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Ante Rebic im Zweikampf mit Gladbachs Christoph Kramer.

Bundesliga

Ping-Pong mit Fohlen

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt verliert auch das vierte Spiel in Folge gegen eine Top-Mannschaft nicht und saugt daraus Honig. 

Außenamtssprecher Gelson Fernandes hat es dann doch noch irgendwie zum Flatterband geschafft. Der rechte Oberschenkel freilich war mit einer Plastikhülle fest umwickelt, darin kühlendes Eis für den maladen Muskel, das ist die Erstversorgung angeschlagener Fußballprofis nach 90-minütigem Einsatz. Aber Gelson Fernandes, das fleißige Lieschen bei Eintracht Frankfurt, hat ja nicht einmal das ganze Spiel durchhalten können, nach 78 Minuten hat er aufgeben müssen, nichts ging mehr. „Ich habe kein gutes Gefühl“, sagte er später, ohne einer medizinischen Diagnose vorgreifen zu wollen, aber „ich kenne meinen Körper“. Ein paar Fasern im Muskel dürften zumindest angerissen sein. Das sieht für die nächste Partie am Donnerstag im Rückspiel der Europa League gegen Schachtjor Donezk nicht besonders gut aus. Der frühere Schweizer Nationalspieler, der sich in dieser Saison bei der Eintracht als beeindruckend erfolgreicher Bälleklauer fast unersetzlich gemacht hat, wird im Sechzehntelfinale fehlen, muskuläre Probleme wie diese lassen sich nicht auf die Schnelle beheben. Und „einen Wunderheiler, der das in vier Tagen schafft“, habe man auch nicht, bedauert Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Es war also wahrlich kein Zufall, dass am gestrigen Sonntag die Frankfurter den - nicht unverdienten - 1:1 Ausgleich zu einem Zeitpunkt kassierten, als Gelson Fernandes schon ausgewechselt war. Denis Zakaria, ohnehin der beste Feldspieler von Borussia Mönchengladbach, nutzte eine Lücke im Zentrum der Hessen, um mit einem satten, aber sicher nicht gänzlich unhaltbaren Schuss von der Strafraumgrenze den gerechten Endstand herzustellen (82.). Er nutzte genau diese Lücke, die Gelson Fernandes in den 78 Minuten zuvor stets bravourös gestopft hatte.

Was die ganze Sache für Eintracht Frankfurt noch ein bisschen komplizierter macht, ist die Tatsache, dass auch der andere Sechser, Sebastian Rode, im Winter von Borussia Dortmund ausgeliehen, wegen einer nicht näher umschriebenen „Verletzung an der Wade“ gegen Schachtjor Donezk nicht spielen wird können. Damit muss die Eintracht im wichtigsten Spiel des Jahres auf ihre beiden Sechser verzichten. „Unser großes Problem liegt im zentralen Mittelfeld“, musste Hütter konstatieren. „Wir haben nicht alles gut verteidigt, einiges haben wir defensiv vermissen lassen.“ Bis zum Donnerstag wird er sich was einfallen lassen müssen, um die Mitte dicht zu bekommen. Einfach wird das nicht.

Ein bisschen Honig kann Eintracht Frankfurt sicherlich auch aus diesem Spiel saugen. Ein 1:1 (1:0) gegen den Tabellendritten der Liga, gegen „eine Top-Mannschaft“, wie Hütter sagte, ist aller Ehren Wert. Erneut haben die Hessen ein Spiel gegen eine Spitzenmannschaft nicht verloren, ohnehin sind sie in diesem Jahr noch ungeschlagen und das bei einem Auftaktprogramm (Bremen, Dortmund, Leipzig Gladbach), das sich allemal sehen lassen konnte. Andererseits, und da hat Hütter wieder Recht, „bringen uns die Unentschieden nicht weiter“. Die Eintracht rutschte nach dem Sieg der Leverkusener am Sonntagnachmittag gegen Fortuna Düsseldorf sogar auf den siebten Tabellenplatz ab. Die Mannschaft tritt nach dem vierten Remis in Folge ein wenig auf der Stelle (siehe auch Bericht auf der nächsten Seite). Immerhin hat sie die härtesten Brocken der Liga - außer den Bayern - schon hinter sich. Und insgesamt schon drei Punkte mehr aufs Konto geschaufelt als in der Hinrunde. Aber eben in acht Pflichtspielen auch nur einmal gewonnen (3:1 gegen den SC Freiburg)

Das Remis gegen Borussia Mönchengladbach war das korrekte Ergebnis eines durchaus sehenswerten Spiels. „Wir müssen es so hinnehmen“, fasste der wieder bärenstarke Innenverteidiger Martin Hinteregger zusammen, der erstaunliche 88 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen hatte. Die Gladbacher waren vor allem im ersten Abschnitt das bessere Team, Trainer Dieter Hecking wollte sogar „selten ein so gutes Auswärtsspiel“ von Gladbach gesehen haben, zumindest 30 Minuten lang. Dennoch ging die Eintracht praktisch mit dem Halbzeitpfiff in Führung: Einen Fernschuss von Jonathan de Guzman hatte Rechtsverteidiger Danny da Costa „mit ein bisschen Ping-Pong“ unter Kontrolle bekommen und dann aus kurzer Distanz ins Tor geschossen (45+2). „Dieses Tor“, sagte Fernandes, „hat uns in die Karten gespielt“. Zuvor hatte die Eintracht Glück und einen tüchtigen Kevin Trapp, dass sie nicht in Rückstand geraten war.

Im zweiten Abschnitt bekamen die Frankfurter die Begegnung besser in den Griff, klare Torchancen aber hatten sie nicht, einmal schoss Ante Rebic, der viel wollte, aber wenig erreichte, am Tor vorbei. Kurz vor Ultimo kam dann auch noch Goncalo Paciencia, der lange wegen einer Meniskus-OP fehlte, zu seinem Bundesligadebüt. Der Gladbacher Ausgleich fiel dennoch „aus dem Nichts“, wie Hinteregger richtig sagte. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass Gladbach ein Tor würde schießen können.“ Ganz am Ende freilich hätte Josip Drmic fast noch den Siegtreffer für die Gäste erzielt.

Dass es für die Eintracht nicht zu einem Sieg gereicht hat, „der uns gut getan hätte“ (Hütter), hatte natürlich auch mit der Belastung in dieser Woche zu tun gehabt. Die Reisestrapazen von der Tour in die Ukraine waren nicht ohne gewesen, der Temperaturunterschied von bald 20 Grad nicht zu unterschätzen, zum Schluss habe man „dem Tribut zollen müssen“, sagte Hütter. Auch wenn man die Doppelbelastung „sehr gerne“ auf sich nehme, so färbe sie dennoch auf die Qualität des Spiel ab.

Immerhin hat Mentalität und Einstellung der Mannschaft gestimmt, bis zum Ende haben die Gastgeber versucht, die Partie zu gewinnen, auch wenn vieles reine Willensleistung war. Deswegen ist da Costa für Donnerstag nicht bange: „Jeder von uns ist extrem heiß darauf, dass wir weiterkommen.“

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