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Rudelbildung direkt nach dem Schlusspfiff: Frankfurter und Augsburger mit einigem Redebedarf.
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Rudelbildung direkt nach dem Schlusspfiff: Frankfurter und Augsburger mit einigem Redebedarf.

SGE

Eintracht Frankfurt: Glasner „nicht wirklich happy“ – Umbruch größer als gedacht

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt kommt trotz Dominanz nicht über eine Nullnummer gegen Augsburg hinaus. Die SGE steht wieder vor einer Saison der Erneuerung.

Frankfurt – In der Nachbetrachtung des torlosen Auftakts im heimischen Stadion gegen den FC Augsburg hat der Frankfurter Trainer Oliver Glasner vielleicht ein kleines bisschen überdreht. Der 46-Jährige malte die Eintracht-Welt beinahe schon rosarot, was bestimmt ein Stück weit Überzeugung und zu gleichen Teilen Kalkül war. „Wir sind nicht wirklich happy mit dem Punkt“, setzte der Österreicher an, ein Sieg wäre gewiss verdient gewesen. Der Augsburger Torhüter Rafal Gikiewicz habe aber einen Sahnetag erwischt, „Kompliment“, die ganze Palette an Möglichkeiten habe der Keeper zunichte gemacht, „drei, vier, fünf richtig tolle Chancen“, wie Glasner behauptete.

Er sei daher ob der Nullnummer „absolut gar nicht enttäuscht“, der Auftritt sei „absolut ein Schritt in die richtige Richtung“ gewesen, es gehe ja nicht nur um das blanke Resultat, sondern auch um das „Wie, und mit dem Wie bin ich sehr zufrieden“. Ergo: „Ich fahre mit einem sehr positiven, guten Gefühl nach Hause.“ Es soll Menschen geben, die sich der Lobeshymne in diesem Ausmaß nicht so ganz anschließen wollten.

Eintracht Frankfurt: Sieg gegen Augsburg wäre verdient gewesen

Fakt ist: Wenn dieses Spiel vor immerhin 22.000 durchaus lautstarken und emotionalisierten Fans einen Sieger verdient gehabt hätte, dann wäre das Eintracht Frankfurt gewesen. 21:4 Torschüsse holten die Hessen heraus, der Ballbesitz lag gefühlt bei 90 Prozent, in der Realität aber nur bei 68, was aber auch reicht, um die Kräfteverhältnisse ins rechte Licht zu rücken.

Und natürlich ist es richtig, dass die Eintracht gerade im zweiten Abschnitt eine Art Powerplay aufzog und den FCA in dessen Hälfte einkerkerte, dass sie auch redlich ackerte und rannte und bis zum Schluss alles versuchte, um doch noch den erlösenden Treffer zu erzielen. Vergeblich.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die „richtig tollen Chancen“ jetzt gar nicht so dicke Dinger waren, also eher zur Kategorie „kann man machen, muss man aber nicht“ zählen. Der FC Augsburg ist zudem kein Widersacher, der auf dem Zenit seiner Schaffenskraft ist, personell sind die bayerischen Schwaben arg gebeutelt und nach der 0:4-Klatsche zum Start gegen Hoffenheim auch nicht mit Selbstvertrauen im Übermaß gesegnet. Überdies: Der Eintracht war gerade im ersten Abschnitt wenig eingefallen, um die Gäste wirklich in Verlegenheit zu bringen, da wirkte alles zu gestückelt, unrund und unfertig. Trainer Glasner schiebt das auf eine gewisse Nervosität nach den beiden Schlappen im Pokal in Mannheim und in der Liga in Dortmund: „Da hat man gesehen, was zwei Auftaktniederlagen mit der Psyche machen können.“

Eintracht Frankfurt: Mannschaft brauch Zeit, um sich zu finden

Klar ist schon jetzt, dass diese Frankfurter Mannschaft Zeit brauchen wird, um sich zu finden, um miteinander zu wachsen und das zu verinnerlichen, was von ihr erwartet wird. Erst dann wird sich ermessen und abschätzen lassen, wie stark und konkurrenzfähig sie ist und auf welchem Level sie sich einpendeln wird. Vorschnelle Schlüsse verbieten sich zum jetzigen Zeitpunkt, obwohl der Start in die Saison mit zwei Pleiten und einem Remis alles andere als geglückt ist und obwohl man Zweifel, ob dieses Team die doppelte Belastung wirklich schultern kann, ohne in der Liga abzusacken, ernstnehmen sollte. In dieser Verfassung wartet eine schwierige bis sehr schwierige Saison auf die Hessen.

Für Djibril Sow hat der derzeitige Staus quo aber nichts Alarmierendes. „Als Adi Hütter neu hier war, ist die Eintracht auch nicht gleich in Fahrt gekommen.“ Die Frankfurter fremdelten damals mit den Vorstellungen des Coaches, und die neuformierte Mannschaft musste sich erst zusammenraufen. Dann legte sie los. So sei es auch jetzt wieder, hofft der nach mehr Verantwortung strebende Abfangjäger Sow. „Man muss auch erst wieder ein Gefühl für das Spiel bekommen“, sagt er. Zumal die Mannschaft jünger und die Offensive noch „etwas zu verspielt“ sei, und klar „stimme vorne noch nicht alles – aber wenn wir die letzte Konsequenz reinbekommen, werden wir dem Gegner wieder wehtun.“

Die Umstellung ist freilich enorm, „wir hatten mit André Silva einen Torjäger, der fast in jedem Spiel getroffen hat“, findet Sow, gerade das Zusammenspiel mit Filip Kostic habe prächtig funktioniert. „Sie haben sehr gut harmoniert und die Tore fast im Schlaf gemacht.“ Nun sei der Spielstil verändert worden, „wir haben vorne mehr Bewegung“, aber eben auch weniger Torgefahr.

Die Neuen, findet auch Trainer Glasner, brauchen Zeit. Gegen Augsburg beorderte er vier Zugänge in die Startelf, „für drei von ihnen war die Bundesliga neu“, führt Glasner aus, „Es ist ganz normal, dass es ein bisschen dauert“, bis sich eins zum anderen fügt.

Eintracht Frankfurt: Glasner schiebt Prozess der Erneuerung konsequent an

Überraschend ist gleichwohl, dass der Umbruch doch größer ist als gedacht, obwohl es stets hieß, man wolle so wenig wie möglich verändern und keinen große Umwälzungen herbeiführen. Nach wenigen Wochen ist es anders gekommen. Ganz bewusst. Obwohl nur zwei Leistungsträger weg sind (André Silva, Amin Younes), schiebt Glasner den Prozess der Erneuerung konsequent an und nimmt etwaige Abstimmungsprobleme ohne Zähneknirschen hin. Er fördern die Neuen und scheut sich nicht, einen Kreativen wie Daichi Kamada auf die Bank zu setzen, obwohl der Japaner seine Befähigung, auf diesem Niveau prägend zu sein, schon nachgewiesen hat. Auch das jahrelang erfolgreich praktizierte System der Dreierkette hat Glasner nach eineinhalb Spielen kassiert. „Es ist ein Umbruch, der stattgefunden hat“, sagt der Erneuerer offen. Und zwar auf fast allen Ebenen. Wichtig ist ihm, den Saisonendspurt aus den Köpfen zu verbannen. „Es gerät ein bisschen in Vergessenheit, dass die letzte Phase der letzten Saison nicht die positivste war. Da nimmt man ein bisschen was mit rein. Wir sind gerade dabei, das final aufzuarbeiten.“

Glasner will diesen Weg weiter beschreiten, diesen Mut und den Willen hat er – Rückschlägen zum Trotz. Er erinnert an die Abgänge der Büffel Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller, und auch an die Startschwierigkeiten eines André Silva. „Jetzt wird immer gesagt, er hat 28 Tore gemacht, aber ich glaube, in seiner ersten Saison hat er die nicht erzielt. Da waren es zwölf.“ Glasners Resumee: „Eintracht Frankfurt hat es immer ausgezeichnet, sich immer wieder mal neu zu finden.“ Oder: neu zu erfinden. Von heute auf morgen geht das nicht, der rumpelige Saisonstart hat das gezeigt.

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