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Zwei, die sich verstehen: Eintracht-Trainer Adi Hütter (links) und Martin Hinteregger.

Eintracht Frankfurt

Ein Trio auf den letzten Drücker

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt verstärkt sich massiv in der Abwehr und holt Martin Hinteregger, Tuta und Almamy Touré.

Am vergangenen Samstag hat sich Martin Hinteregger im Trikot des FC Augsburg noch mit Verve und voller Herzblut, wie das so seine Art ist, gegen die drohende Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach gestemmt, allerdings vergeblich. Mit ein bisschen Glück wird er sich morgen mit Verve und voller Herzblut, wie das so seine Art ist, dafür einsetzen, Borussia Dortmund in die Knie zu zwingen. Im Trikot von Eintracht Frankfurt. So schnell kann es gehen: Gestern, am Donnerstag, drei Stunden vor dem Ende der Transferperiode, haben die Hessen den österreichischen Innenverteidiger auf Leihbasis bis zum Sommer dieses Jahres verpflichtet. „Wir sind der Überzeugung, dass er uns in den sehr anspruchsvollen kommenden Wochen helfen kann“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Eine Kaufoption ist nicht vereinbart.

Doch damit nicht genug, kurz vor Transferschluss um 18 Uhr gaben die Frankfurter auch noch den Transfer von Almamy Touré bekannt. Der 22-jährige Innenverteidiger aus Mali kommt vom AS Monaco. Er erhält einen Kontrakt bis Sommer 2023. An Touré waren die Hessen schon länger dran, seit vergangenen Sommer sogar, er ist häufig beobachtet, quasi durchleuchtet – und für gut befunden worden.

Doch der Deal mit Hinteregger wurde erst kurzfristig eingetütet. Dass die Eintracht den Abwehrspieler verpflichten konnte, hat vor einer Woche noch keiner für möglich gehalten. Doch Hinteregger, seit 2016 beim FC Augsburg und dort unumschränkter Stammspieler (18 Spiele/zwei Tore in dieser Runde), hat sich mit mutigen, aber despektierlichen Aussagen über Trainer Manuel Baum („Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen“) selbst ins Abseits gestellt. Der 26-Jährige Kärntener, der bekannt ist für eine eigene Meinung, mit der er nicht hinter dem Berg hält, ist daraufhin vom Klub suspendiert worden. Die große Chance für die Eintracht, die einige andere Bewerber ausstach.

Das lag an der europäischen Perspektive und vor allem an Trainer Adi Hütter. Beide kennen sich seit vielen Jahren, seit ihrer gemeinsamen Zeit bei RB Salzburg. Dies hat bei der Blitzverpflichtung eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Der Coach hat sich sofort für Hinteregger ausgesprochen.

Tuta sagte, er habe „viel Positives über Frankfurt gehört“.

Als die Eintracht Ende November in Augsburg spielte (3:1), hat sich der Profi, der in Frankfurt die Rückennummer 13 bekommt, im Vorfeld dieser Partie ausgesprochen begeistert über den Frankfurter Fußballlehrer geäußert. „Überall, wo er war, hat er Erfolg gehabt. Das zeichnet ihn aus.“ Damals, 2015 in Salzburg, ist das von Hütter angeleitete Team Meister und Cupsieger geworden. „Wir haben von der ersten Sekunde an gewusst, was er von uns verlangt.“ Hütter sei ein „Weltklasse-Trainer. Ich schätze ihn und seine Art Fußball zu spielen sehr“, sagte der neue Eintracht-Verteidiger, der auch links abwehren kann. „Natürlich konnte ich die Spiele der Eintracht in der Hinrunde verfolgen und habe gesehen, welch großes Potenzial in der Mannschaft steckt“, sagte der Profi. „Ich würde gerne dazu beitragen, dass wir die gute Hinrunde bestätigen können.“

Einen wie Martin Hinteregger, ein sehr „robuster und stabiler Spieler“ (Bobic), kann Eintracht Frankfurt in der momentanen Situation gut gebrauchen. Die Hintermannschaft wirkt längst nicht mehr so stabil wie noch im Herbst des vergangenen Jahres, dazu ist Kapitän David Abraham körperlich angeschlagen; seit Wochen laboriert er an einer ominösen Wadenverletzung, vorher rissen noch Fasern im Oberschenkel, weshalb er insgesamt fünf Spiele verpasst hat. Am Samstag in Bremen musste er auch schon wieder vorzeitig vom Feld. Sein Einsatz gegen Borussia Dortmund morgen ist fraglich, auch deshalb bestand dringender Handlungsbedarf der Frankfurter, die ihre großen Ziele (siehe auch nebenstehenden Text) nicht in Gefahr bringen wollen.

Darüber hinaus ist das Vertrauen in die abwehrenden Fähigkeiten von Simon Falette überschaubar, der Franzose gilt als zu fehlerhaft und spielschwach, zudem ohne Entwicklungspotenzial. Auch wenn er jetzt in Bremen in der Anfangself stand – mit überschaubarem Erfolg. Ein Abgang von Falette – genauso wie von Mittelfeldspieler Marco Fabian – ist nicht ausgeschlossen.

Martin Hinteregger, dem viele in Augsburg eine Träne nachweinen, weil er das Herz am rechten Fleck hat, ist kein pflegeleichter, stromlinienförmiger Profi. Er verzichtet auf Facebook, Instagram und Smartphone, telefoniert mit einem Klapphandy, in Augsburg hat er in seiner Freizeit eine Kindermannschaft trainiert, und wenn ihm was nicht passt, zögert er nicht, das zu sagen. Er hatte sich schon einmal mit Trainer Ralf Rangnick angelegt, dem er vorwarf, aus Leipzig zu viel Einfluss auf RB Salzburg zu nehmen.

Zuletzt in Augsburg hat er freilich überzogen, die Wortwahl war sicher nicht korrekt. Die Eintracht freilich ist Nutznießer dieser Aussagen. Dass Martin Hinteregger gezielt seinen Weggang aus der Fuggerstadt provoziert haben könnte, halten sie in Augsburg für wenig wahrscheinlich. Er ist einfach ein geradliniger Typ.

Hinteregger, der bislang 89 Bundesligaspiele für den FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach absolviert hat, ist auch auf internationalem Parkett zu Hause. Für Österreich hat er 37-mal gespielt, hinzukommen 30 Europa League-Partien. Gerade diese Erfahrung dürfte er nutzbringend einsetzen, wenn Eintracht Frankfurt am 14. und 21. Februar in der K.o-Runde gegen Schachtjor Donezk antritt.

Auch Almamy Touré kommt als Neuzugang in den Stadtwald.

Ob Almamy Touré auch eine kurzfristige Alternative ist? Wohl eher nicht. Der Verteidiger laboriert aktuell an einer Oberschenkelzerrung und hat in dieser Runde in Monaco lediglich vier Spiele absolviert. Aber auch er hat Erfahrungen in Champions und Europa League. Von Touré versprechen sich die Frankfurter „mehr Flexibilität in unserer Abwehr“, sagte Bobic. „Er passt mit seinen 22 Jahren in unser Anforderungsprofil und hat noch Entwicklungspotenzial. Wir haben ihn intensiv beobachtet und gewinnen mit ihm einen talentierten und dennoch recht erfahrenen Spieler hinzu.“ Das Besondere an Touré: Er hat seine Karriere als zentraler Abwehrmann begonnen, ist dann aber zum Rechtsverteidiger umgeschult worden. Er könnte als durchaus mal für Dauerbrenner Danny da Costa einspringen. Zumal da Costa zuletzt auch ein bisschen durchhing. Für Touré wird die Eintracht eine Ablösesumme entrichten, die bei weniger als einer Million Euro liegt. Im Sommer wäre er sonst ohnehin ablösefrei nach Frankfurt gewechselt.

Fix ist auch die Verpflichtung des 19 Jahre alten Lucas Silva Melo, genannt Tuta. Der Brasilianer, der von der B-Mannschaft Sao Paulos kommt, unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Verteidiger Tuta soll langsam aufgebaut werden, er ist keiner, der den Hessen bei den aktuellen Abwehrproblemen sofort weiterhelfen würde. „Die Verpflichtung des Spielers folgt unserer Leitlinie, junge und talentierte Spieler aufzubauen. Wir geben ihm die Zeit und Möglichkeit, sich bei uns zu entwickeln“, bekundete Bobic. „Wir haben ihn lange sehr genau beobachtet und sind von seinem Potenzial überzeugt.“

Tuta sagte, er habe „viel Positives über Frankfurt gehört“ und sei „voller Vorfreude“. Na dann.

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