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Jubeltraube: Irgendwo dazwischen muss sich auch 1:0-Schütze Almamy Touré befinden.  

Überraschungserfolg

Eintracht Frankfurt zieht sich aus dem Sumpf

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verteidigt leidenschaftlich - aber erst, als sie neuen Mut findet, zwingt sie Tabellenführer RB Leipzig in die Knie. Personell nachrüsten will man trotzdem.

  • Eintracht Frankfurt gewinnt gegen RB Leipzig
  • Die Hessen sind erst nach der Pause im Spiel
  • Sportchef Bobic rechnet mit Neuzugang

Es hat eine Menge Leute gegeben, die hielten einen Fehlstart von Eintracht Frankfurt angesichts des recht knackigen Rückrundenauftaktprogramms mit Spielen gegen Schwergewichte wie TSG Hoffenheim und RB Leipzig für ausgesprochen wahrscheinlich. Viele Punkte würden die ausgangs der Hinserie ermüdet wirkenden und arg ins Straucheln geratenen Hessen da wohl nicht holen, unkten Beobachter, auch wohlmeinende. Ganze 180 Minuten später und nach zwei erstaunlichen Siegen konnte sich Sportvorstand Fredi Bobic am Samstagabend lächelnd in die Mixed Zone stellen und unwidersprochen von „einem Superstart“ sprechen.

Eintracht Frankfurt vor den Augen von Joachim Löw im Glück

Der ist Eintracht Frankfurt in der Tat gelungen, der selbst noch nach den ersten 45 Minuten nicht erwartete 2:0 (0:0)-Erfolg gegen TabellenführerRB Leipzig hat die ärgsten Frankfurter Probleme fürs Erste gelöst, der ganze große Druck ist erst einmal entwichen. Die Lage im Frankfurter Stadtwald kann wieder in Pastellfarben gezeichnet, der Blick vorsichtig nach oben gerichtet werden. Es hätte deutlich schlimmer kommen können, darüber sind sich alle im Frankfurter Lager einig.

Dabei deutete nach der ersten Halbzeit vor den Augen des Bundestrainers Joachim Löw nichts, aber auch gar nichts auf einen Eintracht-Erfolg hin. „Zur Halbzeit war ich froh, dass es 0:0 stand“, sagte Bobic, über ein 0:2 oder gar 0:3 hätte sich kaum einer beklagen können. Die „momentan beste deutsche Mannschaft“, wie der Frankfurter Mittelfeldmann Djibril Sow die Gäste nannte, befand sich klar auf der Gewinnerstraße, einen Pfifferling gab nach der ersten sehr hasenfüßigen Halbzeit eigentlich niemand mehr auf die Hessen. Wie man sich da täuschen kann. Und gut, dass es zwei Halbzeiten gibt.

Eintracht-Trainer Adi Hütter musste nicht viel sagen

Eigentlich hatte der Frankfurter Trainer Adi Hütter in der Halbzeitpause gar nicht viel sagen brauchen, schon gar nicht hatte er besonders laut werden müssen. Die Mannschaft habe sehr wohl selbst gespürt, dass sie so nicht würde weiterspielen können, gab der Fußballlehrer hinterher, als RB Leipzig, „die Mannschaft der Stunde“, längst entzaubert worden war, ein paar Einblicke in den inneren Zirkel der Kabine. Dabei hatte alle Welt geglaubt, Adi Hütter hätte ein wahres Donnerwetter vom Stapel gelassen, hätte sein Team in der Pausenviertelstunde auf links gedreht - so verändert war seine Mannschaft zu den zweiten 45 Minuten auf den Rasen gekommen. Ein paar Dinge, klar doch, habe er angesprochen, normale Traineransprache, nichts Außergewöhnliches. Und doch spielte plötzlich gefühlt eine andere Mannschaft mit. Und nicht nur RB Leipzig.

Was Hütter so gar nicht gefallen hatte, war diese Ängstlichkeit und mangelnder Mut seiner Spieler, verschüchtert und auch gedanklich schwerfällig hatten sie agiert. „Wir mussten“, sagte Mittelfeldrenner Sebastian Rode, „viel leiden“. Hütter wollte zwar nicht vom „Kaninchen vor der Schlange“ reden, weil die Frankfurter Profis nicht wie paralysiert wirkten. Stattdessen verteidigten sie mit einer erstaunlichen Geschlossenheit und Kompaktheit, gemeinschaftlich und voller Leidenschaft. Aber am Spiel selbst nahmen die Hessen in den ersten 45 Minuten quasi nicht teil, oft droschen sie die Kugel nur aus der Gefahrenzone, an einen geordneten Spielaufbau, ja überhaupt eine Kombination über mehrere Stationen, war nicht zu denken. 

Eintracht Frankfurt: Taktisch dizipliniert

Nach vorne ging nichts. Ein einziges Mal musste der Leipziger Torwart Peter Gulacsi eingreifen, als er einen harmlosen Hackentrick von David Abraham in die Hände bekam (38.) – mehr Angriffslust auf Frankfurter Seite gab es nicht. „In der ersten Halbzeit waren wir klar unterlegen“, sagte Hütter, Leipzig „hatte alles im Griff“, assistierte Bobic und zählte 68 Prozent Ballbesitz bei den Gästen. „Schlampig“ habe man gespielt, „nicht bissig“, dazu viel zu viele Bälle verloren, senkte der Fußballlehrer den Daumen. „Das hat mir gar nicht gefallen.“ Allerdings: Die Hausherren überzeugten, wie schon in Hoffenheim, durch ein taktisch sehr diszipliniertes Auftreten. Die im Trainingslager in den USA ausgeheckte Umstellung auf eine Viererabwehrkette hat sich bewährt. „Wir haben unheimlich gut verteidigt“, sagte Rode über die neue Frankfurter Stabilität.

Erst als die Frankfurter ihr Herz in beide Händen nahmen und mutiger nach vorne spielten, drehte sich das Blatt. Knackpunkt dieser Partie war sicher das wunderschöne Tor zum 1:0 (48.) durch Almamy Touré, das den Spielverlauf zwar auf den Kopf gestellt, der Eintracht aber frisches Selbstvertrauen gegeben hatte. Im gleichen Maß wie die Hessen stärker wurden, ließen die Sachsen nach. Filip Kostic, ohnehin offensiv der einzige, der Gefahr versprühte - drei der sieben Frankfurter Torschüsse kamen von ihm - machte mit dem 2:0 in der vierten Minute der Nachspielzeit den Deckel drauf und einen nicht erwarteten Sieg fest.

Eintracht Frankfurt: Auf der Suche nach einem Sechser

Erstaunlicherweise zieht sich Eintracht Frankfurt in den Begegnungen gegen Mannschaften aus der oberen Hälfte deutlich besser aus der Affäre als gegen Teams wie Hertha, Köln oder Paderborn. Sowohl Bayer Leverkusen (3:0), Bayern München (5:1) und jetzt Leipzig, die zuletzt im Oktober eine Niederlage quittieren mussten und acht ihrer neun letzten Partien gewannen, wurden geschlagen. Gegen Borussia Dortmund gab es eine respektables 2:2. Diese Stärke ist auch Fredi Bobic nicht verborgen geblieben: „Wir tun uns einen Tick leichter gegen Teams, die auch Fußball spielen wollen.“ Da bieten sich plötzlich Räume zum Bespielen an, es gibt Platz für Kombinationen.

Hinzu kommt freilich auch, dass das Spielglück zurückgekehrt ist. „In der Hinrunde wäre der eine oder andere Ball noch hinten reingefallen“, sagte Bobic. Allein 22 Mal hatten die Leipziger am Samstagnachmittag aufs Tor geschossen - ohne Schaden anzurichten. Auf der anderen Seite erzielte die Eintracht mit dem ersten gefährlichen Schuss aufs Sachsen-Tor die Führung, ein Tor, das neuen Mut, neues Selbstvertrauen und offenbar Flügel verlieh. „Es geht nichts über Erfolgserlebnisse“, findet Bobic, der trotz des gelungenen Rückrundenauftakts weiterhin den Transfermarkt im Auge behalten will. „Wir wollen noch etwas auf der Sechser-Position machen“, sagt er. Bis zum kommenden Freitag, 18 Uhr, ist das Wechselfenster noch geöffnet.

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