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Gefahr bloß fürs Außennetz - der oft gerühmte Frankfurter Sturm bringt den Ball nicht in Gulascis Kasten.

Torquote Eintracht-Sturm

Pomadiger Paradesturm

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Die Frankfurter Eintracht bleibt in Leipzig erst zum vierten Mal in dieser Saison ohne eigenen Torerfolg.

Es hat in 29 Pflichtspielen von Eintracht Frankfurt in dieser Saison genau vier Begegnungen gegeben, in denen die hessischen Profis ohne eigenen Torerfolg geblieben waren. Es waren die beiden Spiele in Supercup (0:5) und Liga (0:3) gegen den FC Bayern München sowie die Begegnungen in Berlin (0:1) und jetzt in Leipzig (0:0). In der Regel sind Frankfurter Tore garantiert, einer der drei da vorne schießt immer mal einen Ball rein, in der Bundesliga ist das Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller bislang in 32 Fällen gelungen, 40 Tore hat die Eintracht insgesamt gemacht. Ein 0:0 ist angesichts dieser Zahlen ein äußerst ungewöhnliches Ergebnis.

In Leipzig war der so oft gerühmte Sturm eine Enttäuschung. Gerade Rebic und Jovic missriet einiges, dazu zeigten sie eine Körpersprache, die zuweilen an Lustlosigkeit zu erinnern schien, sie standen viel, gingen Bällen nicht wirklich nach, waren komplett ungefährlich. Auch Haller wirkte schlapp, überspielt, er versuchte es aber wenigstens ab und an. Einen Torschuss gab er nicht ab, seine beste Szene hatte Haller unmittelbar vor dem Ende, als er Mijat Gacinovic perfekt bediente.

Fast hatte es den Eindruck, den drei Angreifern seien die Lobeshymnen der letzten Wochen ein bisschen zu Kopf gestiegen. Es war ja auch zu heftig, einerlei, welche Sportsendung man auch schaute, welche Nachrichten man auch las, überall waren die „Frankfurter Büffel“ ein Thema. Dazu kursierten die wildesten Gerüchte über mögliche Wechsel zu den besten Klubs Europas, es wurde mit Zahlen fast jenseits aller Vorstellungskraft jongliert. Dass das an jungen Fußballspielern, und Luka Jovic zum Beispiel ist gerade 21 Jahre alt geworden, nicht spurlos vorbeistreicht, ist nur allzu menschlich.

Anderseits hat auch Trainer Adi Hütter bemerkt, dass in dieser Begegnung etwas nicht stimmte mit seinen drei Ausnahmeathleten. „Es hat mir auch nicht super gefallen, wie sie sich verhalten haben“, deckelte Hütter seinen Paradesturm leicht, um ihn dann sogleich zu verteidigen: Allerdings stellten sich die Gegner mittlerweile auch immer besser auf das Trio ein, gerade RB Leipzig hätte sehr bissig und aggressiv verteidigt. Der Leipziger Trainer Ralf Rangnick hatte eigens seine Abwehr umgestellt von einer Vierer- auf eine Dreierkette mit Willi Orban. Nordi Mukiele und Stefan Ilsanker. Und diese Maßnahme entfaltete alsbald seine Wirkung. Die Frankfurter Stürmer schienen abgeschnitten, nahmen kaum am Spiel teil. Leipzig, das nur nebenbei, hat bislang lediglich 18 Gegentore kassiert, die wenigsten der ganzen Liga.

Nur eineinhalb Chancen

Erschwerend kam für die drei Angreifer hinzu, dass die Eintracht fast nur mit langen, weiten Schlägen operierte. Diese mit dem Rücken zum Tor festzumachen, ist kein leichtes Unterfangen. Gerade Rebic unterliefen viele Stockfehler, insbesondere bei der Ballannahme schluderte er zu oft. Dass die Eintracht in den kompletten 90 Minuten auf vielleicht „eineinhalb Chancen“ kam, wie RB-Trainer Ralf Rangnick nicht unzufrieden feststellte, sagte ein Menge aus. Die eine hatte, wie erwähnt, Gacinovic, die halbe Filip Kostic, der kurz vor der Pause mit einem Freistoß an Torwart Peter Gulasci scheiterte.

Grundsätzlich freilich will Hütter an der offensiven Grundhaltung festhalten, das ist ja der Frankfurter Stil. Ob er indes auch in der Europa League in Charkiw am Donnerstag wieder mit voller Kapelle spielen lässt, ist noch offen. Denkbar aber freilich ist das: Schachtjor Donezk hat in sechs Spielen in der Champions League satte 16 Gegentore gefressen, das ist eine ganze Menge - allerdings waren die Kontrahenten auch allesamt hochkarätig: Olympique Lyon, TSG Hoffenheim und Manchester City.

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