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Eintracht Frankfurt-Stürmer Ante Rebic zwischen Fabian Lustenberger (links) und Ondrej Duda (rechts) von Hertha BSC.

Gegen Hertha BSC

Eintracht Frankfurt: 0:0 verloren

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht verliert beim torlosen Remis gegen Hertha BSC zwei wichtige Punkte im Rennen um die Champions League.

David Abraham, der rechtschaffene Verteidiger von Eintracht Frankfurt, spielt seit mehr als sechs Jahren in der Bundesliga, er hat 148 Spiele bestritten, für die TSG Hoffenheim und jetzt 100 für den hessischen Traditionsklub. In diesen 148 Begegnungen hat der 32 Jahre alte Argentinier genau drei Tore erzielt, zwei für Hoffenheim, eines für die Eintracht, und zwar am 20. September 2016 beim 2:0-Erfolg beim FC Ingolstadt. Das ist schon eine Weile her, aber am Samstag hätte David Abraham sein zweites Tor für die Frankfurter erzielen können, und es wäre ein sehr wichtiges gewesen. 

Gerade läuft die erste Minute der nur zweiminütigen Nachspielzeit, die Flanke segelt herrlich in den Berliner Strafraum und fällt Abraham auf den Kopf. Doch statt die Kugel im Winkel zu versenken oder wenigstens in die Ecke zu bugsieren, köpft der Verteidiger genau in die Arme des Berliner Torwarts Rune Jarstein, der keine Mühe hat, den Ball zu parieren. Hätte an Abrahams Stelle ein anderer gestanden, optimalerweise der kopfballstarke Goncalo Paciencia, wer weiß: Womöglich wäre Eintracht Frankfurt in der Schlussminute noch ein lucky punch gelungen. Doch so blieb es beim enttäuschenden 0:0 gegen Hertha BSC. „Für eine Mannschaft, die in die Champions League will, ist das zu wenig“, senkte der Frankfurter Trainer Adi Hütter enttäuscht den Daumen. 

Eintracht Frankfurt ist mit diesem torlosen Remis gegen eine „eigentlich schwächere Mannschaft, die nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren hat“ (Torwart Kevin Trapp), der ersehnte und allenthalben erwartete Sieg verwehrt geblieben. Das könnte die Frankfurter im Rennen um den einen noch freien Champions League-Platz zurückwerfen, zwar bleiben die Hessen an diesem 31. Spieltag noch Vierter, sie haben es aber versäumt, ihren Vorsprung auf die Konkurrenz auszubauen und sich festzusetzen. „Das ist schade und traurig“, sagte Trapp, man „habe eine große Chance vergeben.“ Nun müsse man weiterhin die Kräfte bündeln, absolut fokussiert sein, dürfe nichts links und rechts gucken, denn gewichtige Aufgaben stünden noch vor der Mannschaft. „Wir können in den nächsten drei Wochen Geschichte schreiben“, spornte der Nationaltorwart gleich seine Kollegen an. Am Donnerstag steht bekanntlich das Halbfinal-Hinspiel gegen FC Chelsea an, und in der Bundesliga ist der Traum von der Königsklasse noch nicht ausgeträumt. 

Eintracht Frankfurt: „Lethargisch und träge“ gegen Hertha BSC

Selbst wenn es jetzt, angesichts zweier hammerschwerer Auswärtsspiele bei Bayer Leverkusen und Bayern München, natürlich extrem mühevoll wird, den Coup noch zu realisieren. „Einen Punkt aus zwei Heimspielen ist zu wenig“, sagte auch Trainer Hütter, „das sind die big points, die wir herschenken.“ Die sechs Zähler gegen den FC Augsburg und Berlin waren fest eingeplant, es ist nur ein einziger geworden. Den Hessen droht tatsächlich auf der Zielgeraden, ausgerechnet, die Puste auszugehen, sie wirken lange nicht mehr so frisch und unbeschwert wie noch vor Wochen. Wobei das Problem weniger in der körperlichen Schlappheit liegt als im Mentalen. Was zuletzt so einfach von der Hand ging, bereitet aktuell unendliche Mühe. Ein bisschen schwimmen der Eintracht gerade die Felle davon. Trotzdem: „Noch haben wir die Wahl: Wird es eine gute Saison oder eine sensationelle“, sagte Trapp, der seine Farben mit spektakulären Paraden, gerade unmittelbar vor Abrahams Möglichkeit bei einem Schuss von Per Skjelbred (89.), überhaupt im Spiel hielt. 

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Die Partie gegen Hertha Berlin hat die Eintracht nie unter Kontrolle bekommen können, sie konnte dem Spiel nie den Stempel aufdrücken. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel in der Hand halten“, sagte Hütter, der von einem „unrunden, sehr zerfahrenen Spiel“ sprach. Tatsächlich war es das schlechteste Spiel der Saison, „wir waren schwach“, urteilte Frankfurts Bester Makoto Hasebe gnadenlos, Trapp sprach davon, dass vieles „lethargisch und träge“ ausgesehen habe. In der Tat war den Frankfurter kaum etwas gelungen, unglaublich oft wurde der Ball verloren, „viele, viele technische Fehler“ habe man begangen, meinte auch Verteidiger Martin Hinteregger. Alle zweiten Bälle gingen an die Berliner, Fehlpässe wurden am laufenden Band geschlagen, dazu viel zu hektisch nach vorne gespielt, die Frankfurter Passquote betrug bestenfalls 70 Prozent - das ist ein ausgesprochen niedriger Wert, ungewöhnlich für eine Mannschaft wie die Eintracht, die meist spielerische Lösungen sucht und findet. 

Und Chancen, die Partei doch noch irgendwie zu gewinnen, gab es auch wenige, Abraham in der Schlussminute, dazu hatte Jonathan de Guzman zweimal (34. und 73.) eine Gelegenheit, zudem Ante Rebic (32.) – das war es auch schon. „Zu wenig“, kritisierte Hütter. „Es hat heute einfach nicht gepasst. Man braucht in solchen Spielen intelligente Entscheidungen, die sind uns nicht gelungen.“ 

Für die Eintracht geht es dennoch Schlag auf Schlag weiter: Am Donnerstag kommt die englische Spitzenmannschaft des FC Chelsea in den Stadtwald. „Mit der Leistung von heute wird es für Donnerstag nicht gut aussehen“, prophezeite der Fußballlehrer, der trotzdem zuversichtlich dem Hinspiel entgegenfiebert. Was ihn optimistisch stimmt? „Die ganze Saison bisher.“

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