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Oliver Glasner, neuer Trainer von Eintracht Frankfurt
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Alles tanzt nach seiner Pfeife: Oliver Glasner, neuer Trainer von Eintracht Frankfurt, gibt nun die Richtung vor.

SGE

Eintracht Frankfurt: SGE-Trainer Glasner plant die Überforderung

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Was dürfen die Spieler von Eintracht Frankfurt von ihrem neuen Trainer Oliver Glasner in den Übungseinheiten erwarten?

Schon als Spieler, 15, 20 Jahre ist das jetzt locker her, soll er wie ein Trainer gedacht und manchmal auch gehandelt haben. Oliver Glasner, damals Verteidiger und kickende Klublegende bei der SV Ried (568 Pflichtspiele) soll dann schon mal das Wort ergriffen haben in den Halbzeitpausen. Er, der Spieler, und nicht der Trainer. Es wird erzählt, dass der Mannschaftskapitän nicht nur auf dem Feld regelmäßig Anweisungen an seine Teamkameraden gab, sondern eben ab und an auch in jenen Minuten, in denen eigentlich der Fußballlehrer das Sagen hat. Glasner streute die Wortmeldungen natürlich nicht nach seinem eigenen Gusto ein, entschied das nicht über den Trainer hinweg, sondern: Er durfte es, es war erwünscht, weil der Rest der Truppe dem erfahrenen Profi vertraute, wusste, dass die Hinweise Hand und Fuß hatten.

Kommende Saison, wenn Glasner zwar noch immer Rekordspieler in Ried ist, längst aber seine aktive Karriere hinter sich gelassen hat, dürfte eine derartige Konstellation zwischen Übungsleiter und kickendem Personal kaum mehr herrschen. Der Trainer Oliver Glasner hat nun mal keinen Spieler Oliver Glasner in seinem Team, er hört seinen Profis zwar ganz genau zu, versucht dadurch, Schwingungen aufzunehmen. Auch dürfen gerade die erfahrenen Profis ab und an Worte an die Kollegen richten, das ist wichtig fürs Binnenklima. Alles in allem aber gilt: Der Chef ist der Chef, und der heißt Glasner.

Eintracht Frankfurt: Etliche Nationalspieler fehlen beim Auftakt

Am Dienstag (29.06.2021) beginnt offiziell die Zeit des Österreichers beim hessischen Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Dann trudelt ein Teil der Mannschaft im Stadtwald ein, um die obligatorischen Leistungstests hinter sich zu bringen, während der vom VfL Wolfsburg nach Frankfurt gewechselte Trainer sich um 11 Uhr erstmals den Frankfurter Medien stellt. Ab Donnerstag, 1. Juli, übt die Eintracht dann wieder auf dem Rasen im Schatten des Stadions. Fans sind nicht zugelassen, ein Trainingslager gibt es in diesem zweiten Corona-Sommer nicht. Der Kader freilich wird zu Beginn noch ausgedünnt sein, die sieben EM-Fahrer (Trapp, Rönnow, Hinteregger, Ilsanker, Sow, Zuber, Silva) werden ebenso erst später zum Team stoßen wie die vier bis vor kurzem noch für ihre Nationalmannschaften im Einsatz gewesenen Spieler (Kamada, Joveljic, Hrustic, Barkok).

Doch was erwartet die Fußballer eigentlich mit ihrem neuen Coach? Wie lässt Glasner trainieren? Wo liegen die Unterschiede zu Vorgänger Adi Hütter? Klar ist, dass sich die fußballerischen Ansichten ähneln. Glasner und Hütter bevorzugen das aktive Spiel, sie wollen sich mit ihren Teams nicht hinten reinstellen, nicht bloß lauern, sondern lieber selbst attackieren. Vor allem bei einem eigenen Ballverlust soll die Kugel möglichst rasch und weit in des Gegners Hälfte zurückerobert werden. Das setzt ein hohes Laufpensum voraus, vor allem eines in ständig wechselnder Intensität. Kurzer Sprint, Ruhephase, kurzer Sprint, mittellanger Tempolauf, kurzer Sprint, Ruhephase. Das ist eher nichts für Traber.

Eintracht Frankfurt: Glasner legt Wert auf schnelle Lösungen

Glasner, das ist bekannt und vielfach notiert, legt großen Wert auf Fitness. In Wolfsburg baten die Spieler daher schnell um Gnade, ihnen war das Trainingsprogramm anfangs zu anstrengend. Und Glasner – ohnehin ein Mensch, der zu seinen Fehlern stehen kann und seine Arbeit reflektiert – nahm die Rückmeldungen ernst und fuhr das Pensum sodann zurück, Muskelblessuren wollte schließlich niemand riskieren.

Überforderung ist ein Schlagwort, das bei Glasner eine wichtige Rolle spielt – nicht nur physischer Art. Gerade mental will der Trainer seine Spieler bewusst an ihre Grenzen bringen, um diese möglichst weiter nach oben zu verschieben, das Leistungsniveau zu heben. „Wenn wir das Gehirn fordern, nehmen die Spieler auch im Spiel mehr wahr und können schnellere Lösungen finden und bessere Entscheidungen treffen“, sagt der 46-Jährige.

Schon beim Aufwärmen geht es daher nicht selten spielerisch zu: Schnick-Schnack-Runden mit anschließendem Wegrennen, auf dem Boden liegende Leuchten in verschiedenen Farben, die möglichst schnell und in der richtigen, vorgebenen Reihenfolge berührt werden müssen. Oder auch Spieler, die sich gegenseitig in Schubkarren über den Platz durch Slalomstangen kutschieren, um den Faktor Spaß mit jenem der Anstrengung zu verknüpfen. „Wir wollen Abwechslung und die Spieler schon beim Aufwärmen im Kopf fordern“, sagt Glasner. Es drehe sich ohnehin vieles um Aufmerksamkeit. „Die Überforderung ist gewollt“, sagt er. Am Anfang stünden Spieler dann häufig noch auf der langen Leitung. Mit der Zeit aber ist eine Verbesserung ganz automatisch zu erkennen.

Eintracht Frankfurt: Glasner setzt auf Yoga

Freilich ist solch eine geplante Überforderung nichts, was Glasner exklusiv hätte. Adi Hütter zum Beispiel setzte die Eintracht-Profis vom ersten Tag unter Stress. Ständig ließ er die Fußballer auf extrem engen Felder üben, dazu führte er bewusst viele Überzahl-Unterzahl-Spielformen ein, um das frühe Attackieren und die schnellen Ballgewinne zu provozieren. So schliffen sich bei den in der Anfangszeit sichtbar ermatteten Kickern doch rasch Automatismen ein, die letztlich in den 90 Minuten an den Wochenenden zu erkennen waren. Dagegen streut Glasner ins Training dem Vernehmen nach etwas häufiger als sein Vorgänger Taktikeinheiten übers komplette Feld ein, das dann zusätzlich durch Kreidelinien unterteilt ist und wie ein Schachbrett anmutet. So sollen die zu besetzenden Räume besser kenntlich gemacht werden.

Glasner lässt wie Hütter (und viele, viele andere Bundesligatrainer) die meisten Übungseinheiten mitfilmen. Zum einen sollen dadurch die subjektiven Eindrücke untermauert (oder eben widerlegt), zum anderen können in der Nachbereitung einzelne Situationen den Spielern visuell vorgeführt werden – die moderne Fußballwelt also. In Wolfsburg setzte Glasner zum Beispiel auch auf eine Yoga-Trainerin, die ihr Programm speziell an die Belange von Fußballern anpasste. Es war ein freiwilliges Angebot, das, so heißt es, oft wahrgenommen wurde. „Wir gehen gerne neue Wege“, sagt Glasner. (Daniel Schmitt)

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