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Kein glücklicher Auftritt in Frankfurt: Ralf Rangnick.
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Kein glücklicher Auftritt in Frankfurt: Ralf Rangnick.

SGE

Eintracht Frankfurt: Treffen mit Ralf Rangnick läuft aus dem Ruder

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Die erste Gesprächsrunde zwischen Eintracht Frankfurt und Ralf Rangnick mündet in einem öffentlichen Nachspiel. Die SGE dementiert Silva-Klausel und Absprache mit Kostic.

Frankfurt – Es sind in der Tat „bewegte Tage“, die hinter und vor Eintracht Frankfurt liegen, wie der Vorstandssprecher Axel Hellmann jüngst sagte. Sportlich in der Bundesliga, und da will sich der Klub sechs Spieltage vor Schluss nicht mehr die „Butter vom Brot“ nehmen lassen und die Champions League klarmachen.

Dazu wäre am Samstagnachmittag (live um 15.30 Uhr) ein Erfolgserlebnis sicherlich hilfreich, die Hessen treten bekanntlich bei Borussia Mönchengladbach an, dem künftigen Arbeitgeber des Trainers Adi Hütter, womit diese Partie zusätzlich an Brisanz gewinnt. Der scheidende Coach („Ich trage Frankfurt im Herzen“) freilich will diese Brisanz nicht sehen. „Warum soll es jetzt schwerer werden?“, fragte er rhetorisch, die Aufgabe in Gladbach wäre auch kompliziert, „wenn ich geblieben wäre“.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter ist weiter motiviert

Er, Hütter, wisse, dass die Mannschaft weiterhin heiß, motiviert und willig sei, „Außergewöhnliches“ zu schaffen. Seit Mittwoch sei „wieder alles normal, die marschieren, die gehen“, man habe überragend gut trainiert. Ob der angekündigte Abschied des Fußballlehrers wirklich keinen Einfluss auf die samstäglichen 90 Minuten im Borussen-Park hat, wo Adi Hütter noch nie gewonnen hat, weder mit der Eintracht noch mit Young Boys Bern, wird sich zeigen. Und auch in seinem eigenen Interesse sollte der Noch-Trainer der Frankfurter die Gladbacher nicht weiter in der Tabelle vorkommen lassen: Dann wären in der neuen Saison die Fußstapfen für ihn nicht besonders groß. Riesig wäre für ihn jedoch die Fallhöhe gewesen, wenn er in Frankfurt geblieben wäre. So hat er es empfunden, wohl einer der Gründe für den unerwarteten Abschied Ende Mai.

Bewegte Tage auch bei der Suche nach einem Nachfolger von Sportvorstand Fredi Bobic: Und dabei scheint eine erste Verhandlungsrunde mit dem Kandidaten Ralf Rangnick komplett aus dem Ruder gelaufen zu sein – zumindest im Nachgang. Es kam zu Indiskretionen, Durchstechereien und Verdrehungen. Es ist selbst in diesem Geschäft, in dem die Sitten längst verroht sind, durchaus ungewöhnlich, dass eine Seite, nämlich die des 62 Jahre alten Ralf Rangnick, aus Ärger über das Scheitern des ersten „informellen Austausches“, wie Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer das Gespräch nannte, reihum die örtlichen Medien plus Agenturen telefonisch abklappert und brühwarm und - aus Eintracht-Sicht - falsch über das Meeting informiert. Es ist unseriös, Inhalte eines vertraulichen Gesprächs weiterzugeben oder sogar zu verdrehen.

Eintracht Frankfurt: Chemie mit Ralf Rangnick stimmt nicht

Unstrittig ist, dass es im Vorfeld bei Eintracht Frankfurt Vorbehalte gegen Ralf Rangnick gab, dessen Dominanz und Allmachtsanspruch bei vielen auf Ablehnung stößt. Doch der Mann war frei, er hatte sehr deutlich Interesse bekundet, er drängte sich förmlich auf, und wer im RB-Imperium eine bedeutende Rolle gespielt hat, zudem beim AC Mailand und dem Deutschen Fußball-Bund gehandelt wurde, mit dem könne man sich mal unterhalten, war die Auffassung der Eintracht. Ein erstes Treffen war für den Donnerstag dieser Woche geplant, nachdem dieser Termin aber öffentlich wurde, hatte ihn der Frankfurter Aufsichtsratschef Philip Holzer auf Mittwoch verschoben. An dem Gespräch in der Nähe des Frankfurter Palmengartens nahmen lediglich Holzer, Rangnick sowie Aufsichtsrat Stephen Orenstein teil.

Rasch wurde deutlich, dass die Chemie nicht stimmte. „Beide Seiten haben recht schnell gespürt, dass es unterschiedliche Auffassungen zur Ausrichtung eines Traditionsklubs wie Eintracht Frankfurt gibt“, teilte Holzer anderntags mit. „Irritiert“ sei er vor allem über die im Nachgang „gezielt an die Medien kolportierten, falsch wiedergegebenen Gesprächsinhalte“.

In der Unterredung am Mittwoch hatte Rangnick unter anderem behauptet, er wisse von einer Klausel bei Topstürmer André Silva, der für 30 Millionen Euro den Klub verlassen dürfe, sei im Bilde über eine Zusage, wonach Filip Kostic im Sommer gehen könne und wollte zudem die Frankfurter Aktionärsstruktur aufbrechen, um mehr Kohle zu generieren. Das wurde von der Eintracht-Seite umgehend für ausgeschlossen erklärt, zudem darauf hingewiesen, dass beim Klub durch die Corona-Krise zwar ein Verlust von 40 Millionen Euro zu Buche schlage, er aber im Vergleich zu ähnlichen Vereinen sehr gut aufgestellt sei. Finanzielle Engpässe gäbe es keine, Geld sei sehr wohl vorhanden, aber nicht im Überfluss, so dass mögliche Einnahmen angesichts der Pandemie nicht automatisch in vollem Umfang reinvestiert würden.

Eintracht Frankfurt: Rangnick plaudert interne Gesprächsinhalte aus

Dass lediglich fünf Millionen Euro pro Neuzugang zur Verfügung stünden, wie die Rangnick-Seite anderntags erklärte, entspreche jedoch keinesfalls den Tatsachen. Auch könne von einer erheblichen Schwächung des Kaders in der neuen Saison keine Rede sein, und eine von der Rangnick-Partei verbreitete angeblich geplante Reduzierung des Spielerbudgets, ist ohnehin Nonsens. Weshalb sollte der Verein den Etat verschlanken, wenn er erstmals in der Champions League antreten würde und sich wesentlich breiter aufstellen müsste. Völlig absurd.

Und: Die bei André Silva im Vertragswerk eingebaute fixe Ausstiegsklausel existiert in dieser Form nicht, es handelt sich eher um einen Modus Vivendi, wonach der Stürmer den Klub verlassen könnte, sollten gewisse Bedingungen erfüllt sein. Die Ablösesumme würde sich zudem eher klar in Richtung 40 Millionen Euro bewegen. In Zeiten wie diesen eine enorme Größenordnung.

Großer Ärger bei Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt: Absage an Rangnick

Kostic wiederum ist bis 2023 gebunden, von mündlichen Nebenabreden haben weder Vorstand noch Aufsichtsrat der Eintracht Kenntnis. Wenn der Serbe gehen wollte, müsste ein Verein tief in die Tasche greifen. Mindestens 25 Millionen Euro stehen im Raum. „Insbesondere entsprechen die aus dem Treffen übermittelten Inhalte zu konkreten Themen wie etwaige Ausstiegsklauseln und Kaderplanung nicht den Tatsachen“, betonte Philip Holzer am Freitag hochoffiziell. Der Ärger bei den Eintracht-Verantwortlichen ist enorm groß.

Am Mittwoch jedenfalls trennte man sich ergebnislos, wollte nach der Englischen Woche telefonieren, auch wenn die Eintracht keine Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit sah. Als aber am Donnerstag erste Medien über dieses - eigentlich geheime - Treffen berichteten, rief Philip Holzer den sehr breitbeinig auftretenden Rangnick an und sagte ihm definitiv ab. Eine Absage, die Rangnick laut Frankfurter Lesart hochgradig verärgert habe. Der sehr selbstbewusste Fußball-Impresario fühlte sich offenbar verladen und hingehalten, was zu einem Schachern hinter den Kulissen führte und zu den anschließenden Indiskretionen. Bewegte Tage in Frankfurt, ganz zweifelsfrei. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

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