Muss an seiner Athletik arbeiten: der Brasilianer Tuta.  
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Muss an seiner Athletik arbeiten: der Brasilianer Tuta.  

Zurück bei der SGE

Eintracht Frankfurt: Tuta auf Bewährung

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht-Verteidiger Tuta hat sich während seiner Leihe in Belgien wacker geschlagen und jetzt in Frankfurt eine Chance verdient.

Dieser Tage hat sich Lucas Silva Melo via Instagram öffentlich und ausführlich beim KV Kortrijk bedankt für all die Erfahrungen, die er hatte machen dürfen in dem knappen dreiviertel Jahr, er dankte dem Trainer, der ihm vertraut habe, den Fans, die ihn stets unterstützt hätten, alles in allem werde dieser Klub einen „ganz speziellen Platz“ in seinem Herzen einnehmen, schrieb der junge Brasilianer, seit Kindergartenzeiten Tuta gerufen.

Womöglich wird man, wenn die Karriere des jungen Innenverteidigers Tuta vielleicht eines Tages Fahrt aufgenommen hat, zurückdenken an diesen weitgehend unter dem Radar öffentlicher Aufmerksamkeit segelnden Klub in Westflandern, bei dem alles begann.

Tuta, seit kurzem 21 Jahre alt, hat sich den KV Kortrijk im August des vergangenen Jahres sicher nicht ausgesucht, vermutlich hat er vorher noch nie in seinem jungen Leben von diesem Verein in Belgien gehört, genauso wenig wie von der Jupiler Pro League, der ersten Liga. Er wollte in der deutschen Bundesliga durchstarten, wohin er in der Winterpause 2019 gewechselt war, vom großen FC Sao Paulo zu Eintracht Frankfurt. Ein erster großer Schritt in einer gerade beginnenden Karriere, 1,8 Millionen Euro (für 70 Prozent der Transferrechte) waren die Hessen bereit zu investieren. Es war ein Vorgriff auf die Zukunft, bis 2023 ist das Arbeitspapier datiert, Tuta ist das, was man einen Perspektivspieler nennt, ein Talent, das man entwickeln muss. Seit seinem neunten Lebensjahr spielt er beim Abonnementsmeister im Süden Brasiliens Fußball, seit er zwölf ist, will er Profi werden. Ehe er nach Deutschland ins Flugzeug stieg, hat er mit der U20 der Paulista die „Copinha“ gewonnen, den Pokal der Nachwuchsmannschaften, im Finale gegen Vasco da Gama hat er einen Elfmeter verwandelt.

In Frankfurt bei der Eintracht ist Tuta gewogen und zunächst für zu leicht befunden worden. Potenzial sei vorhanden, hieß es, er habe ein ordentliches Passspiel, eine gute Technik, sei stark in der Luft, aber er müsse noch lernen, insbesondere körperlich müsse er zulegen. „Junge Spieler“, sagt Sport-Vorstand Fredi Bobic gern, „brauchen Zeit.“ Und Spielpraxis. Die konnten sie ihm in Frankfurt nicht bieten, also wurde er ausgeliehen, nach Belgien.

„Überragendes Jahr“

Mit dem Nachbarland hat Eintracht Frankfurt beste Erfahrungen gemacht, ein Jahr zuvor war Daichi Kamada, für den der Sprung in die erste Mannschaft ebenfalls zunächst zu groß war, bei VV St. Truiden geparkt worden für eine Saison – und hatte dort mächtig aufgedreht. Zurück in Frankfurt entwickelt sich der Japaner immer mehr zu einem unverzichtbaren Leistungsträger, für Trainer Adi Hütter zählt Kamada zu den „positivsten Erscheinungen in diesem Jahr“. In etwa erhofft man sich eine ähnliche Entwicklung des talentierten Brasilianers.

In Belgien, sagte jetzt Bobic, habe Tuta „ein überragendes Jahr“ gehabt, er lobte dessen „tolle Entwicklung“ und freue sich darauf, den Verteidiger nach der Sommerpause wieder begrüßen zu können. „Wir werden ihn uns genau anschauen“, er könne durchaus „auch mal in die erste Elf kommen“.

Tatsächlich hat Tuta auch in Belgien im 70 000 Einwohner zählenden Städtchen erst einmal Anlaufschwierigkeiten überwinden müssen. In den ersten 15 Spielen kam er überhaupt nicht zum Zug, stand nicht einmal im Kader, dann aber gab er am 24. November im Spiel beim RSV Anderlecht sein Debüt, half mit, ein 0:0 zu ergattern – und spielte in den folgenden 18 Pflichtspielen stets von der ersten bis zur 90. Minute. Kurz ehe Anfang März das Virus auch in Belgien den Spielbetrieb stoppte, erzielte er sogar sein erstes Tor, in der Nachspielzeit gegen Zulte Waregem den 2:2-Ausgleich. Dummerweise wurde dann in Belgien die Saison abgebrochen. „Ich befand mich in einer guten Phase, ich hatte meinen Platz gefunden und Fortschritte gemacht“, sagte er unlängst bei SGE4ever. An Athletik und Präsenz freilich müsse er noch feilen. Die Vorbereitungszeit im Sommer will der 21-Jährige zu seiner Bewährung nutzen, da kann er zeigen, was er in Belgien gelernt hat.

Sollte er tun. Denn seine Chancen bei der Eintracht sind mittelfristig gar nicht so schlecht, David Abraham (33) und Makoto Hasebe (36) werden nicht jünger und spätestens im nächsten Jahr ihr Laufbahnen beenden. Und junge, technisch gute Verteidiger, haben bei Eintracht Frankfurt - siehe Evan Ndicka - allemal gute Karten.

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