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Trainer Oliver Glasner und Filip Kostic von Eintracht Frankfurt
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Trainer Oliver Glasner und Filip Kostic von Eintracht Frankfurt

SGE

Eintracht Frankfurt: Glasner stellt Experimente vorerst ein – Verlängert Kostic?

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der akribische Eintracht-Trainer hat die Experimente vor dem nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Köln eingestellt - aber nur vorläufig.

Frankfurt – Die Zeit der Experimente scheint vorüber. Sowohl personell also auch strukturell und systematisch. Oliver Glasner, ein pedantischer und detailversessener Fußballlehrer, hat sich offenbar erst einmal weitgehend auf die Eintracht-Mannschaft festgelegt, die er fördern und stabilisieren will. In den letzten beiden Spielen gegen Fenerbahce und in Wolfsburg hat er sie, trotz kurzer Regenerationszeit zwischen Europacup und Bundesliga, unverändert aufs Feld geschickt. Mit gewohntem Ergebnis: 1:1. Es gehe darum, Automatismen einzuschleifen, sich die Sicherheit und das Vertrauen über gemeinsame Spielzeit zu holen – gerade, wenn die Trainingszeit so knapp bemessen ist.

Oliver Glasner ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was das Beste ist, er hat auf seinen Stationen, egal ob in Österreich oder in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg, Erfolg gehabt, er hat eine klare Idee von dem, was er sehen will und was umgesetzt werden soll. In Frankfurt ist er nach dem Fehlstart in Mannheim und Dortmund dazu übergegangen, die jahrelang praktizierte Dreierkette aufzubrechen und auf einen Viererriegel zu bauen. Das hat zu weniger Gegentoren und weniger Konterchancen für die Gegner geführt. „Wir werden immer stabiler in den defensiven Abläufen“, sagt der 47-Jährige. Die Flut an Gegentoren in der Vorsaison war ihm ohnehin ein Dorn im Auge. Dafür steht er nicht.

Und doch gibt es nicht wenige Menschen, die diesen Schritt nicht ganz nachvollziehen können, was den Coach zu überraschen scheint. „Eigentlich spielen wir offensiver als sonst“, sagt er sogar. Auf seiner ersten Trainerstation, führt er aus, habe er es im 4-4-2 versucht, „aber wir haben die Defensive nicht in den Griff bekommen“. Dann habe er, „mal plakativ gesagt“, einen Zehner rausgenommen, ihn hinten reingestellt, also aus einem 4-4-2 ein 3-4-3 gemacht – und schon lief es besser. Es ist also mitnichten so, dass Glasner auf eine Viererkette festgelegt ist, zurzeit erachtet er sie für Eintracht Frankfurt aber als bessere Option.

Eintracht Frankfurt: Auf falschen Positionen

Das bedeutet freilich auch, dass er in der Offensive zunächst einmal festgelegt zu sein scheint. Weil die beiden Außenverteidiger, Erik Durm auf links für den verletzten Christopher Lenz und Danny da Costa auf der anderen Seite, ihre Stärken nicht (Durm) oder nicht mehr (da Costa) in der Offensive haben, ist der Österreicher quasi gezwungen, davor zwei Flügelspieler aufzubieten.

Auf links ist das, ganz klar, Filip Kostic, der aber auch nicht mehr so breit auf den Außen spielt. Auf der anderen Seite hat Glasner den Kolumbianer Rafael Borré dazu auserkoren, die rechte Seite zu beflügeln. Das klappt eher durchwachsen, zumal sich der 26-Jährige als Mittelstürmer sieht und auch einer ist. Glasner ist eigentlich ein Fan davon, „Spieler dort einzusetzen, wo sie ihre größten Stärken haben“, aber man müsse eben ab und an „kleine Kompromisse“ eingehen. Das macht er gleich dreimal: Borré ist kein Rechtsaußen, Erik Durm eher Rechts- als Linksverteidiger und Evan Ndicka zwar ein zentraler Abwehrmann, aber als Linksfuß auf der falschen Seite aufgeboten. Alles nicht optimal.

Es passt aber zu Glasners Wahrnehmung seines Teams, wonach noch vieles unfertig sei, man sich in der Findungsphase befinde. „Wir sind am Justieren, wir schauen: Was passt am besten zusammen, wer harmoniert mit wem am besten?“ Und so könnte es sein, dass er sich in Zukunft doch wieder vermehrt auf Versuchsfelder begibt. Denn kein Geheimnis ist, dass er die beiden Stürmer Borré und Sam Lammers „gerne zusammenspannen“ würde, die Doppelspitze hat er im Hinterkopf. Die Frage sei halt auch: „Was suchen wir jetzt, was kreieren wir jetzt?“

Auf diesem steinigen Weg scheinen einige jüngere Spieler zunächst auf der Strecke zu bleiben, auf die der Trainer in der aktuellen Situation keine Rücksicht nehmen kann. Tuta, 22, sowie die Offensivkräfte Aymen Barkok und Ragnar Ache, beide 23, standen zuletzt nicht im Aufgebot. Dem 17 Jahre alten Fabio Blanco traut Glasner die Bundesliga noch nicht zu, der als Ausnahmetalent gehandelte Spanier hat zuletzt in der A-Jugend ausgeholfen.

Eintracht Frankfurt: Verlängert Kostic sogar?

Von Barkoks Qualitäten ist Glasner überzeugt, doch seine starken Trainingsleistungen korrespondieren nicht mit denen im Spiel. Ob das noch mal was wird in Frankfurt? Zumal Barkoks Vertrag im Sommer ausläuft. Stürmer Ache, bei Olympia noch Torschütze, ist nicht mal für den Europa-League-Kader nominiert worden, und Tuta wirkt zu unstet. Dabei gab es für den Brasilianer in der abgelaufenen Transferperiode einen Markt, doch die Verantwortlichen wollten den Innenverteidiger gerne halten. Nun ist er außen vor.

Die Frankfurter sind, so oder so, nach wie vor darauf angewiesen, Transfererlöse zu erzielen, zumal Corona die Luft hat dünner werden lassen und sie in jüngerer Vergangenheit auch einfach Pech hatten: Jetro Willems etwa wäre für elf Millionen Euro in Newcastle untergekommen, wenn sein Kreuzband nicht gerissen wäre. Goncaloa Paciencia hätte von Schalke für zehn Millionen gekauft werden müssen – wenn S04 nicht abgestiegen wäre. Und zuletzt platzte ja sogar der Wechsel von Amin Younes für Millionen Euro in die Wüste.

Aus der aktuellen Mannschaft sind lediglich Daichi Kamada und Evan Ndicka Verkaufskandidaten, die profitabel abgegeben werden könnten. Ihr Vertrag läuft bis 2023, letzte Chance zum Verkauf in einem Jahr. Das gilt auch für Filip Kostic, doch nachdem der kürzlich noch abwanderungswillige Serbe sogar seinen Berater vor die Tür gesetzt hat, ist nicht mal eine Vertragsverlängerung ausgeschlossen. Verrückt, dieses Geschäft. (Ingo Durstewitz)

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