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Frederik Rönnow zeigt bisher gute Leistungen, doch wird ihm das was nutzen?

Torhüter

Eintracht Frankfurt: Der Kampf um die Nummer eins

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Bei Eintracht Frankfurt zeigt Frederik Rönnow gute Leistungen, doch ein gesunder Kevin Trapp wird ihn wieder ablösen.

Am späten Montagabend, als Dänemark durch ein erbittert erkämpftes 1:1 im irischen Dublin das Ticket für die Europameisterschaft 2020 löste, saß der Frankfurter Schlussmann Frederik Rönnow dick eingemummelt auf der Ersatzbank. Klar, als die Qualifikation in einem wahrhaftigen Krimi dann geschafft war, alle Dämme brachen und die Dänen jubelten, als gebe es kein Morgen mehr, da war auch Rönnow mittendrin, hopste und sang und johlte. Doch eine Hauptrolle spielt der 27-Jährige in der Landesauswahl nicht.

Dann schon eher die Nummer eins im Kasten, Kasper Schmeichel, der mittlerweile auch schon 33 Jahre alte Sohn der dänischen Torwartlegende Peter Schmeichel. Auch Kasper Schmeichel ist längst eine Ikone in seinem Heimatland, ein herausragender Keeper obendrein. An ihm, dem Torwächter des einstigen englischen Sensationsmeisters Leicester City, kommt Frederik Rönnow einfach nicht vorbei, da kann er machen und tun und halten, was er will.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der 1,90-Meter-Mann genau ein Länderspiel absolvieren dürfen, ein trostloses 0:0 in der Nations League gegen Irland. Das war’s für lange Zeit.

Eintracht Frankfurt suchte Ersatz für Lukas Hradecky

Rönnow kennt sich mit dieser ungeliebten Rolle aus. In Frankfurt saß er fast eineinhalb Jahre auf der Bank, war erst, als er für Lukas Hradecky kam, verletzt, dann wackelte er bedenklich und konnte die Zweifel an seiner Bundesligatauglichkeit nicht zerstreuen, so dass die Eintracht-Verantwortlichen im Spätsommer 2018 reagierten und den einstigen Frankfurter Schlussmann Kevin Trapp zunächst auf Leihbasis von Paris Saint Germain loseisten und ihn später für nicht gerade wenig Geld fest verpflichteten. Rönnow schaute in die Röhre. 

Das vorläufige Ende der noch immer aktuellen Geschichte ist aber ebenfalls bekannt: Trapp verletzte sich Ende September beim 2:1 an der Alten Försterei in Berlin an der Schulter, musste operiert werden und bereitete sich jetzt im angenehmer temperierten Katar auf sein Comeback vor. Rückkehr ungewiss.

Eintracht Frankfurt: Frederik Rönnow - Ein Typ ohne Allüren

Konkurrent Rönnow, der Schlaks, hat seine Chance dieses Mal am Schopf gepackt, gleich in seinem ersten Bundesligaspiel in dieser Saison zeigte er eine überragende Vorstellung, beim 3:0 gegen Bayer Leverkusen war der Keeper einfach nicht zu überwinden, zeigte eine fabelhafte Darbietung. Und es gab keinen, der dem liebenswerten und freundlichen Familienvater diese Performance nicht gegönnt hätte. Rönnow ist ein erdverbundener Typ, reflektierend und auch lustig, einer mit hintergründigem Humor, der auch über sich selbst lachen kann, er ist ein Fußballprofi ohne jedwede Allüren, Starkult ist ihm absolut fremd.

„Freddy ist ein super Typ“, sagt sein Kollege Jan Zimmermann über den Nationaltorwart. „Wir haben uns vom ersten Tag an super verstanden. Deshalb freut man sich umso mehr, wenn er so einen Spotlighttag wie gegen Leverkusen hat. Er hatte hier eine schwere Zeit, das darf man nicht vergessen, die Leute haben nach dem schwierigen Start an ihm gezweifelt, ihn schlechter gesehen als er ist.“

Eintracht Frankfurt: Frederik Rönnow mit Schwächen im Strafraumspiel 

Inzwischen hat der leidenschaftliche Koch und Klavierspieler gezeigt, dass er auf diesem Niveau sehr wohl mithalten kann. Er hat in seinen bisherigen neun Pflichtpartien zwar schon zwölf Tore kassiert (und zweimal eine weiße West bewahrt), aber wirkliche Fehler nicht gemacht, er wirkt souverän und sicher, hält schwierige Bälle fest und lässt sie nicht abprallen.

Klar, in der Strafraumbeherrschung hat er noch Defizite, das liegt vielleicht auch an seiner Statur, er ist doch eher schmächtig, obwohl er in Frankfurt schon an seiner Physis und Stabilität gearbeitet hat. Das war auch dringend nötig. „Ich habe ihm den Tipp gegeben, vielleicht doch mal ein bisschen häufiger in den Kraftraum zu gehen. Den hatte er, bis er zur Eintracht kam, noch nicht so oft gesehen“, erzählte Zimmermann neulich mal schmunzelnd.

Rönnows größte Stärke sind seine Reflexe, seine Reaktionsschnelligkeit ist außerordentlich, auf der Linie ist er flink und geschmeidig wie eine Katze. Auch fußballerisch spielt er auf einem ordentlichen Level manierlich mit. Beim sensiblen Nordeuropäer kommt noch ein wichtiger Faktor dazu: das Selbstvertrauen. Erstmals spürt er, dass er wichtig ist und ihm Vertrauen entgegengebracht wird, das ist für einen nachdenklichen Menschen wie ihn von enormer Bedeutung. Geholfen hat ihm vor allem sein Kollege Jan Zimmermann, ohnehin so etwas wie der Vater der Kompanie. Längst sind beide dick befreundet. „Zimbo hat sich von Anfang an um mich gekümmert, war für mich ein Mentor, Übersetzer und Helfer in einem. Wir sprechen viel miteinander.“ Sie spielen zudem gemeinsam mit Sebastian Rode und neuerdings auch Bas Dost leidenschaftlich gerne Skat. Rönnow hat seinen Platz in Frankfurt gefunden.

Eintracht Frankfurt: An Kevin Trapp wird Rönnow nicht vorbei kommen

Aber die Frage ist, wie lange er seine Position zwischen den Pfosten verteidigen kann. Natürlich hat er sich nach oben gearbeitet, einen anderen Stellenwert erlangt, doch auf Strecke gesehen wird er an Nationaltorwart Kevin Trapp nicht vorbei kommen. Das liegt nicht nur an den torwartspezifischen Fähigkeiten, sondern auch an der Hierarchie, an den Gegebenheiten im Verein. Trapp ist nicht irgendein Spieler, er ist ein Pfeiler im Eintracht-Konstrukt, er ist eloquent, sieht gut aus, bringt auch durch seine Verlobte, das Model Izabel Goulart, einen gewissen Glamourfaktor nach Frankfurt. Der 29-Jährige soll das Aushängeschild des Klubs werden, so etwas wie ein spielender Markenbotschafter.

Es war kein Zufall, dass die Eintracht ihn neben Kapitän David Abraham zur symbolischen Grundsteinlegung des Proficampus, ihrem Leuchtturmprojekt, als Öffentlichkeitsarbeiter und Gesicht des Klubs mitnahm. Trapp ist auch der legitime Nachfolger von David Abraham als Mannschaftsführer, um die Binde gab es nach dessen Aussetzer gegen Christian Streich ja jetzt schon einige Diskussionen. Trapp wäre qua seines Status‘ und seiner Persönlichkeit der logische Kapitän, er war es schon einmal, ehe er sich nach Frankreich verabschiedete. Auch Sebastian Rode wäre ein Kandidat, sollte Abraham die Binde mal nicht mehr tragen.

Trapp wird, wenn er wieder vollständig fit ist und zu alter Stärke gefunden hat, in den Kasten zurückkehren, auch wenn Rönnow ihm im Nacken sitzt und der Druck auf den Stammkeeper gewiss gewachsen ist. Aber den muss ein Profi auf diesem Niveau und von diesem Format aushalten. Trapp, das darf man nicht vergessen, ist ein hervorragender Torwart, extrem ehrgeizig und manchmal sogar etwas zu verbissen. Er ist anerkannt, sein Wort hat Gewicht in der Kabine.

Eintracht Frankfurt: Frederik Rönnow ist ein guter Schlussmann

Wann der polyglotte Keeper aber wieder in der Verfassung sein wird, um in sein angestammtes Revier zurückzukehren, steht in den Sternen. Der Plan, dass er mit ins Trainingslager nach Florida im Januar fliegt, steht, aber es wäre auch keine Überraschung, wenn er erst im Frühjahr wieder vollends hergestellt wäre. Mit dieser Verletzung ist, gerade als Torwart, nicht zu spaßen. Auch mental muss man die Situation annehmen und die Angst besiegen. Das ist nicht zu unterschätzen.

Und Frederik Rönnow? Er hat, so oder so, gezeigt, dass auf ihn Verlass und er ein guter Schlussmann ist. Das wird ihm helfen, entweder in Frankfurt – oder bei einem neuen Verein. Denn von der Bankhockerei hat er so ziemlich die Nase voll.

Von Ingo Durstewitz

Vor der 0:2-Schlappe gegen den VfL Wolfsburg hatte sich Sportvorstand Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt mit einem Sky-Reporter gezofft. Das Thema: David Abraham.

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