet haben. Und natürlich gibt es auch den persönlichen Kontakt, etwa in der Kleinmarkthalle, wo ich fast jeden Samstag bin. Da kommen die Leute und bedanken sich auch dafür, welche Arbeit wir geleistet haben. Die Menschen sind stolz auf ihren Verein. Da geht es um die Art, wie wir Fußball gespielt haben. Aber vor allem um das Auftreten und die Haltung des Vereins und das, was die Fans auf die Beine gestellt haben. Das Gefühlsbarometer schlägt bei uns nach ganz oben aus.

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Der Verein hat sich quasi selbst überholt, viele Bestmarken pulverisiert. Der Umsatz wird nun, auch dank des Jovic-Verkaufs, erstmals die 200-Millionen-Schallmauer durchbrechen. Wo sind die Grenzen?
Wir haben diese Linie gerissen, das stimmt, und zwar aus eigener Kraft, aus den eigenen Erlösen. Das war für uns vor fünf, sechs Jahren unendlich weit weg. Da haben wir zwar auch Europa League gespielt, aber da lagen wir bei einem Umsatz von knapp 100 Millionen Euro. Das ist in fünf Jahren eine Verdopplung. Das ist auf einem gewissen Niveau nicht unüblich, weil es im Fußballgeschäft dank der gestiegenen Medienerlöse eine gewisse Steigerungsrate gab. Andererseits haben wir Vereine, die vor fünf, sechs Jahren ökonomisch vor uns standen, überholt, den Hamburger SV, Werder Bremen, den VfB Stuttgart oder den 1.FC Köln und andere in dieser Gewichtsklasse. Und wir sind jetzt an der nächsten Kategorie dran, nämlich an Borussia Mönchengladbach und Schalke 04, wobei Schalke noch eine ganze Ecke vor uns ist. Aber wir haben den Abstand deutlich reduziert. Das heißt, im Fußball gibt es Durchlässigkeiten, man kann über Schwellen hinübergehen.

Klingt nach einem großen Aber ...
... aber ich spüre, dass wir an einer nahezu gläsernen Decke sind.

Was meinen Sie damit?
Wir haben in diesem Stadion keine Steigerungsmöglichkeiten mehr. Wir sind bei einer Auslastung von 97 Prozent der Zuschauer. Und die drei Prozent, die uns fehlen, die fehlen, weil zum Beispiel die TSG Hoffenheim und selbst Mainz 05 ihr Auswärtskontingent nicht ausschöpfen, also werden wir niemals eine Auslastung von 100 Prozent hinbekommen. Dazu kommt: Wir sind bei unseren Werbemöglichkeiten am Limit.

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„Im Fußball gibt es eben doch Durchlässigkeiten, man kann über Schwellen hinüber gehen“, sagt Axel Hellmann.

Sie könnten die Preise erhöhen.
Könnten wir, klar. Aber das geht nur mit Augenmaß. Von unseren Kunden sind viele dabei, nehmen wir die Mainova oder die Fraport, die uns schon in schlechten Zeiten unterstützt haben. Und dann sagen wir: ,Danke, aber jetzt verdoppeln wir die Preise, weil der Marktwert der Eintracht ein anderer ist.‘ Das wollen wir nicht. Die Bindung zu den regionalen Unternehmen, die Verankerung in der Region ist unser großes Plus, sie ist stärker als bei anderen Klubs. Sie wird uns auch mal durch schwächere Phasen, die im Sport immer mal kommen können, hindurchtragen.

Aber die Eintracht hat sich, auch in der TV-Tabelle, weit nach oben entwickelt. Das ist ja Geld, das man fast zu 100 Prozent in den Kader stecken kann.
Wir haben in der Fernsehtabelle einen Sprung auf den achten Platz gemacht. Die große Frage lautet: Kann es noch viel höher gehen? Ich glaube, da wird jede Verbesserung sehr schwer werden, weil die Konkurrenz vor uns eine ganz andere ist. Ich glaube eher, dass die große Herausforderung sein wird, den achten Platz zu verteidigen. Denn es macht einen Unterschied, ob du Achter oder 13. bist. Das sind elf, zwölf Millionen Unterschied, und zwar mehr oder weniger netto. Das ist Geld, das man eins zu eins in den Kader stecken kann. Haben oder nicht haben.

Wie will die Eintracht also weiter wachsen?
Da sind wir klar beim Sport und seiner Bedeutung für die wirtschaftliche Gesamtstrategie der Eintracht. Ich bin froh, dass es eine konsequente Entwicklungsarbeit gegeben hat. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass wir 2016 mit einer Investitionssumme von 2,7 Millionen Euro in die Saison gegangen sind. Jetzt gehen wir mit einer ungleich höheren Summe an den Start, mal mindestens mit dem Zehnfachen, eher mehr. Das ist eine herausragende Leistung des sportlichen Bereichs.

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Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing hat ja gesagt, die Eintracht könne 28 Millionen für neue Spieler ausgeben – das war bevor Luka Jovic für 70 Millionen Euro verkauft wurde.
Der Aufsichtsratsvorsitzende hat immer Recht (lacht). Nein, im Ernst: Das kann ich so nicht bestätigen, denn es gibt bei uns aktuell gar keine konkreten Investitionsbeschlüsse. Natürlich wird sich die Investitionssumme nun verändern. Aber mir geht es nicht darum, ob wir das Zehn-, 15- oder 20-fache investieren können, sondern einfach um die Frage: Was müssen wir tun, um den Kader so zu verstärken, dass wir unser Ziel, das wir uns vor zwei Jahren gesetzt haben, nämlich dauerhaft unter den Top Ten zu sein, Jahr für Jahr erreichen können?

Trotzdem muss es ja ein gutes Gefühl sein, Vorstand eines steinreichen Vereins zu sein.
Ich möchte mal mit einem Mythos aufräumen. Nehmen wir mal den Transfer Jovic und bleiben wir mal bei der immer wieder mal kolportierten Summe von 60 Millionen Euro, wobei ich damit nicht sage, dass diese Zahl stimmt. Das ist nur ein Beispiel. Von dieser Summe gibt es Abgaben an den vorherigen Verein Benfica Lissabon, Abgaben, die signifikant sind. Dann müssen wir Steuern bezahlen, auch nicht wenig. Man kann also davon ausgehen, dass am Ende unterm Strich in der Kasse von Eintracht Frankfurt nicht mehr als 40, 50 Prozent der Transfersumme bleiben werden – wenn überhaupt. Der Glauben, wir nehmen 60 Millionen ein und können 60 Millionen ausgeben, nein, das ist nicht so. Wir haben signifikante Erlöse, aber wir sind nicht steinreich. Wir müssen sehr klug und mit Augenmaß investieren, ansonsten holt uns die Party in zwei, drei Jahren ein.

Aber wenn Sie jetzt noch Sebastien Haller und Ante Rebic verkaufen, dann klingelt es ja noch mal in der Kasse.
Noch mal: Auch dann würden von diesen Summen 40, 50 Prozent bei uns bleiben.

Spielen die Großprojekte in der Budgetierung des Sportetats eine Rolle, also etwa der Bau des Profi-Campus?
Nein, das finanzieren wir extern, also über Kredite. Damit der sportliche Bereich davon nicht betroffen ist. Es wird also nicht so sein, dass wir 20 Millionen durch einen Transfer einnehmen und das Geld in den Neubau stecken. Das ist separiert. Man darf die sportliche Wettbewerbsfähigkeit nicht einschränken, weil es einen massiven Abfluss in Infrastruktur gibt. Das wird es nicht geben.

Glauben Sie, dass die Büffelherde komplett auseinanderfliegt?
Das kann ich nicht sagen. Momentan gibt es keine Offerten, weder für Ante Rebic noch für Sebastien Haller. Aber ich habe auch gelernt, dass das Fenster erst im August so richtig aufgeht, dann, wenn Bewegung in den Markt kommt. Ich kann nur das wiederholen, was Fredi Bobic sagte: Wenn internationale Topklubs anklopfen, wirst du alleine schon wegen der Gehaltsgrößen, die den Spielern angeboten werden, in die Situation kommen, dass wir nicht werden mitgehen können.

Das heißt also, dass man einen Spieler dann nicht halten kann, selbst wenn er einen gültigen Vertrag hat.
Ich denke, das ist ab einer gewissen Gewichtsklasse des anfragenden Klubs sehr schwer.

Andere Klubs wissen ja jetzt auch, dass die Eintracht ein potenter Klub geworden ist. Das heißt ja auch, dass die Spieler für die Eintracht teurer werden.
Es ist davon auszugehen, dass alle darauf spekulieren, dass wir erheblich beweglicher werden. Aber ich denke, da wird sich der eine oder andere verspekulieren.

Aber wenn jetzt der Augsburger Manager Stefan Reuter 15 Millionen für einen Verteidiger wie Martin Hinteregger aufruft, dann stecken Sie doch genau in diesem Dilemma.
Glauben Sie mir, das Thema ist bei meinem Kollegen Fredi Bobic in guten Händen. Der ist Schwabe. Da bekommt man nichts geschenkt. Wir sind uns im Vorstand und Aufsichtsrat absolut einig, dass wir nichts Unvernünftiges tun werden, weil uns das Thema sonst in den Folgejahren einholen würde, insbesondere dann, wenn man sportlich mal nicht erfolgreich ist. Wir werden garantiert nicht den Fehler machen und uns in die Abhängigkeit begeben, in jedem Jahr auf Teufel komm raus international spielen zu müssen, allein um ein ausgeglichenes Bilanzbild zu erhalten.

Zur Person

Axel Hellmann, 47, kennt Eintracht Frankfurt aus dem Effeff, seit 1974 ist er Mitglied, sein erstes Spiel im Waldstadion sah er 1979, ein Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Schon als kleiner Junge stand er in der Fankurve, der G-Block war sozusagen seine zweite Heimat. Der Jurist, Vater zweier Jungs, hat in seinem Herzensverein auch Karriere gemacht, seit 2001 gehörte er dem Präsidium am Riederwald an, ab 2003 saß er im Aufsichtsrat der Fußball AG, im Juni 2012 rückte er in den Vorstand auf.

Der Marketingvorstand, auch für das sensible Thema Fans zuständig, ist der Stratege im Hintergrund, bei dem viele Fäden zusammenlaufen. Der Hobbyfußballer, Linksfuß, schiebt Projekte an, denkt und plant langfristig.Für die FR nahm er sich fast zwei Stunden Zeit. dur

Wird die Fallhöhe immer höher?
Mit einem gestiegenen Gehaltsniveau besteht die Gefahr, in eine Spirale zu kommen, sodass man zum Erfolg verdammt ist. Und wenn man in einer solchen Situation erst einmal ist, dann besteht die nächste Gefahr, dass die Entscheidungen irrationaler werden. In diese Falle dürfen und werden wir nicht tappen. Wir müssen mit Augenmaß wachsen. Und möglicherweise auch mal eine Sache liegenlassen, wenn man nicht davon überzeugt ist, dass es ökonomisch sinnvoll ist, selbst wenn sie sportlich total attraktiv ist. Ich will einfach, dass die Menschen wissen, dass für uns eine andere Zeit begonnen hat, in der wir Chancen und Risiken noch genauer gegeneinander abwägen müssen. Das ist insbesondere das Handlungsfeld von unserem Finanzvorstand Oliver Frankenbach und Philip Holzer, dem Vorsitzenden des Finanz- und Prüfungsausschusses.

Gibt es eine Schmerzgrenze für die Spieler, also es könnte ja sein, dass auch noch Filip Kostic, Danny da Costa und Evan Ndicka weggekauft werden.
Dann habe wir die Kasse voll, machen den Laden zu und setzen uns ab in die Karibik (lacht). Spaß beiseite: Diese Frage müssen sie an die Sportliche Leitung adressieren. Ich bin mir sicher, dass es in der neues Saison wieder ein sehr gutes Gerüst geben wird.

Also werden in der neuen Spielzeit wieder die internationalen Plätze angegriffen?
Wir haben uns dauerhaft die Top Ten zum Ziel gesetzt. Man kann auch mal Elfter oder Zwölfter werden, aber eben auch Sechster oder Siebter. Aber wir können nicht einfach mal die europäischen Plätze als klares Ziel raushauen. So weit sind wir noch nicht. Aber wer Adi Hütter und Fredi Bobic kennt, der weiß, wie groß ihre Ambitionen sind. Was man intern anstrebt und was nach draußen als fixes Ziel verkündet wird, muss ja nicht ein und dasselbe sein. Da sollte man aber erst abwarten, wie das Team am Ende der Transferperiode aussieht. 

Können Sie garantieren, dass die Eintracht, selbst beim Abgang aller drei Topstürmer, über eine gute Mannschaft verfügen wird?
Ich bin mir zumindest sicher, dass sich der Wert der Mannschaft nicht verschlechtert. Schauen Sie, in dem Jahr, als uns nur 2,7 Millionen zur Verfügung standen, wurde wahnsinnig viel über Leihspieler abgebildet. Wir sind jetzt in der Lage, Spieler zu holen, die uns auch gehören. Das ist strukturell ein riesiger Unterschied. Für die Gesamtstrategie der Eintracht sind wir damit jetzt drei Schritte weiter als noch vor zwei, drei Jahren, auch wenn Leihgeschäfte für uns immer interessant bleiben.

Das sind die ersten Begegnungen im DFB-Pokal.

Nach solch einer guten Saison ist die Erwartungshaltung bei den Fans enorm gewachsen. Wie wollen Sie das noch toppen?
Ich glaube, die Menschen in Frankfurt wissen schon, dass dies eine außergewöhnliche Saison war – vom Pokalsieg bis zum Halbfinale. Ich glaube nicht, dass draußen die Erwartung vorherrscht, dass wir wieder ins Halbfinale der Euro League stürmen. Meines Erachtens macht sich die Erwartungshaltung eher an der Art des Fußballs fest, den wir spielen, nämlich wieder aggressiven Offensivfußball. Da spricht auch nichts dagegen. Den Menschen hier ist doch jahrelang beigebracht worden, wie schwierig die Bundesliga ist und noch schwieriger, ins internationale Geschäft zu gelangen. Von dieser Erziehungsmaßnahme profitieren wir heute. Keiner sagt: Jetzt müsst ihr in die Champions League.

Setzen Sie weiter auf Spielerverkäufe als Geschäftsmodell oder kann es eine Zusammenarbeit mit einem Investor geben?
Unsere Politik ist: Wir wollen uns nicht abhängig machen von einem Investor, nicht von einem Vermarkter und nicht von einem Sponsor. Das haben wir strategisch entschieden. Wir wollen uns so breit aufstellen, dass dieser Klub unabhängig ist in seinen Entscheidungen. Das geht aber nur, wenn wir Spieler auf einem hohen Niveau in den Markt geben. Wir haben jetzt den Sprung unter die Top Ten geschafft, zweimal das Pokalfinale erreicht und waren im Halbfinale der Europa League, das war ein sehr großer Schritt. Der nächste Schritt kann nur über eine weitere Werteentwicklung im sportlichen Bereich funktionieren.

Also so wie im Falle Luka Jovic, der für 70 Millionen an Real Madrid veräußert wurde.
Das ist für uns ein Superdeal. Schauen Sie, für wie viel wir den Spieler geholt haben und für wie viel wir ihn in den Markt geben. Das ist praktisch eine Verzehnfachung in zwei Jahren. Ich kann nur sagen: Wir sind im Scouting, das auf Werteentwicklung angelegt ist, hervorragend aufgestellt. Der Eigentümer des FC Liverpool hat über Jürgen Klopp gesagt, er sei total happy mit Klopp, denn er habe den Unternehmenswert verdoppelt. Er hat nicht gesagt: ,Wir spielen eine sehr gute Rolle in der Liga und haben die Champions League gewonnen.‘ Auf die Eintracht heruntergebrochen heißt das: Die Sportliche Leitung hat durch ihre Arbeit den Unternehmenswert der Eintracht wahrscheinlich auch verdoppelt.

Diese Entwicklung ist deshalb erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Sie vor drei Jahren mit einem fertigen Konzept für die zweite Liga zum Relegationsspiel nach Nürnberg gefahren sind.
Wir waren auf einen Abstiegsfall vorbereitet. Zwischen der Saison 2015/16 und der 2018/19 liegen Welten. Ich muss aber auch sagen: Wir hatten sehr viel an Wachstumskonzepten damals schon in der Schublade. Der Nahtod des Abstiegs ist immer ein bremsendes Element. Der ganze Betrieb ist auf den Überlebenskampf fokussiert. Und nach dem Befreiungsschlag haben wir dann die Sachen aus der Schublade geholt, in allen Bereichen Vollgas gegeben und den schlafenden Riesen Eintracht geweckt. Wenn sportlicher Erfolg mit guten Konzepten zusammentrifft, dann kriegst du richtig Rückenwind.

Machen Ihnen die neuen europäischen Reformpläne Sorgen?
Ja, das macht mir große Sorge. Bislang ist der gesamte europäische Fußball auf den Erfolgen des nationalen Klubfußballs aufgebaut. Und die Qualifikation über die Platzierung in den nationalen Ligen hat den Reiz ausgemacht, es gab immer die Möglichkeit, dass auch Außenseiter, etwa Ajax Amsterdam aktuell oder auch wir, europäisch für Furore sorgen konnten. Wenn man in Zukunft die europäischen Ligen zu einem geschlossenen Zirkel macht und man sich als Meister oder Zweiter nicht mehr qualifizieren kann, weil die Teilnahmeplätze bereits belegt sind, dann entwertet das die nationalen Ligen. Deswegen sind wir in der Bundesliga entschiedene Gegner dieser Reform. Ich sehe eine recht geschlossene Front der deutschen und englischen Klubs. Trotzdem verstehe ich die Notwendigkeit einer Reform, denn die „Kleinen“ haben ein Recht, europäisch zu wachsen. Von daher begrüße ich auch die Einführung der UEL2 ab 2021.

Abschließend: Zurzeit läuft gerade die Frauen-WM. Wie ist der Stand bei den Plänen zur Eingliederung des FFC Frankfurt unters Dach der Eintracht?
Aus sportlichen und gesellschaftspolitischen Gründen kann ich sagen, dass Profi-Frauenfußball sehr gut zu Eintracht Frankfurt passen würde. Es spricht daher vieles dafür, dass wir in Zukunft gemeinsame Wege gehen werden. Ich denke, wir werden uns zu dem Thema zeitnah öffentlich erklären.

Und dann in der Frauenbundesliga an den Start gehen?
Ja. Wenn es so kommen würde, würde Eintracht Frankfurt die Spiellizenz des 1.FFC ab Sommer 2020 übernehmen.

Interview: Ingo Durstewitz, Thomas Kilchenstein und Jörg Hanau

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