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Volltreffer: Makoto Hasebe wird von Torwart Kevin Trapp bei einer Abwerhaktion in Mitleidenschaft gezogen.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt: Voll im Soll, aber in Europa unter Druck

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Eintracht Frankfurt hat alle wichtigen Spiele gewonnen, sucht aber nach seiner Balance. Hasebe erleidet eine Gehirnerschütterung und fehlt in Portugal.

Für die Sportliche Leitung der Frankfurter Eintracht hatte die freitägliche Bundesligabegegnung an der Alten Försterei eine hohe Wertigkeit. Die Verantwortlichen verorteten das Duell beim eisernen Aufsteiger aus Berlin als Knackpunktspiel, als Richtungsweiser. Adi Hütter hat diesen Druck ganz bewusst aufgebaut und ihn genau so an seine Mannschaft weitergegeben. „Der Trainer hat gesagt, wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir auswärts gewinnen“, befand Verteidiger Almamy Touré. Und ergänzte: „Das haben wir gemacht.“

Der 2:1 (0:0)-Erfolg der Eintracht bei Union hat für eine gewisse Erleichterung im Frankfurter Lager gesorgt, zum einen, weil diese nervende Serie von sieglosen Spielen in der Fremde (letzter Dreier am 6. April, 2:1 auf Schalke) endete. Zum anderen aber, sehr viel wichtiger, weil die Eintracht somit den Anschluss nach oben hielt. Sie liegt zwar weiterhin auf Rang neun, im Mittelfeld, doch mit zehn Punkten ist sie im Soll und hat die internationalen Plätze in Sichtweite, sie liegt auf der Lauer.

Eintracht Frankfurt geht offensiv mit ihren Zielen um

Natürlich wäre auch im Falle einer Niederlage noch alles drin gewesen, die Saison hat erst begonnen und es stehen noch 28 Begegnungen aus, doch die Verbindung zur Spitze wäre erst einmal abgerissen. Dass Coach Hütter und auch Sportdirektor Bruno Hübner („Wer Ambitionen hat, vorne mitzuspielen, der muss hier gewinnen“) so offensiv mit ihren Zielen umgehen, zeigt auch die gestiegene Erwartungshaltung, die nicht nur von außen geschürt wird – auch intern sind die Ansprüche gewachsen, was ja nichts Schlimmes oder Verwerfliches ist. Vorstand Axel Hellmann hatte schon vor einigen Wochen entsprechende Schwingungen und diesen extremen Erfolgshunger wahrgenommen: „Wer Adi Hütter und Fredi Bobic kennt, der weiß, wie groß ihre Ambitionen sind. Was man intern anstrebt und was nach draußen als fixes Ziel verkündet wird, muss ja nicht ein und dasselbe sein.“ Offizielles Saisonziel ist eine Platzierung in den Top Ten. Inoffiziell dürfte es eine weitere Spielzeit mit internationalem Anstrich sein.

Davon sind die Hessen weit entfernt, allein bis zur Winterpause stehen noch satte 17 Pflichtspiele aus, aber der Sieg in Berlin war ein guter Einstieg in die Englische Woche, die sie am Donnerstag in der Europa League nach Portugal zu Vitoria Guimaraes führt. Anschließend, am Sonntag, kommt Werder Bremen in den Stadtwald. Auch das sind wegweisende Partien, in der Bundesliga wollen die Frankfurter den Anschluss zu den Topklubs möglichst verkürzen und in der Europa League die Scharte gegen Arsenal London, dieses 0:3, ausmerzen.

In Guimaraes, vor den Toren Portos gelegen, steht die Eintracht schon unter Druck, weil sie nach der Auftaktniederlage dringend punkten muss, um ihre Ambitionen auf das Sechzehntelfinale aufrecht zu erhalten. Die Portugiesen gelten als schwächster Gegner in der Gruppe, haben das erste Europapokalspiel bei Standard Lüttich mit 0:2 verloren. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die Frankfurter mit den Belgiern einen Zweikampf um den zweiten Platz in der Gruppe leisten werden. Lüttich mischt in der belgischen Liga ganz vorne mit.

Eintracht Frankfurt: Die Bilanz ist in Ordnung

Die Eintracht wird sich in Guimaraes keinen Ausrutscher leisten können. „Das wird ein schwieriges Spiel“, warnt Trainer Hütter, der die Begegnung auch deshalb als „ein bisschen besonders“ einstuft, „weil wir viele Spieler mit portugiesischer Vergangenheit haben“. André Silva und Goncalo Paciencia stammen aus Portugal, Gelson Fernandes und Dost haben beide in Lissabon bei Sporting gespielt. „Das ist etwas ganz Besonderes, das Spiel ist der Nähe meiner Geburtstätte“, sagt Silva voller Vorfreude. Der Stürmer hatte, genauso wie Partner Bas Dost, gegen Berlin entscheidenden Anteil am Erfolg und einen Treffer beigesteuert (siehe nebenstehenden Artikel).

Die Eintracht kann mit ihrem bisherigen Abschneiden zufrieden sein, die Bilanz ist in Ordnung, die Mannschaft hat alle kurzfristigen Ziele (Weiterkommen im Pokal, Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League, Tuchfühlung zur Spitzengruppe in der Bundesliga) erreicht – und sie hat die Partien, die sie unbedingt gewinnen musste, für sich entschieden, im Pokal in Mannheim etwa, gegen Straßburg in den Europa-League-Playoffs oder die drei Bundesligaspiele gegen Hoffenheim, Düsseldorf und jetzt in Berlin. Auch das Remis gegen Borussia Dortmund fühlte sich wie ein Sieg an, der Rückenwind gab.

Doch augenscheinlich ist auch, dass die Mannschaft noch nicht die richtige Balance gefunden hat. Die spielerische Qualität soll im Vergleich zur abgelaufenen Saison angehoben und auf Langholz weitgehend verzichtet werden. Doch dieses Ansinnen ist nicht so leicht in die Praxis zu transportieren. Die Passgenauigkeit hat sich zwar verbessert, aber mit 80 Prozent liegt das Team dennoch im hinteren Drittel der Liga. In der zurückliegenden Saison lag sie auf diesem Sektor auf Rang 18, doch damals waren die langen Schläge auf Zielspieler Sebastien Haller auch ihr Stilmittel. „Wir sind noch nicht so eingespielt“, sagt der Schweizer Neuzugang Djibril Sow, der immer besser ins Rollen kommt.

Eintracht Frankfurt muss auf Makoto Hasebe verzichten

Landsmann Gelson Fernandes ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Eintracht auf diesem Weg noch nicht so furchtbar weit ist, denn seit der Routinier wieder im Mittelfeld zerstören darf, ist eine gewisse Kompaktheit und Galligkeit ins Spiel zurückgekehrt. Das geht zulasten der spielerischen Klasse und der modifizierten Philosophie. Dennoch ist es richtig von Hütter, Fernandes wieder eingebaut zu haben.

Der Sieg in der Alten Försterei ist allerdings teuer bezahlt worden: Makoto Hasebe, überragender Mann bei Eintracht Frankfurt und Stabilisator der Hintermannschaft, wird den Frankfurtern in den nächsten beiden Spielen sehr wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen. Der Japaner hat bei einem spektakulären Zusammenprall mit Torwart Kevin Trapp in der allerletzten Aktion eine Gehirnerschütterung erlitten. Kurzzeitig hatte Hasebe auch das Bewusstsein verloren. Der 35-Jährige wird eine Woche ausfallen, also die Partie in Portugal in jedem Fall verpassen, voraussichtlich das Bundesligaspiel am kommenden Sonntag gegen Werder Bremen ebenfalls. Torwart Kevin Trapp hat sich in dieser Szene eine Schulterblessur zugezogen, und wird heute mit dem Training aussetzen. Sein Einsatz am Donnerstag in Portugal, wo der nächster Dreier in der Fremde fast schon Pflicht ist, scheint zumindest nicht ausgeschlossen.

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