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Fachgespräch: Hasebe und Glasner. Foto: Hübner
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Fachgespräch: Makoto Hasebe und Oliver Glasner.

SGE in der Saisonvorbereitung.

Eintracht probt die Viererkette – auf dem Schachbrett

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Oliver Glasner übt die Abwehrarbeit ein – dabei geht es nicht nur ums System, sondern vor allem um die entscheidenden ein, zwei Meter

Frankfurt – In dieser Trainingswoche, am Mittwoch war’s, schnappte sich Oliver Glasner seinen Erfahrensten, Makoto Hasebe, bereits 37, jedenfalls behauptet das dessen Pass, gefühlt ist er doch einige Jährchen jünger – heißen Badewannen, japanischer Kost und vermutlich auch guten Genen sei Dank. Bereits in seine 14. Bundesligasaison startet Hasebe bald. Glasner, Trainer von Eintracht Frankfurt, und der Musterprofi machten es sich also mitten auf dem Übungsplatz bequem. Beide auf einem Ball sitzend, plauderten sie eine ganze Weile miteinander, fast 20 Minuten. Glasner hatte den größeren Redeanteil, Hasebe hörte zu und warf so manchen Gedanken ein.

Der Trainer zeigte denn auch mal mit den Fingern auf die Wiese, zog einige Grashalme heraus, bewegte sie von rechts nach links. Und wieder zurück. Taktikbesprechung mit Rasen? Oder doch nur die Frage, ob denn die rechte oder linke Strandliege im Urlaub bequemer war? Man weiß es nicht, ahnt es nur und hätte gerne Mäuschen gespielt beim Fußball-Hasen und dem Trainer-Fuchs.

Eintracht Frankfurt: Glasner probiert viel aus

Klar ist, dass Glasner viel vorhat mit seinem Team in der kommenden Runde, er kündigte zwar einerseits an, nicht allzu sehr am vorherigen Erfolgsmodell zu rütteln, andererseits möchte er der angriffslustigen Frankfurter Truppe „mehr defensive Stabilität“ verleihen. Dafür sind dann doch einige Impulse nötig. Und womöglich auch eine veränderte taktische Grundordnung.

Die Viererabwehrkette wird eng verbunden mit den Vorlieben des Fußballlehrers – was ja auch richtig ist und gleichzeitig eben auch wieder nicht. „Ich bin da völlig vorbehaltlos, habe schon alles spielen lassen in meiner Karriere“, sagt Glasner. In Ried, bei seiner ersten Station, funktionierte das 4-4-2-System nicht, also stellte der Österreicher um auf 3-5-2. Später in Linz stieg er mit einem 4-4-2 in die erste Liga auf, um dann mit Erfolg auf ein 3-4-3 zu wechseln. Zuletzt in Wolfsburg schließlich feierte Glasner mit vier Männern in der Verteidigung den Einzug in die Champions League, nachdem er es anfangs aber erst einmal mit einer defensiven Dreierreihe probierte. Stur, das wird klar, ist Glasner bei diesem Thema nicht.

Bei der Eintracht ließen die Trainer Niko Kovac und Adi Hütter ihre Teams hauptsächlich mit drei Abwehrleuten auflaufen, mit der Vorgabe an die Außenflitzer bei hohem Gegnerdruck die Flanken zusätzlich zu schließen. Systemwechsel (zum Beispiel im Winter 2020 unter Hütter) verfingen sich da nur für kurze Zeit. Probiert es Oliver Glasner jetzt dennoch? Ja.

Eintracht Frankfurt: Glasner legt viel Wert auf die Defensive

Im Training üben die Frankfurter derzeit recht intensiv das Spiel in der für sie vergleichsweise ungewohnten Grundordnung. Auch an diesem Samstag (16 Uhr) im Testspiel gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden wird ziemlich sicher weiter daran gefeilt, wenngleich Glasner betont, auch die altbekannte Aufreihung (3-4-2-1) weiterhin einzuüben. Jedes System habe schließlich seine Stärken und Schwächen, holt der Coach zur Erklärung aus: „Es geht für uns jetzt darum, die Mannschaft kennenzulernen. Was passt zu ihr? Womit fühlt sie sich wohl?“ Ohnehin seien statt der Systemfrage andere noch wesentlicher: „Wie legen wir die richtigen Verhaltensweisen an den Tag? Wo wollen wir den Gegner hinlenken? Wie herrscht eine größtmögliche Synchronität im Defensivverhalten? Wer unterstützt wen und wann?“ Nicht umsonst hat Glasner die beiden Rasenplätze hinter der Haupttribüne fürs Taktiktraining mit einem schachbrett-artigen Muster markieren lassen. Ihm (und vermutlich vielen anderen Bundesligatrainern) geht es um die Feinheiten.

Ragnar Ache reist zu Olympia

Eintracht-Stürmer Ragnar Ache reist zu den Olympischen Spielen nach Tokio. Der 22-Jährige wurde für das deutsche Aufgebot nachnominiert, weil der Neu-Augsburger Niklas Dorsch lieber bei seinem Klub trainiert statt in Japan zu kicken. Für den verletzten Josha Vagnoman (Hamburger SV) rückt Keven Schlotterbeck (SC Freiburg) ins Team. Ache, vergangenen Sommer zur Eintracht gewechselt, erlebte eine schwierige Premierensaison mit vielen Verletzungen. Am letzten Spieltag erzielte er sein erstes Pflichtspieltor. Olympiatrainer Stefan Kuntz kennt den gebürtigen Frankfurter aus der U21. „Ragnar wird diese Erfahrung sehr genießen“, sagt Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche und bekräftigt: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir hier mit einer Abstellung unterstützen.“

Ein Beispiel: Als Glasner mit Wolfsburg zuletzt in Frankfurt antrat, guckte er sich den Raum im Rücken des Eintracht-Flügelrenners Filip Kostic als Zielpunkt vieler eigener Offensivaktionen aus. Dorthin, zwischen dem offensiven Linksaußen und dem häufig zur Mitte tendierenden linken Verteidiger Evan Ndicka, sollten die Bälle kommen und seine Spieler stehen. Sie sollten sich im Halbraum anbieten, um dann mit Ball über den Flügel loszudribbeln. Zwar verlor Wolfsburg das hochklassige Spiel im Eintracht-Stadion (3:4), nicht umsonst aber war Ridle Baku, Wolfsburgs Rechtsaußen und damit der direkte Gegenspieler von Kostic und Ndicka, einer der auffälligsten Profis auf dem Feld.

Eintracht Frankfurt: Glasner will Automatismen einüben

Nun ist es ja nicht so, dass noch nie ein Trainer auf die Idee gekommen wäre, den Offensivdrang von Kostic zu eigenen Zwecken auszunutzen, im Gegenteil, bei Trainer Oliver Glasner aber liegt die Crux im Detail. Ob sich ein Spieler, in diesem Fall war es Baku, zwei, drei Meter weiter innen oder außen anbietet – darauf kommt es für ihn an, das kann ein ganzes Spiel verändern. In Glasners Worten: „Was ist auf der Ballseite zu tun, was auf der Ball entfernten Seite? Welche Räume wollen wir in der Offensive attackieren? Wie kommen wir hinter die gegnerische Abwehrkette? Wie positionieren wir uns im Strafraum? Wie sichern wir ab?“ Fragen über Fragen, die nun durch Trainingsfleiß gemeinsam beantwortet werden müssen.

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„Er legt großen Wert darauf, wie wir anlaufen, wie wir den Gegner unter Duck setzen können oder welche Räume wir zumachen müssen“, hat Rechtsverteidiger Timothy Chandler längst erkannt. Es geht dann also weniger um die Frage des Systems, sondern des Verhaltens innerhalb des Systems. „Dazu hören die Spieler im Moment sehr viel von uns“, sagt Michael Angerschmid, Co-Trainer und engster Vertrauter Glasners. Die Übungseinheiten werden gefilmt, das Videomaterial hinterher ausgewertet und in einzelnen Sequenzen den Spielern präsentiert. „Wir wissen aus unseren Erfahrung, dass das ein Entwicklungsprozess ist, der eine Weile dauern kann“, sagt Angerschmid. Irgendwann aber solle es so sein, „dass die Spieler nicht mehr nachdenken müssen, sondern die Laufwege und Verhaltensweisen automatisiert sind.“

Bei Makoto Hasebe freilich sollte der Umstellungsprozess schnell gehen. Der junggebliebene 37-Jährige hat hinten schon fast alles gespielt. Rechter Verteidiger in der Viererkette, Libero in der Dreierreihe, Sechser vor der Abwehr. Taktikerklärungen bedarf es da eher nicht. Ging’s also doch um den Sommerurlaub? (Daniel Schmitt)

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