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Leverkusens Leon Bailey (l) und Frankfurts Andre Silva kämpfen um den Ball.
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Leverkusens Leon Bailey (l) und Frankfurts Andre Silva kämpfen um den Ball.

SGE

Eintracht: Neuer Stürmer muss sich mit Rolle als Back-Up arrangieren

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Allerdings: die Offensiven Amin Younes und André Silva tragen viel zum Eintracht-Aufschwung bei – das sollte auch der neue Stürmer wissen.

Amin Younes hat einen ganz schön langen Anlauf nehmen müssen, ehe er in der deutschen Premiumklasse den Ball mal wieder in der Kiste des Kontrahenten unterbrachte. Am Samstag beim 2:1-Erfolg gegen Bayer Leverkusen erzielte die rastlose Offensivkraft im Dienste der Frankfurter Eintracht den Ausgleich - exakt sieben Jahre und 313 Tage nach seinem bisher ersten und einzigen Tor in der Bundesliga. Damals, am 24. Februar 2013, machte der einstige Nationalspieler im Dress von Borussia Mönchengladbach gegen den BVB ebenfalls das 1:1, seinerzeit hütete noch Marc-André ter Stegen das Borussen-Tor, Roel Brouwers polierte die Schienbeine und vorne stürmte Mike Hanke, natürlich erfolglos. Man sieht: Younes‘ Durststrecke war von beachtlicher Dauer.

Eintracht Frankfurt: Younes überzeugt

Das liegt, muss man der Fairness halber anmerken, auch daran, dass der 27-Jährige die meiste Zeit seiner Profikarriere nicht in Deutschland verbrachte, sondern vorwiegend in den Niederlanden und zuletzt auch mal sehr unerquicklich in Italien. Umso größer war die Freude des vom SSC Neapel ausgeliehene Spielers über seinen wichtige Treffer, der der Eintracht den Weg zum Sieg ebnete. „Ein tolles Gefühl“, wie Younes sagt. Nicht so toll war das Gefühl bei seiner Großchance kurz vor der Pause, als er die Kugel freistehend beinahe auf die Bundesstraße 44 drosch. Da habe er sich, wie er etwas schräg bekundet, „ein bisschen zu Tode geärgert.“ Sei’s drum.

Amin Younes ist mittlerweile eine klare Bereicherung fürs Eintracht-Spiel, nach Jahren ohne Wettkampfpraxis, vielen Kilometern im Wald und Stunden im Kraftraum, nach überstandener Covid-19-Erkrankung und dem Überwinden leichterer Blessuren steht er voll im Saft und ist zurzeit aus dem Team nicht wegzudenken. Seine Ballsicherheit, die Ideen und Dribblings machen ihn so wertvoll, sein tiefer Körperschwerpunkt macht es für die Gegner so schwierig, seine Bewegungen vorauszuahnen und ihn zu greifen. Der Wieselflinke geht ihnen oft durch die Lappen.

Eintracht Frankfurt: Barkok eine weitere Option in der Offensive

Mit Younes und dem frechen Aymen Barkok hat Trainer Adi Hütter zusätzliche Optionen für die Offensive bekommen, vorher lastete das Spiel auf den zarten Schultern von Daichi Kamada, der damit zuweilen überfordert war und ohnehin etwas überheblicher wirkt als er eigentlich sollte. Coach Hütter ist mit der neuen Auswahl im Kreativzentrum zufrieden: „Ich brauche alle drei.“

Amin Younes hat sich in Frankfurt vorbildlich eingebracht, er gibt der Mannschaft viel, nicht nur auf dem Platz, er ist anerkannt und beliebt. „Er ist ein toller, positiver Junge“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. Das ist nicht unerheblich, da ja mitten in der Saison ein kleiner Umbruch vonstatten geht: Leitfigur Bas Dost ist schon weg, Anführer David Abraham geht in zwei Wochen zurück in die argentinische Heimat. „Er war in der Kabine eine absolute Führungsperson“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. „Niemand verliert gerne so einen Spieler.“

Younes wird Abrahams Rolle nicht ausfüllen können, aber in der (flachen) Hierarchie leicht nach oben rutschen. „Wir haben eine tolle Mannschaft, alle sind charakterlich so was von in Ordnung“, sagt der in Düsseldorf geborene Deutsch-Libanese. Er sieht das Team noch lange nicht am Ende der Fahnenstange. „Es ist noch mehr möglich und Luft nach oben. Es geht noch besser.“

Eintracht Frankfurt: Verändertes System verändert gesamte Statik

Trainer Hütter hat das Offensivspiel mitten in der Saison neu umbrochen, durch das veränderte System hat sich die gesamte Statik verändert. Die Eintracht ist spielfreudiger, kreativer, ballsicherer, und sie erarbeitet sich mehr Torchancen. Gerade die Akteure aus der zweiten Reihe tauchen häufiger in vielversprechenden Positionen auf, weil das Spiel schwerer auszurechnen ist als zuvor, als Hütter auf zwei Spitzen setzte. Gegen Leverkusen hatte selbst Makoto Hasebe eine Chance, so weit vorne war der Altmeister zuletzt wahrscheinlich vor vier Jahren, als er gegen Darmstadt 98 mal einen Elfer verwandelte.

Die neue Taktik funktioniert nur, weil vorne drin André Silva einen Reifeprozess durchlaufen hat. Der Portugiese ist sich als einzige Spitze nicht für einige Kärrnerarbeit zu schade, er reibt sich als Alleinunterhalter auf, büßt dafür etwas Torgefahr ein. Der Techniker hat erst lernen müssen, wie das hierzulande läuft, als er kam, ließ er es schon mal lockerer angehen, verließ sich auf sein Talent verlässt, was im Überfluss vorhanden ist. Silva hat sich gewandelt, seine Einstellung ist tadellos, auch wenn er vor sporadischen Rückfällen nicht gefeit ist. Auch in dieser Saison gab es schon eine kurze Phase, rund um das Köln-Spiel, in der der Trainer mit dem 25-Jährigen nicht zufrieden war, weil er nicht hart genug gearbeitet hat. Das duldet Hütter nicht.

In der derzeitigen Verfassung ist Silva aber zu Recht konkurrenzlos, nicht nur, weil es nach dem Dost-Abgang keine Konkurrenz gibt, sondern weil er einfach gut performt. Silva, drittbester Torschütze der Liga, ist gesetzt, an ihm führt kein Weg vorbei.

Eintracht Frankfurt: Neuer Stürmer gesucht

Das wiederum sollte der Stürmer wissen, der sich in Kürze der Eintracht anschließen wird. Hütter hat vor wenigen Tagen nicht rein zufällig den Hinweis gegeben, dass der Zugang sich mit der Rolle als Backups arrangieren müsse. „Wir brauchen jemand, der sagen kann: Okay, ich kann dann helfen, wenn ich gebraucht werde.“ Mit seinem Status als Nummer zwei hatte zuletzt auch Bas Dost so seine Probleme.

Die Verantwortlichen müssen auf einen entsprechend sauberen Charakter achten, denn einen ständig Unzufriedenen, einen Stänkerer kann sich die Eintracht nicht leisten. Der Teamspirit ist für dieses Ensemble enorm wichtig, einer, der das gewachsene Gefüge durcheinanderbringt, wäre in hohem Maße kontraproduktiv.

Insofern ist auch die Frage, ob das Bayern-Talent Joshua Zirkzee tauglich wäre. Der 19-Jährige gilt nicht als Trainingsweltmeister und als Spieler, der zu einem gewissen Phlegma neigt. „Es geht auch um die Mentalität, die Einstellung und den unbedingten Willen zu zeigen, was man kann“, sagte Bayern-Trainer Hansi Flick über den Angreifer. Vielleicht ist Zirkzee aber gar nicht Mister X, sondern nur eine Nebelkerze.

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