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Schnell, aggressiv, wuchtig: Neuzugang Ragnar Ache passt gut ins Konzept der Eintracht.

Pressing-Stil

Eintracht Frankfurt und die Sehnsucht nach dem strukturiertem Chaos

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Trainer Adi Hütter will sein Team unbedingt zur alten, brachialen Pressing-Stilistik zurückführen. Die Spieler sind lernwillig. Doch sind sie auch lernfähig?

  • Adi Hütter von Eintracht Frankfurt arbeitet mit seiner Mannschaft an der Taktik für die neue Saison
  • Weniger Abwarten, dafür mehr Attacke
  • Eintracht Frankfurt mangelt es an Spielern zur Umsetzung des Wunschkonzepts

Frankfurt - Von einem ausgeprägten Spielfluss hält Adi Hütter in diesen Tagen recht wenig. Nun ist es natürlich nicht so, dass der Trainer von Eintracht Frankfurt gelungene Passfolgen seiner Fußballtruppe ungern ansieht, Direktkombinationen von Mann zu Mann, möglichst am Ende belohnt mit einem im gegnerischen Netz zappelnden Ball, kommen der Idealvorstellung des Österreichers sicher nah. Doch wie an diesen Punkt gelangen? Gar nicht leicht.

Eintracht Frankfurt erklärt – wirklich sehr viel!

Also verzichtet Hütter zurzeit lieber auf den Spielfluss, im Training wohlgemerkt. Während der in dieser Woche für die Reporter zugänglichen Übungseinheiten an der Arena im Stadtwald unterbricht der 50-Jährige die verschiedenen Spielformen ständig. Mal lässt er seine Jungs 30 Sekunden gegeneinander antreten, dann wieder nur zehn, ganz selten auch mal eine Minute lang. Mehr nicht. Adi Hütter erklärt und erklärt und erklärt. Er erklärt wirklich sehr viel!

Er bedeutet zum Beispiel dem neuen Stürmer von Eintracht Frankfurt, Ragnar Ache, dass er sofort den gegnerischen Verteidiger attackieren soll, ohne zu zögern. Er wünscht sich von Abwehrmann Evan Ndicka, am Donnerstag übrigens 21 geworden, einen saubereren Pass durchs Zentrum zu den Mittelfeldkollegen Dominik Kohr und Sebastian Rode, besser noch zum weiter vorne positionierten Spielmacher Daichi Kamada. Er will, dass Rückkehrer Aymen Barkok den Ball nicht so lange auf der rechten Seite dribbelt. Und, und, und.

Adi Hütter: Eintracht Frankfurt will wieder weniger Abwarten und mehr Attacke

Kurz zusammenfassen lassen sich die Vorstellungen des Trainers von Eintracht Frankfurt wohl am besten in einem Satz, den Hütter vor einigen Wochen bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz selbst formuliert hat: „Ich möchte wieder eine Mannschaft haben, die versucht, die Art und Weise von Fußball aus dem ersten Jahr zu spielen.“ Weniger Abwarten, mehr Attackieren, weniger Querpassgeschiebe, mehr nach vorne gerichtete Risikopässe.

„Der Trainer will noch mehr Aggressivität und Vertikalität bei Balleroberung sehen. Unsere Aggressivität ist das, was uns diese Saison auch wieder auszeichnen soll“, hat Verteidiger Almamy Touré offenbar schon nach wenigen Trainingseinheiten die Vorgaben verstanden.

Ein paar Vergleichszahlen zur Einordnung der Entwicklung von Eintracht Frankfurt: Während die Frankfurter in der vergangenen Saison pro Bundesligaspiel im Schnitt 51 Prozent Ballbesitz hatten, 432 Pässe spielten, davon 331 ankamen (75 Prozent) waren diese Werte in der so spektakulärer verlaufenen Saison 2018/19 schlechter. Auf den ersten Blick jedenfalls. Denn die 47 Prozent Ballbesitz, die 391 Pässe pro Partie, von denen 286 ankamen (72 Prozent) zeugen eben nicht nur von einer höheren Ungenauigkeit damals im Spiel der Eintracht, sondern auch von einer höheren Risikobereitschaft. Etwas, das sich Adi Hütter ausdrücklich herbeisehnt.

Eintracht Frankfurt absolviert Testspiel gegen PSV Eindhoven

Anschauungsmaterial dieses präferierten Stils könnten die Profis und ihr Chef erhalten, wenn sie es am Samstag (18 Uhr/live bei Sport 1) in ihrem zweiten Testkick der Vorbereitung mit PSV Eindhoven zu tun bekommen. Der niederländische Traditionsklub aus der Eredivisie, neuerdings trainiert von Roger Schmidt, wird gewiss ein starker Gegner, vor allem einer, der künftig unter Anleitung des früheren Bundesligacoaches von Bayer Leverkusen die Pressingmaschinerie auf Volldampf heizen will. 90 Minuten Rennerei, die Hatz nach dem Ball, ein schnelles Umschaltspiel, strukturiertes Chaos auf dem Rasen. Das ist das Ding von Roger Schmidt. Und in etwas abgewandelter Form, vielleicht nicht ganz so absolut, auch jenes von Adi Hütter.

Auf den Test in Eindhoven folgen für die Frankfurter in der Vorbereitung noch die weiteren Spiele gegen den niederländischen Spitzenklub Ajax Amsterdam (Samstag, 29.08.2020) und den Rhein-Main-Nachbarn Mainz 05 an (5. September), wobei bei letzterem Aufeinandertreffen auf beiden Seiten die Nationalspieler fehlen werden.

Eintracht Frankfurt mangelt es an geeigneten Spielern zur Umsetzung des Wunschkonzepts

Grundsätzlich mangelt es im Kader von Eintracht Frankfurt derzeit an geeigneten Spielern zur vollumfänglich erfolgreichen Umsetzung des Wunschkonzepts. Na klar, der wuchtige Ache ist so ein Mann, der erbarmungslos attackieren kann, auch Filip Kostic oder – mit Abstrichen – die laufstarken Sebastian Rode, Djibril Sow und Dominik Kohr. Ansonsten aber wird es schon dünn. Weder die drei Angreifer Bas Dost, André Silva und Goncalo Paciencia, noch Kamada, Barkok oder Neuzugang Steven Zuber verkörpern diesen aufwendigen Spielstil.

Eine Lösung für dieses Dilemma aus Wunsch und Wirklichkeit floskelte Almamy Touré, ebenfalls ein Fußballer mit gehörigem Phlegma, diese Woche herbei: „Übung macht ja bekanntlich den Meister“, sagte er. Blöd nur, dass wohl auch 17 andere Bundesligateams ähnlich denken.

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