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Trägt in der kommenden Saison das Trikot von Real Madrid: Luka Jovic.

Luka Jovic zu Real Madrid

Luka Jovic: Ein Juwel aus Frankfurt auf dem Weg nach Madrid

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Eintracht-Stürmer Luka Jovic wechselt für mehr als 70 Millionen Euro zu den Königlichen nach Madrid - und beschert der Eintracht eine volle Kasse.

Zvezdan Terzic, der Boss von Roter Stern Belgrad, hat es schon lange zuvor gewusst, da war der junge Herr Jovic gerade mal 16 Jahre alt. „Luka“, sagte Terzic damals über seinen Stürmer, fünf Jahre ist das her, „Luka wird mal der beste Torjäger Europas.“ Einer der besten ist er schon, der Eintracht-Angreifer, der jetzt nur noch der Ex der Eintracht ist. Denn Luka Jovic wird seinen Weg zum besten Stürmer Europas beim bekanntesten Fußballverein auf diesem Planeten fortsetzen: Der serbische Nationalspieler hat sich gestern dem spanischen Rekordmeister Real Madrid angeschlossen und erhält in der Hauptstadt einen Fünfjahresvertrag. Eine Überraschung ist das nicht mehr, es war eher eine Frage der Zeit.

Für die Eintracht ist das ein lukratives Geschäft, sie ist ihrer harten Verhandlungsposition treu geblieben, nicht eingeknickt und hat alle Versuche Reals, den Preis zu drücken, abgeschmettert. Letztlich müssen die Spanier mehr als 70 Millionen Euro für den 21 Jahre alten Topangreifer berappen, rund 50 Millionen Euro bleiben in der Kasse des Bundesligisten vom Main hängen – der Rest, mehr als 30 Prozent der ursprünglichen Summe, fließt zu Jovics vorherigem Verein, Benfica Lissabon. Die Portugiesen müssen davon noch den Berater Fali Ramadani bedenken, der rund zehn Millionen Euro Provision einstreichen wird. Der bekannte und umtriebige Spieleragent hatte den voluminösen Transfer bereits Anfang April vorbereitet und nun zum Abschluss gebracht. Jovic ist damit der mit Abstand teuerste Spieler, den die Eintracht in ihrer Geschichte verkauft hat. Bisher belegte Torwart Kevin Trapp den Spitzenplatz, der 2015 für gut neun Millionen Euro zu Paris Saint-Germain gewechselt war. Der Jovic-Deal ist da eine ganz andere Dimension.

„Ein wichtiger und guter Transfer“, findet Fredi Bobic

„Sportlich gesehen ist der Abgang ein großer Verlust für uns. Seine Explosivität und Torgefährlichkeit hat sich mittlerweile in Europa herumgesprochen und wir haben in den vergangenen zwei Jahren nicht nur von seinen Toren stark profitiert“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic und pinselte dem scheidenden Familienvater zum Abschied ein bisschen Honig ums Maul: „Luka hat die besten Voraussetzungen für eine großartige Karriere. Wir sind stolz, dass wir ihn auf diesem Weg begleitend unterstützen konnten.“

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Die Eintracht hatte sich schon länger auf den Abgang des Stürmers eingestellt, die Sportliche Leitung ahnte, dass sie einen Mann dieses Formats nicht würde halten können. „Für uns war klar, dass es eine finanzielle Schmerzgrenze gibt“, räumt Bobic ein.

Das zeugt von Realitätssinn und Weitsicht. Denn es ist heutzutage nur in absoluten Ausnahmefällen möglich, einen Spieler zu halten, der unbedingt weg will. Da ist es egal, ob dieser, wie Jovic, vertraglich bis 2023 gebunden ist. Und für Jovic, den die Eintracht für sieben Millionen Euro von Benfica gekauft hatte, ist dieser Deal in diesem Alter natürlich die Chance seines Lebens, die er ergreifen musste. Wer weiß, wann solch eine Möglichkeit noch mal kommt. Eine schwere Verletzung oder eine längere Krise kann viele Träume platzen lasen.

Luka Jovic lässt sich den Wechsel mit rund 10 Millionen Euro pro Jahr vergüten

Real Madrid ist überdies nicht nur ein schillernder Verein mit einer einzigartigen Vita und Strahlkraft, sondern auch ein omnipotentes, 3,2 Milliarden Euro schweres Fußballunternehmen. Jovics Verdienst bei den Königlichen ist daher fürstlich: Rund zehn Millionen streicht er per annum ein – Grundgehalt, wohlgemerkt.

Der beste Eintracht-Torschütze (17 Treffer in der Liga, zehn in der Europa League) soll in Madrid zum Stürmer von Welt aufgebaut werden, Trainer Zinedine Zidane plant nach einer völlig missratenen Saison den große Umbruch, auch Eden Hazard vom FC Chelsea wird anheuern, Kostenpunkt: 130 Millionen Euro. Da ist Jovic ja fast schon ein Schnäppchen.

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Der Abgang des Torjägers, der mit der serbischen U21 demnächst noch an der Europameisterschaft teilnehmen wird, reißt in Frankfurt eine Lücke, das von Kevin Trapp als Büffelherde getaufte Trio Infernale ist gesprengt, und keiner weiß, ob auch Sebastien Haller oder Ante Rebic den Klub noch verlassen werden. Möglich ist das, Sportchef Bobic hatte unlängst durchblicken lassen, dass es sogar sein könne, dass alle drei Topstürmer der Eintracht den Rücken kehren.

Das schreckt die Verantwortlichen aber nicht, sie sind bestens präpariert, weil sie ja auch nicht unvorbereitet getroffen wurden. „Für Eintracht Frankfurt ist das ein guter und wichtiger Transfer“, betont Fredi Bobic. Das ist eine durchaus interessante Aussage, die verdeutlicht, dass die Sportführung um Bobic, Manager Bruno Hübner und Chefscout Ben Manga sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie sie das eingenommene Geld reinvestieren will. Sie haben mehrere vielversprechende Nachfolgekandidaten im Auge, sind optimistisch und selbstbewusst. Sie spüren eine andere Akzeptanz im Markt, werden anders wahrgenommen, das Graue-Maus-Image ist längst abgelegt. Die Eintracht gilt als Plattform, wo Spieler reifen können, auch von Großklubs.

Und natürlich kann die Eintracht nun in einer anderen Etage des Kaufhauses einkaufen gehen. Es macht einen Unterschied, ob man einen Spieler für sieben, acht Millionen kauft oder 20, 25 Millionen investieren kann. In dieser Kategorie ist die Wahrscheinlichkeit höher, einen zuverlässigen Spieler einer bestimmten Güteklasse zu bekommen. „Der muss dann ja was können“, sagt Fredi Bobic, „sonst müsste ich ja total blind sein.“

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