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Läuft dem Freiburger Siegtorschützen Nils Petersen hinterher: Der Frankfurter Martin Hinteregger.

Freiburg - SGE

Eintracht Frankfurt: Gut verteidigt 

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verteidigt selbst in 45-minütiger Unterzahl ordentlich, gerade Libero Hinteregger überzeugt dazu auch mit seinem Offensivdrang – nur einmal entwischt Petersen der Frankfurter Abwehr.

Zur Entspannung von körperlichen Strapazen nimmt Makoto Hasebe ja ganz gerne mal ein heißes Bad, eigentlich fast jeden Abend, das gehört für den erfahrenen Japaner einfach dazu. Beim Gastspiel seiner Frankfurter in Freiburg (0:1) waren die Strapazen für den 35-jährigen Eintracht-Verteidiger dann aber doch einigermaßen überschaubar. Vor dem Spiel ein wenig Anschwitzen, ab der 65. Minute am Seitenrand herumtrotten, mehr nicht. Denn Makoto Hasebe hatte von seinem Trainer Adi Hütter etwas überraschend nur einen Platz auf der Ersatzbank zugewiesen bekommen. Also rasch reingehopst in die lange Trainingshose, die wärmende Jacke sowie die Handschuhe übergestülpt und den kickenden Kollegen vom Seitenrand aus zugeschaut.

Statt Hasebe, der am Donnerstag beim Europapokalduell in Lüttich einen schwachen Auftritt hingelegt hatte und nun schon das zweite Bundesligaspiel nacheinander über die volle Dauer draußen sitzen musste, vertraute Hütter in seiner Dreierkette auf rechts Kapitän David Abraham, auf links dem jungen Evan Ndicka und im Zentrum Martin Hinteregger. Diese Personalwahl – von Abraham und dessen spielüberschattendem Ausraster mal abgesehen – sollte trotz der Niederlage eine gute Idee gewesen sein. Denn sowohl Ndicka als auch Hinteregger gehörten zu den besten Männern im weißen Dress.

Martin Hinteregger mit den meisten Ballkontakten

Der Österreicher Hinteregger gewann nicht nur in der hintersten Reihe die meisten seiner Zweikämpfe, genau 70 Prozent, er hatte auch die meisten Ballkontakte seines Teams (72) und zeigte vor allem reichlich Offensivdrang. Mal ließ er bei einem Dribbling drei, vier gegnerische Spieler stehen, um gefährlich abzuschließen (12.), dann war er bei einem Konter ganz vorne mit dabei und vorzog (35.). Insgesamt fünfmal brachte der Abwehrchef den Ball in Richtung des Freiburger Tores, keiner seiner Mannschaftskollegen schaffte das an diesem Abend häufiger. So war es fast logisch, dass Hinteregger in der Schlussphase auch die beste Gelegenheit der Gäste zum möglichen Ausgleich vergab. Trainer Hütter hatte seinen Landsmann da längst von ganz hinten nach ganz vorne beordert, die fußballerische Brechstange sollte es in den finalen Sequenzen des Spiels sein. Hoch und weit, das einfachste taktische Mittel.

Hinteregger stürmte also neben Bas Dost in der Spitze, als der Ball nach 86 Minuten von der Seite ins Zentrum flog und sich der stürmende Verteidiger von seinem Bewacher absetzte, mit dem Kopf an den Ball kam, diesen aber nicht im Netz unterbrachte. Eine große Chance, die größte der Gäste – und irgendwie bezeichnend, dass Hinteregger sie hatte, fröstelnden gerade die Angreifer der Frankfurter an diesem kalten Abend im Breisgau doch sichtbar. Sie machten kaum einen Stich.

Die gegnerische Spitze dagegen, Nils Petersen, entschied letztlich die Partie. Vorher quasi unsichtbar, von Hinteregger aus dem Spiel verteidigt, entwischte der Freiburger Torjäger der Frankfurter Abwehr ein entscheidendes Mal und schoss aus dem Hinterhalt den Ball ins Netz. 

Evan Ndicka spielt selbstbewusst

Auch der in die Startelf rotierte Ndicka konnte bei diesem Gegentreffer nichts mehr retten, er stand einige Meter entfernt und schaute mit weit aufgerissene Augen zu wie der jubelnde Petersen abdrehte. Und dennoch hatte der französische Juniorennationalspieler einmal mehr bewiesen, dass er für die Startelf der Eintracht taugt. Es war ja erst Ndickas drittes Ligaspiel diese Saison, nicht gerade eine üppige Ausbeute für solch einen fähigen Mann. Robust setzte sich der Linksfuß in Freiburg in den direkten Duellen zur Wehr, hielt sein langes Bein bei Versuchen der Hausherren rettend dazwischen und machte auch im Aufbauspiel eine ordentliche Figur. 81 Prozent seiner Pässe brachte er an die Teamkollegen, ein guter Wert, zumal durchaus auch riskante Zuspiele dabei waren.

Der Kommentar zum Spiel in Freiburg: David Abraham sollte die Binde abgeben

Beim wilden Treiben in der Nachspielzeit waren Hinteregger und Ndicka schließlich auch dabei, sie meckerten fleißig im Pulk mit, wenngleich sie nicht zu den Hauptdarsteller der Rudelbildung zählten. Makoto Hasebe übrigens, sonst auf dem Rasen ja auch ein Hitzkopf, wird sich nach diesem hektischen Ende auf bewährte Art und Weise wieder entspannt haben – mit einem heißen Bad, allein der Temperaturen wegen, denn die waren auch dick eingemummelt ziemlich ungemütlich.

Das Spiel in der Audio-Analyse des Rasenfunks

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