+
Wieder zurück in seinem Revier: Rechtsverteidiger Timothy Chandler.

Eintracht Frankfurt

Chandler hat den wichtigsten Zweikampf gewonnen

  • schließen

Timothy Chandler und Almamy Touré versuchen nach ihren Verletzungspausen, bei Eintracht Frankfurt wieder Fuß zu fassen.

Als am Dienstagmorgen die Profis von Eintracht Frankfurt dann endlich die kleine Kampfbahn im Schatten der WM-Arena betraten, war ein Geheimnis längst nicht gelüftet. Sollten die Hessen tatsächlich noch einmal personell nachgelegt haben? Der Herr da mit der markanten Glatze - war das nicht Carsten Jancker, Vize-Weltmeister von 2002, einstmals Bayern-Torjäger und zuletzt als Trainer beim Tabellenletzten in der zweiten österreichischen Liga, beim SV Horn, tätig? Tatsächlich war es Carsten Jancker, der bis zum kommenden Freitag bei der Eintracht hospitieren wird, um Trainer Adi Hütter, den er aus Österreich kennt, über die Schulter zu sehen.

Er sah an seinem ersten Arbeitstag unter anderem zwei Profis, die nach mehr oder weniger langen Verletzungspausen langsam wieder Fuß fassen wollen in der ersten Mannschaft, die sich beide dummerweise aber um einen Platz balgen, der derzeit bestens besetzt ist: Danny da Costa ist auf der Rechtsverteidigerposition unangetastet, erst am vergangenen Samstag lieferte er die maßgerechte Vorlage zum einzigen Frankfurter Tor gegen Borussia Dortmund. Doch Timothy Chandler, Deutsch-Amerikaner, und Almamy Touré, Franzose mit malischen Wurzeln, gerade erst auf den letzten Drücker für weniger als eine Million Euro vom AS Monaco verpflichtet, ficht das nicht besonders an. So ist das Geschäft eben. „Konkurrenzkampf gehört dazu, es gibt nie nur einen Spieler für eine Position“, sagt Chandler. Der Mann will zurück in die Mannschaft, keine Frage.

Knorpel im Knie ersetzt

Mitte August war es, als Timothy Chandler, dem Frankfurter Bub, die niederschmetternde Diagnose präsentiert wurde: Knorpelschaden im Knie, ein Stück Knorpel war weggebrochen und musste ersetzt werden. Mindestens sechs Monate Pause, so hieß es. Und ob es wieder was werden würde mit Profifußball, war auch nicht gewiss. Ein Knorpelschaden gehört zu den schwersten Verletzungen, die sich ein Kicker einfangen kann. Doch Chandler hat sich nie unterkriegen lassen, er hat geschuftet in der Reha, und ist seinem Genesungsplan sogar „drei, vier Wochen voraus“, wie er jetzt erzählte. Seit zwei Wochen ist der US-Nationalspieler im Mannschaftstraining, im Vollbesitz seiner Kräfte und ohne Schmerzen und Beeinträchtigungen. „Die wichtigsten Zweikämpfe habe ich schon geführt“, sagt er zufrieden; Grätschen kann er mühelos und auch die Landung nach harten Kopfballduellen hat er schadlos überstanden. „Jeder Tag bringt mich weiter.“

Natürlich ist er noch weit weg von der Mannschaft, er hat noch einiges aufzuholen, Kondition vor allem, dazu müssen sich die Automatismen wieder einstellen. Unter Druck will er sich nicht setzen lassen, ein konkretes Datum, wann er sein 193. Bundesligaspiel ins Auge fasst, hat er verständlicherweise noch nicht im Blick. Dass er zum Beispiel in den 24 Mann starken Kader für die restlichen Europa-League-Spiele gemeldet wurde, hat ihn gefreut. „Das ist eine kleine Wertschätzung.“ Er weiß auch, dass er „viel Gas geben muss“ im Training, um den Anschluss zu finden. „Mir ist wichtig, dass ich zufrieden nach Hause gehen kann und weiß, dass ich gut trainiert habe.“ Die Mannschaft, findet er, spiele momentan tollen Fußball, er hat die Spiele von der Tribüne verfolgt. Die Partie am Samstag gegen den Tabellenführer Borussia Dortmund etwa sei eine „auf Augenhöhe“ gewesen, „selten habe ich so ein gutes Fußballspiel gesehen“, schwärmte er förmlich. „Ich liebe diese Mannschaft, ich liebe diesen Verein“, sagte er ein wenig pathetisch. Und er hat den Werdegang seines Ex-Kollegen und alten Spezi, Alex Meier, weiterhin verfolgt. Nach seinen beiden Treffern jüngst für St. Pauli hat er ihm gleich eine SMS geschrieben: „Du bist der Wahnsinn.“ Alex Meier mache mit dem Toreschießen einfach so weiter, grinste Chandler anerkennend.

Jovic läuft nur

Pikant ist allerdings: Mehr als eine komplette Hinrunde gab es für Platzhirsch Danny da Costa rechts hinten nicht den Hauch von Konkurrenz, jetzt spürt er binnen kürzester Zeit den heißen Atem von gleich zwei Widersachern. Neben Chandler meldet auch Neuzugang Almamy Touré seriöse Ansprüche an. Der 22-Jährige hat am gestrigen Dienstag, anders als etwa Tuta, der wegen Passangelegenheiten schon wieder nach Sao Paulo geflogen ist, Marco Fabian (Zahnschmerzen), Lucas Torro (Lauftraining), Kapitän David Abraham, der weiterhin wegen seiner Wadenblessur allenfalls individuell üben konnte, erstmals mit seiner neuen Mannschaft trainiert - und keinen schlechten ersten Eindruck hinterlassen. Touré ist ein robuster, stabiler, aber spielerisch starker Rechtsverteidiger. Allerdings ist er in dieser Saison kaum zum Einsatz gekommen, die letzten vier Monate hatte er wegen einer nicht näher diagnostizierten Oberschenkelverletzung gar nicht spielen können. Auch er wird sich gedulden müssen, auch er wird einiges aufzuarbeiten haben und er wird sich zunächst an das Tempo bei Eintracht Frankfurt gewöhnen müssen. Danny da Costa muss fürs Erste um seinen Stammplatz nicht fürchten.

Da geht es ihm wie Luka Jovic. Der mit 14 Treffern beste Schütze der Liga durfte gestern nur laufend trainieren. Die Nachwirkungen seiner Magen-Darm-Verstimmung, wegen der er am Samstag nur eine knappe Stunde spielte, hatte ihn noch im Griff. Mehr jedenfalls als zuletzt die Gegenspieler.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare