1,87 Meter Entschlossenheit: Ragnar Ache.
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1,87 Meter Entschlossenheit: Ragnar Ache.

Ragnar Ache

Eintracht Frankfurt: Neuzugang soll etablierten Stürmern Druck machen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der Frankfurter Neuzugang Ragnar Prince Ache soll den etablierten Eintracht-Angreifern Druck machen.

Wenn es um die Entdeckungsgeschichten von begabten Fußballern geht, dann sonnen sich ja einige Menschen ganz gerne mal im Ruhm des Spielers. Der ehemalige B-Jugendtrainer zum Beispiel, oder der Jugendleiter eines Vereins, später sicher auch der Berater, und so weiter und so fort. Im Falle von Ragnar Ache, dem bisher einzig fixen Sommerneuzugang von Bundesligist Eintracht Frankfurt, ist jene Geschichte von der Entdeckung eine andere, eine charmantere. Es ist die Geschichte einer Kindergärtnerin und eines Vierjährigen, der schon damals, vor siebzehn Jahren, nur eines im Kopf hatte: das Kicken.

Ragnar Ache, geboren in Frankfurt, mittlerweile 21 Jahre alt, lebte seinerzeit mit seiner Familie in Neu-Isenburg, gerade mal zehn Autominuten entfernt vom baldigen Arbeitsplatz, der Arena im Stadtwald. Er besuchte den Kindergarten, in dem Anette Feyand-Gulin als Erzieherin arbeitete. Gleichzeitig war sie beim größten Verein der Stadt, der Spielvereinigung 03 Neu-Isenburg, Trainerin der Bambinis, der Allerkleinsten also. Und so kam es, dass Anette Feyand-Gulin den rumbolzenden Ragnar mit zum Vereinstraining nahm. Er blieb fast sieben Jahre. Unter anderem coachte auch Milan Gulin, Ehemann der Erzieherin, den heranwachsenden Ragnar für ein paar Jahre. Seine Erinnerung: „Ein Riesen-Fußballer. Er war damals schon sehr auffällig.“

Auffällig, ein Wort, das auch heute noch auf Ragnar Ache zutrifft. Zum einen wegen dessen Erscheinungsbild. Der Angreifer, dessen Dienste sich Eintracht Frankfurt schon im vergangenen Januar für nicht ganz zwei Millionen Euro Ablöse sicherte, ist hoch aufgeschossen, 1,87 Meter, der Oberkörper muskulös, bullig. „Schnell, stark und ich kann hoch springen“, so beschreibt sich der deutsche U-21-Nationalspieler, der im vergangenen November bei seinem bisher einzigen Spiel im DFB-Dress prompt ein Tor erzielte, selbst. In der Liga kam er vergangene Saison für Rotterdam 19 Mal zum Einsatz, erzielte fünf Tore und bereitete drei weitere vor. In diesem Jahr kam er aufgrund einer Oberschenkelblessur und der in Holland abgebrochenen Saison nur einmal zum Einsatz.

Tanzender Spaßvogel

Zum anderen ist da aber noch das Auftreten Aches: Ein echter Spaßvogel sei er, berichten die ehemaligen Sparta-Kollegen. Jemand, der zwar bei öffentlichen Auftritten recht einsilbig spricht, schüchtern wirkt, der in der Kabine aber auftaut, ganz gerne mal Tänzchen vor versammelter Mannschaft aufführt und diese dann ins Internet stellt.

„The Prince ist back“, nicht etwa der große Kevin-Prince Boateng, nur der kleine Ragnar Prince Ache, wie dessen vollständiger Name lautet. In einem vierminütigem Video mit eben genanntem Titel wurde Aches Rückkehr nach Frankfurt just in dieser Woche in den Sozialen Netzwerken von dessen Berater Godwin Falix inszeniert. Einem selbstbewussten Mann, der – und da wären wir wieder beim Anfang – es offenbar schon immer gewusst hat. „Ich habe Ragnar mit 15 Jahren das erste Mal gesehen und ich dachte mir: Das ist beispiellos. Die Leute haben mir gesagt, dass da bei ihm viel fehle. Er habe keinen guten ersten Ballkontakt, keine Finten, keine Tricks. Aber ich habe ihnen gesagt, dass er ein europäischer Starspieler wird.“

Nun gut, ganz so weit fortgeschritten ist Ragnar Ache in seiner Entwicklung nicht, ordentliche Anlagen aber bringt er mit. 2009, mit zehn Jahren, zog Ache mit Mutter und Schwester aus dem Hessenland nach Rotterdam, weil die Mutter einen Niederländer als neuen Lebensgefährten hatte. Ache durchlief die komplette Jugend von Sparta Rotterdam und bekam 2016 einen Profivertrag angeboten. 2018 stieg er mit Rotterdam in die zweite Liga ab, schaffte aber in der darauffolgenden Saison den direkten Wiederaufstieg – und wurde in der abgelaufenen Runde zur Stammkraft.

Die Eintracht stattete ihren Neuen nun mit einem Fünfjahreskontrakt aus. „Ich habe hier gewohnt, elf Jahre lang, und habe immer die Eintracht geguckt“, so Ache, auch ein gemeinsame Foto mit Eintracht-Ikone Alex Meier hat er noch, das Engagement bei den Hessen bezeichnet Ache daher als „Traum“. Bereits vor Zustandekommen des Wechsels hatte er sich in Interviews öffentlich positioniert und die Rückkehr in seine Geburtsstadt als Wunschziel genannt. So war es nicht mehr überraschend, dass sich die Eintracht gegen andere Interessenten wie den VfB Stuttgart oder den FC Turin behauptete.

Freilich muss Ache erst noch beweisen, ob er den Sprung von der Eredivisie in die qualitativ stärkere Bundesliga packen kann. Zumal die Angriffskollegen André Silva, Bas Dost und Goncalo Paciencia gewiss nicht freiwillig auf Einsatzzeiten verzichten werden. Ragnar Ache aber bringt im Gegensatz zu den neuen Kameraden mehr Schnelligkeit auf den Rasen, sein größtes Faustpfand im internen Vierkampf. „Ich muss mich erst an den Bundesligafußball gewöhnen“, sagt Ache, der sich in der spielfreien Zeit mit vielen Waldläufen und Sonderschichten unter Aufsicht seines Beraters Godwin Falix – zum Beispiel Kickboxen – fit hielt. In dieser Woche brachte er schließlich den obligatorischen Laktattest bei der Eintracht erfolgreich hinter sich.

Anette Feyand-Gulin und Milan Gulin, Godwin Falix, zuletzt auch die Kaderverantwortlichen der Eintracht – die Entdeckerliste von Ragnar Ache wird länger. Und zu guter Letzt sollte auch die Frau Mama nicht vergessen werden: „Schon als wir früher auf dem Spielplatz waren, hat er mir gesagt, dass er Fußballer werden will. Ich selbst dachte nur: Wie schön es doch ist, dass mein kleiner Junge Träume hat. Ich bin sehr stolz auf ihn.“

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