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Für die Eintracht an der Konsole: Maik „Sn0wGoogles“ Kubitzki (l.) und Marko „Makibest“ Mihaljevic.

E-Sports

„Jovic kann aus jeder Situation ein Tor machen“

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Marko Mihaljevic und Maik Kubitzki vertreten Eintracht Frankfurt in der Virtuellen Bundesliga in der Fußballsimulation Fifa 19. 

Als endlich der Abpfiff ertönte, der 1:0-Vorsprung über die Zeit gerettet war, schnaufte Maik Kubitzki einmal tief durch. „Da fällt mir jetzt richtig ein Stein vom Herzen“, sagte der 18-Jährige, stand von seinem schwarz-weißen Stuhl auf, legte den Controller seiner Xbox auf den Tisch und klatschte sich mit Marko Mihaljevic ab. „Das war so wichtig. Ich habe selten so gezittert.“ Kubitzki hatte am Mittwochnachmittag das erste Spiel in der Fußballsimulation Fifa19 in der Virtuellen Bundesliga (VBL) Klubmeisterschaft für Eintracht Frankfurt im Duell gegen den Wolfsburger Benedikt Saltzer gewonnen. Dank A-Jugendspieler Mischa Häuser, der mit einem strammen Linksschuss das Tor des Nachmittages erzielte und bei Kubitzki immer in der Startelf steht.

Der weitere Abend lief dann zwar rein von den Ergebnissen nicht mehr so erfolgreich für die beiden E-Sportler von Eintracht Frankfurt. Das zweite Einzelspiel gegen den VfL Wolfsburg ging genauso verloren wie das Duell im Zwei-gegen-Zwei. Aber das wichtigste war, dass Mihaljevic zwei Stunden später gegen den 1. FC Nürnberg gleich das erste Spiel auf der Playstation 4 gewinnen konnte und somit die Playoffteilnahme endgültig sicherte. Da taten die beiden anschließenden Pleiten am letzten Spieltag gegen den Club auch nicht mehr so weh. Denn als 16. der 22 Teams umfassenden Liga spielen die beiden Eintrachtler am 23. und 24. März in Dortmund um den Einzug in das große VBL-Finale der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

„Die Playoffs waren von Anfang unser Ziel“, sagt Maik Kubitzki, dessen Nickname „Sn0wgoogles“ (Schneebrille) ist. Marko Mihaljevic nennt sich „Makibest“ wenn er die virtuellen Adlerträger über die Wiese jagt. In dem besonderen Modus der VBL haben alle Spieler eine Gesamtstärke von 85, und es kommt vor allem auf die einzelnen Fähigkeiten an. Im Sturmzentrum ist bei beiden Luka Jovic gesetzt. „Er ist beidfüßig und kann aus jeder Situation ein Tor machen“, sagt Mihaljevic. Kubitzki setzt in seiner ersten Elf zudem auf die Nachwuchstalente Nelson Mandela Mbouhom und Häuser. „Häuser ist als Flügelspieler beweglicher als die anderen Spieler und hat einen guten Schuss“, erklärt Kubitzki, der den Youngster als Spielmacher aufstellt.

Führen an den Spieltagen Regie: Leonie Hein (links) und Jenny Klima.

Die Eintracht ist im Januar so richtig in das Thema E-Sports eingestiegen, ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der AG und dem eingetragenen Verein. Dafür ist ein Breitensportkonzept erarbeitet worden, das demnächst in größerem Rahmen vorgestellt wird. „Wir wollen eine Akademie aufbauen“, sagt Timm Jäger, Referent des Vorstands. Interessierte können dann ab Sommer dieses Jahres Mitglied bei der Eintracht werden, um sich in Fifa und dem Strategiespiel League of Legends (LoL), das mit fünf Spielern gespielt werden muss, trainieren zu lassen. Dafür werden professionelle Trainer engagiert. Die Themen Prävention und physischer Sport sollen aber nicht zu kurz kommen und das Ganze wissenschaftlich begleitet werden. „Wir wollen von der Breite in die Spitze“, sagt Jäger.

Ein etwas anderer Ansatz, als ihn zum Beispiel Schalke 04 verfolgt, das ein reines LoL-Profiteam hat. Der Spaß steht bei der Eintracht im Vordergrund, aber Talente sollen auch gefördert werden, um irgendwann vielleicht damit Geld zu verdienen. Ein sehr lukratives Geschäft. Bei der vergangenen LoL-Weltmeisterschaft bekam das Siegerteam Invictus Gaming ein Preisgeld von 2,4 Millionen Dollar. Richtig gute Fifa-Spieler können sechsstellige Summen verdienen.

Die Eintracht hat das Thema E-Sports im vergangenen Jahr für sich entdeckt. Bei der E-Adler-Challenge wurden zwei Wildcards für das VBL-Finale ausgespielt und das Potenzial erkannt. „E-Sports spielt eine entscheidende Rolle in der digitalen Strategie von Eintracht Frankfurt“, sagt Marketingvorstand Axel Hellmann. Das verbessere zum einen den Zugang zu den Sponsoren und zu einer „hochattraktiven Zielgruppe“. Es geht um die weitere Profilierung der Marke Eintracht Frankfurt, das Gewinnen von neuen Fans und natürlich am Ende des Tages auch um Profit in einem wachsenden Markt. Vergangenes Jahr wurden 723 Millionen Euro im E-Sports umgesetzt. 2022 sollen es schon 1,4 Milliarden Euro sein.

Als erster Schritt wurde Maximilian Brömel als E-Sports-Koordinator bei der Eintracht eingestellt. Er war es auch, der Kubitzki und Mihaljevic engagierte. „Es gab für die Auswahl unserer beiden diesjährigen VBL-Spieler drei Kriterien: Sie müssen Fans von Eintracht Frankfurt sein, aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen und dürfen nicht bei einer Agentur unter Vertrag stehen“, erklärt Jäger. Kubitzki, 18 Jahre alt aus Klein-Gerau und Mihaljevic, 21 aus Frankfurt erfüllten sie. Kubitzki schaffte es bereits im vergangenen Jahr als Newcomer ins Finalturnier der VBL Mihaljevic war bei der E-Adler-Challenge im Halbfinale ausgeschieden. Beide treten ehrenamtlich in schicken schwarzen Trainingsanzügen für die Eintracht an.

Immer in der Startelf: Luka Jovic als Fifa-Spielkarte.

Am Riederwald wurde für die E-Sportler eigens ein Raum im Erdgeschoss professionell hergerichtet. Ein großes Eintracht-Logo ziert die Wand, in der Mitte stehen zwei Bildschirme samt der Konsolen. In der anderen Ecke stehen weitere Monitore, an denen Regie geführt wird. Die Partien werden im Live-Streaming-Videoportal Twitch übertragen, die sozialen Netzwerke müssen bedient werden, bei technischen Problemen muss die VBL kontaktiert werden, und Gesichtskamera sowie Werbetafel haben stets richtig im Bild sein. Während vor und nach den Spielen viel geflachst wird, ist es - anders als im Stadion - während der Partien mucksmäuschenstill, um die beiden E-Sportler nicht aus der Ruhe zu bringen.

„Vor der Saison haben wir relativ viel trainiert“, berichtet Kubitzki. Im Laufe der Saison sei das Zusammenspiel aber immer wackeliger geworden, weil zwischen Schule bei Kubitzki und Studium bei Mihaljevic keine Zeit bleibt, sich außerhalb der Mittwochsspieltage zu treffen. Bei anderen Bundesligisten wie Wolfsburg, Leipzig, Schalke oder Bremen sind die Spieler hauptberuflich E-Sportler und können sich ganz anders einspielen. Hauptberuflich an der Konsole zu sitzen, können sich auch Kubitzki und Mihaljevic vorstellen, sie wissen aber auch, wie schwierig es ist. Kubitzki steht aktuell auf Rang 93 der Weltrangliste, Mihaljevic wurde vor einem Monat erstmals gelistet und steht auf Platz 1300.

Unabhängig davon, wie die beiden E-Sportler in den Playoffs abschneiden, sind sie fest als Trainer in der neuen Akademie eingeplant. Zunächst am Standort Riederwald, sollte der Platz nicht ausreichen, wäre auch die Anmietung von Räumen woanders denkbar. Von den Profis hat indes noch keiner den Weg und die Zeit gefunden, um sich mit Kubitzki und Mihaljevic an der Konsole zu messen. Auch Ersatzkeeper Jan Zimmermann, nicht, der sogar als dritter Spieler für die VBL gemeldet ist. In einer Woche in Dortmund müssen Kubitzki und Mihaljevic die Eintracht also ganz alleine ins Finale führen.

Virtual Bundesliga

Die Virtuelle Bundesliga ist ein Wettbewerb der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Kooperation mit Fifa-Hersteller Electronic Arts. Gespielt wird auf der Xbox und auf der Playstation 4 – zwei Einzelspiele und ein Spiel im Modus Zwei-gegen-Zwei auf der Konsole, die sich die Heimmannschaft aussuchen darf. Alle Spielfiguren haben dieselbe Spielstärke von 85, um Chancengleichheit zu gewährleisten.

22 E-Sport-Teams aus der ersten und zweiten Bundesliga haben teilgenommen. Auffällig: Der FC Bayern München und Borussia Dortmund waren nicht dabei. Die Top Sechs der VBL Klubmeisterschaft haben ihr Ticket für das VBL Grand Final im Mai gelöst. Werder Bremen wurde mit zehn Punkten Vorsprung Erster. Die Plätze sieben bis 16 müssen in eine Playoffrunde (23. und 24. März), über die sie sich ebenfalls für das Finale qualifizieren können. Die Eintracht hat es als Tabellen-16. gerade so geschafft. 

Weitere Informationen unter: www.virtual.bundesliga.com. Die Spiele der Eintracht werden auf www.twitch.tv/eintrachtfrankfurtesports übertragen. (FR)

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