Adi Hütter steht nach der Heimpleite gegen Köln schwer in der Kritik. Eintracht Frankfurt steckt im Abstiegskampf. Am Trainer allein liegt es aber nicht. 
+
Adi Hütter steht nach der Heimpleite gegen Köln schwer in der Kritik. Eintracht Frankfurt steckt im Abstiegskampf. Am Trainer allein liegt es aber nicht. 

SGE in der Krise

Eintracht Frankfurt in der Krise: Adi Hütter ist die Lösung, nicht das Problem

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen

Bei Eintracht Frankfurt wächst die Angst vor dem Abstiegskampf. Und wirklich: Die Not ist groß. Daran ist aber nicht allein Trainer Adi Hütter schuld. Ein Kommentar. 

Frankfurt – Nach dem Husarenritt gegen den glorreichen FC Bayern, diesem viel bestaunten 5:1, musste Adi Hütter gar eine etwas verklausuliert gestellte Frage zur deutschen Meisterschaft beantworten und welche Rolle Eintracht Frankfurt da spielen könne. Man muss wissen: Das hessische Aushängeschild in Sachen Balltreterei lag nur zwei Punkte hinter Rang zwei, hatte erst Bayer Leverkusen und dann die Bayern in die Einzelteile zerlegt, und Coach Hütter entgegnete lächelnd: „Lassen wir mal die Kirche im Dorf.“

Heute, nicht mal sieben Wochen später, käme kein Erdenbürger in den kühnsten Träumen darauf, die Eintracht mit der Meisterschaft in Verbindung zu bringen. Nein, heute ist Adi Hütter, gar nicht verklausuliert, gefragt worden, ob er sich Gedanken über seine Zukunft machen müsse. So schnell geht das im Fußball.

Eintracht Frankfurt: SGE schlittert nach Heimpleite gegen Köln gen Krise 

Seitdem, seit dem 2. November, hat Eintracht Frankfurt aus sechs Bundesligaspielen noch einen Zähler geholt, ein glückliches 2:2 gegen Hertha Berlin. Am Mittwoch reichte nicht mal ein 2:0-Vorsprung, um den Vorletzten aus Köln zu bezwingen, zum schlechten Schluss hieß es 2:4. Pardauz. In Frankfurt geht die Angst vor dem Absturz, vor dem Totaleinbruch um. Völlig zu Recht. Der Trend spricht gegen die Eintracht, viele Parameter sind die eines potenziellen Abstiegskandidaten.

Trainer Hütter ist nun gefordert, den bedenklichen Abwärtstrend zu stoppen, irgendwie. Der Österreicher erlebt seine mit Abstand schwierigste Phase in Frankfurt, er ist als Krisenmanager gefragt. Der 49-Jährige selbst hat zuletzt auch nicht mehr die glücklichsten Entscheidungen getroffen. Wahrscheinlich hat er die Rotationsmaschine etwas zu spät angeworfen, seine Umstellungen und Einwechslungen verfangen nicht mehr wie gewünscht, gegen Köln hat er, wie schon in Mainz, das zweite Mal versucht, einen Vorsprung über die Zeit zu retten – beide Mal ging es schief. Neuzugänge helfen nicht

Eintracht Frankfurt: Hütter hat Top-Stürmer verloren und Mitläufer bekommen

Natürlich ist es nachvollziehbar, eine verunsicherte Mannschaft defensiver einzustellen und ihr zu mehr Stabilität zu verhelfen, aber es ist das falsche Signal und steht der für gewöhnlich mutigen und offensiven Ausrichtung Hütters entgegen. Zudem wird etwa die Nibelungentreue zu einem insgesamt hinter den Erwartungen zurückbleibenden Neuzugang wie Djibril Sow kritisch gesehen – auch mannschaftsintern. Das alles sind kleine Mosaiksteinchen, die neben den größeren Schwierigkeiten, wie der körperlichen und geistigen Überlastung, Gründe für die Malaise sind. Alles in allem aber ist Hütter nicht das Problem, sondern derjenige, der den Karren aus dem Dreck ziehen kann.

Die größten Fehler sind dieses Mal vor Saisonbeginn gemacht worden, da hat die Sportliche Leitung es nämlich nicht im Ansatz geschafft, die Abgänge der drei Topstürmer zu kompensieren. Die Mannschaft ist mit rund 60 Millionen in der Breite aufgepumpt worden, doch in der Spitze mangelt es an höchster individueller Klasse. Spieler wie Dominik Kohr oder Djibril Sow, der in der Einzelkritik der SGE-Spieler zur Köln-Pleite nicht gut wegkommt, haben insgesamt 20 Millionen Euro gekostet – und sind allenfalls Mitläufer. Das ist fast schon verbranntes Kapital.

Rebic weckt Hoffnungen bei Eintracht Frankfurt – Abstieg wäre Katastrophe

Auch Akteure wie Erik Durm, Dejan Joveljic und André Silva sind keine Verstärkungen, und Sturmtank Bas Dost, der, wenn er fit ist, helfen kann, wurde auf den letzten Drücker verpflichtet, obwohl schon länger klar war, dass die sogenannte Büffelherde gesprengt werden würde.

So muss Eintracht Frankfurt am Ende vielleicht froh sein, dass Ante Rebic in Mailand nicht zündet. So besteht zumindest die Möglichkeit, den eigenwilligen, aber pfeilschnellen Draufgänger zurückzuholen. Helfen würde der kroatische Außenstürmer allemal. Denn die Not ist groß, und die Eintracht muss aufpassen, dass sie sich nicht das einreißt, was sie sich in drei herausragend guten Jahren aufgebaut hat. Diese Saison ist über die Liga kaum mehr zu retten, und doch lässt sich eine Spielzeit im Niemandsland verschmerzen – ein Abstieg wäre indessen eine mittelschwere Katastrophe. Den gilt es für die abgestürzten Überflieger vom Main zu vermeiden – ganz egal, wie.

Von Ingo Durstewitz 

Krise hin oder her: Die Stimmung in der Commerzbank-Arena (ehemals Waldstadion) ist legendär. Ein SGE-Fan-Gesang steht dafür symbolisch: „Im Herzen von Europa“. Vom Schunkelwalzer hat sich das Lied zur Hymne von Eintracht Frankfurt gemausert

Mehr zum Thema

Kommentare