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Der Vorstand um Fredi Bobic hat exzellente Arbeit abgeliefert.

Sportliche Führung

Auf der Überholspur

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Eintracht Frankfurt steht so gut da wie seit Jahrzehnten nicht. Der Kommentar.

Um die beeindruckende Entwicklung von Eintracht Frankfurt angemessen zu dokumentieren, lohnt ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Besonders lange ist es nämlich nicht her, da stand der traditionsreiche Bundesligist aus dem Hessischen an der Schwelle zur zweiten Liga, 2016, Relegation in Nürnberg, späte Erlösung durch Haris Seferovic irgendwann in der zweiten Halbzeit. Schwein gehabt.

Und dann startete Fredi Bobic in Frankfurt, argwöhnisch beäugt, und er musste erst einmal den Mangel verwalten. Wie angespannt die Lage wirtschaftlich war, verdeutlicht die Tatsache, dass am Tag des zweiten Entscheidungsspiels in Nürnberg Privatpersonen Bürgschaften bei der DFL abgeben mussten, um das Schreckensszenario zweite Liga abzusichern. Bobic also kam und musste erst einmal Spieler verkaufen, das Budget für Neuzugänge? 2,7 Millionen Euro. Das ist so gut wie nichts.

Heute steht der Klub so gut da wie seit Jahrzehnten nicht, er boomt und prosperiert, er ist angesagt, tief im Herzen der Stadtgesellschaft verankert. Er befindet sich auf der Überholspur. Wirtschaftlich hat die Eintracht ein Rekordjahr hinter sich, alle Bestmarken pulverisiert.

Sportlich könnte es ebenfalls kaum besser laufen: In der Liga mischt der amtierende Pokalsieger um die internationalen Startplätze mit, auf europäischem Terrain gelangen ihm in acht Partien sieben Siege und ein Remis, am Donnerstag glückte in einem gigantischen Spektakel gegen Donezk der Einzug ins Achtelfinale – nach fast einem Vierteljahrhundert mal wieder. Ein Ausrufezeichen. Dass sich der Verein in Windeseile in diese Sphären katapultieren würde, war nicht zu erwarten, das ist überraschend. Aber kommt nicht von ungefähr.

Der Vorstand um Fredi Bobic und Alex Hellmann hat exzellente Arbeit abgeliefert, der eine, Sportchef Bobic, im Brennpunkt, der andere, Marketingboss Hellmann, eher hinter den Kulissen. Hinzu kommt ein ambitionierter Aufsichtsrat, aus dessen Reihen auch die wichtige Kapitalerhöhung in Höhe von 15 Millionen Euro gestemmt wurde. Die Eintracht macht sich nicht mehr klein, sie denkt mittlerweile wieder eher im großen Stil.

Die sportliche Führung hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren sehr, sehr viel richtig gemacht, wer Rohdiamanten wie Luka Jovic, Ante Rebic, Sebastien Haller ausgräbt, wer Evan Ndicka entdeckt, wer Danny da Costa und Filip Kostic beflügelt, der kann nicht so viel falsch gemacht haben. Und wer dann noch für den defensiven Kontrollfreak Niko Kovac den lässigen Offensivverfechter Adi Hütter verpflichtet, der hat nicht nur Mut, sondern eine klare Strategie. Sie hat die Eintracht nach oben gespült. Das ist kein Zufall.

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