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Eintracht Frankfurt: Tage der Prüfungen

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Von: Thomas Kilchenstein

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Sollten nicht ausfallen: Jesper Lindström und Randal Kolo Muani. Foto: AFP
Sollten nicht ausfallen: Jesper Lindström und Randal Kolo Muani. Foto: AFP © AFP

Eintracht Frankfurt wird sich steigern müssen, um die Jagd auf die Bayern eröffnen zu können

Das Gute an schwächeren Leistungen bei gleichzeitigem maximalen Erfolg ist ja, dass man die Kritik daran ein bisschen klarer formulieren kann ohne großartig Selbstvertrauen zu schmälern. So verfährt nun der Frankfurter Trainer Oliver Glasner, der verbal Finger in Wunden legen kann, weil er davon ausgehen darf, dass „auch die Spieler wissen, dass das nicht unsere beste Leistung war“. Das hat er ohnehin aus den ersten Stellungnahmen der siegreichen Recken entnehmen können, Kevin Trapp („Haben einiges nicht gut gemacht“), Mario Götze („Sind nicht in unseren Spielfluss gekommen“) oder Christopher Lenz („So schön war es nicht“) ließen es nicht an Selbstkritik mangeln, da kann das Gefühl, auf Tabellenplatz zwei zu stehen, noch so „wunderschön“ sein, wie der Frankfurter Schlussmann sagte. Sie wissen, dass es im Frankfurter Spiel Luft nach oben gibt, viel sogar.

Gefahr im Schwarzwald

Auffällig war im Spiel gegen den Tabellenletzten Schalke der mangelhafte bis kaum vorhandene Kombinationsfluss. Es gab wenige Ballstafetten, die Kugel zirkulierte viel zu selten über eine längere Spanne in den eigenen Reihen. Spielerisch war das nicht das Gelbe vom Ei, die Eintracht wird sich steigern müssen, um sowohl die nächsten beiden Hürden halbwegs zu meistern, in Freiburg am morgigen Mittwoch (20.30 Ur/live Sky), und am Samstag beim FC Bayern, eine Woche der Prüfungen steht an, eine mit ganz besonderen Herausforderungen. Als auch insgesamt dem hohen Ziel gerecht zu werden, Platz vier in der Liga verteidigen zu wollen. „Wir müssen viele Dinge besser machen“, warnte Sportvorstand Markus Krösche. Andererseits hat Coach Glasner genau derlei Defizite schon beim abschließenden Doppel-Testkick gegen Lech Posen ausgemacht. Die Mannschaft müsse sich noch einspielen, den Rhythmus finden. Arg wäre es ohnehin, sie wäre schon am ersten Tag in absoluter Topform. Wie will man sich dann steigern?

Dass die Eintracht-Entourage nun ausgerechnet zu den punktgleichen Breisgauern aus Freiburg reisen muss, erschwert das Unterfangen natürlich gewaltig. Der SC, gerade gewaltig zerzaust nach einer völlig unverhofften 0:6-Klatsche gegen den VfL Wolfsburg, wird alles daran setzen, diese Schmach wett zu machen und sich zu rehabilitieren für fast Sieben auf einen Streich. Ein angeschlagener Boxer, diese Plattitüde sei mal erlaubt, ist stets gefährlich, immerhin dürfte die Eintracht gewarnt sein. Trotzdem wäre eine Niederlage in Freiburg, das lehrt die Frankfurter Vergangenheit, wahrlich keine faustdicke Überraschung. Aber womöglich ist Oliver Glasner mit seinem Feldversuch, der Eintracht das Divenhafte auszutreiben, schon weiter fortgeschritten.

Natürlich spricht es für die Qualität der Frankfurter Elf, wenn sie ein solches Spiel am Ende noch standesgemäß 3:0 gewinnt. Auf einige Parameter kann sie sich verlassen, die Laufleistung etwa stimmte, 122 Kilometer spulte die Mannschaft ab, zog 280 Sprints an, das ist zu loben. Und sie kann sich auf die individuelle Klasse verlassen, auf Jesper Lindström etwa, der das 1:0 erzielte und das 2:0 vorbereitete, auf Torwart Trapp, der das zu Null hielt, auf den zweiten Anzug, der sitzt, und speziell auf einen Sebastian Rode, der nach seiner Einwechslung sofort Ruhe und Ordnung ins Spiel brachte und die letzten beide Tore maßgeblich inszenierte.

Nicht auszudenken, einer der tempostarken Unterschiedsspieler, wie Lindström oder Randal Kolo Muani, fiele für einen längeren Zeitraum aus. Deren Geschwindigkeit ist aus dem Kader heraus nicht zu ersetzen, das Tempo, das beide entwickeln, ist das große Pfund, mit dem die Eintracht derzeit wuchert. Eine derartige Schwächung könnten die Hessen auf Sicht nicht kompensieren, die Jagd auf die großen Bayern müsste abgeblasen werden ehe sie richtig begonnen hätte. Und wie schnell einer für mehrere Wochen, womöglich Monaten, ausfallen kann, zeigt das Beispiel Eric Dina Ebimbe, der sich gestern einer Operation am Syndesmoseband hatte unterziehen müssen. Ob er überhaupt noch mal wird eingreifen können im Endspurt, selbst das ist ungewiss. Auch Ebimbe hatte sich wegen seiner Schnelligkeit auf dem Flügel fast ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet.

Immerhin hat Glasner im eigenen Stall Alternativen, auf dem Spielermarkt wird sich die Eintracht deshalb nicht umtun. Aurelio Buta hat ein ansehnliches Debüt gegeben, auf der Hand liegt zudem, dass Ansgar Knauff auf seine angestammte Seite wechselt, links könnte sich Christopher Lenz verdient machen. Er ist ohnehin einen Tick stärker in der Defensive - nicht ganz verkehrt angesichts der beiden nächsten hochkarätigen Gegner. Und ein bisschen Klarheit, wohin die Reise geht, hätte man dann auch.

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