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Eintracht-Coach Adi Hütter sieht gegen Werder Bremen die Gelbe Karte - weil ihm nach eigener Aussage „der Kragen geplatzt ist“.
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Eintracht-Coach Adi Hütter sieht gegen Werder Bremen die Gelbe Karte - weil ihm nach eigener Aussage „der Kragen geplatzt ist“.

SGE

„Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt“: Die Eintracht fetzt sich erneut mit Werder – Hütter tobt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Trainer Adi Hütter ist stinksauer und beklagt fehlendes Niveau des Gegners aus Bremen - die Werderaner drehen den Spieß einfach um.

  • Nach elf ungeschlagenen Spielen unterliegt Eintracht Frankfurt beim SV Werder Bremen.
  • Erneut entfacht am Spielfeldrand ein Riesen-Zoff zwischen beiden Parteien.
  • SGE-Trainer Adi Hütter „platzt der Kragen“.

Bremen - Selbst als die überbrodelnden Emotionen schon wieder ein wenig heruntergedimmt waren, konnte sich der eher zurückhaltende Frankfurter Medienbeauftragte Marc Hindelang eine Spitze in Richtung der Bremer Entourage nicht verkneifen. Die Pressekonferenz nach dem fetzigen Bundesligaspiel am Weserdeich, das Werder mit 2:1 gewann und also den bemerkenswerten Frankfurter Siegeszug stoppte, beendete der 53-Jährige mit beißendem Sarkasmus. „Vielen Dank. Wir wünschen auch nach dieser speziellen Form der Gastfreundschaft ein schönes Wochenende.“

Es war das offizielle Ende einer Aufführung, die in einer offenen Schlammschlacht zwischen zwei Parteien mündete, die sich schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich grün sind. Werder Bremen und Eintracht Frankfurt – Freunde werden sie nicht mehr, im Gegenteil: Die Beziehung ist schwer belastet.

Eintracht-Trainer Hütter beklagt giftiges Werder Bremen: „Mir ist der Kragen geplatzt“

Ein paar Minuten zuvor hatten beide Trainer ihre Sicht der Dinge dargelegt, beide vertraten – was Wunder – diametral entgegen stehende Ansichten, was in einem Streit nichts Ungewöhnliches ist, weil Betroffene ja selten objektiv sind. Das liegt in der Natur der Sache. Eintracht-Trainer Adi Hütter jedenfalls war total bedient, es rumorte und brodelte in ihm – nicht nur wegen der ersten Niederlage nach elf ungeschlagenen Partien, sondern auch wegen den Begleitumständen der Schlappe. Nach seinem Geschmack wurde von seiten der Werderaner, mal wieder, viel zu viel Theater gemacht und vehement Einfluss auf das Geschehen auf dem Rasen genommen. „Es ist rundherum viel los“, sagte der 51-Jährige. „Das hat mit Niveau wenig zu tun, das hat mir nicht gefallen.“

Eintracht-Mittelfeldspieler Sow: „Haben unsere Linie verloren“

Selbst der nach den Spielen stets sehr überlegt auftretende Makoto Hasebe empfand das ganze lautstarke Drumherum als störend: „Es ist zu viel geredet worden, auf dem Platz und draußen auf der Tribüne“, sagte der Kapitän der Eintracht unmittelbar nach Schlusspfiff. „Das ist hier in Bremen immer so, es ist immer emotional.“ Dass das Gerede von außen Auswirkungen auf die Partie gehabt hatte, sagte auch Kollege Djibril Sow: „In Bremen kommt von außen immer viel herein, davon haben wir uns beeinflussen lassen. Dadurch haben wir unsere Linie verloren.“ Eigentlich dürfe man das nicht.

Dauerzwist zwischen Eintracht-Trainer Hütter und Bremens Kohfeldt

Eintracht-Coach Hütter leistete sich mit seinem Gegenüber Florian Kohfeldt schon während des Spiels hitzige Debatten, die auch nach dem Abpfiff auf dem Weg in die Kabinen noch anhielten. Aus dem Dauerzwist resultierte eine Gelbe Karte für den sonst so besonnenen Eintracht-Trainer, die er später so begründete: „Ich habe 75 Minuten lang versucht, mit Ruhe und Souveränität an der Seitenlinie zu stehen, aber irgendwann ist mir der Kragen geplatzt.“

Er habe sich von der hitzigen Atmosphäre anstecken lassen, berichtete Hütter. „Auch ich habe Emotionen, ich habe mich über gewisse Dinge geärgert.“ Für die Frankfurter ist der am Spielfeldrand exaltierte und laute Kohfeldt ein Rotes Tuch, aber nicht nur er. Es geht um das Werder-Gesamtpaket, also das Betreuerteam, das von der Bank und der Tribüne für eine giftige Stimmung sorge. Hütter wurmte ganz besonders, dass die stolze Siegesserie ausgerechnet an der Weser sein Ende fand. „Hier ist es immer sehr speziell, dass wir hier verlieren, tut mir besonders weh.“ Die Niederlage, räumte der Österreicher freilich ein, habe nichts mit den Umständen zu tun gehabt, sondern mit der nicht ausreichend guten Leistung.

Werden keine Freunde mehr: Adi Hütter (rechts) und Florian Kohfeldt.

Bremen-Trainer Kohfeldt wettert: Eintracht Frankfurt „muss sich hinterfragen“

Werder-Trainer Kohfeldt sah das Ganze naturgemäß ganz anders. „Sie spielen eine überragende Saison. Da muss man auch mal mit Anstand verlieren können“, wetterte er. Und weiter: „Ein Verein wie Eintracht Frankfurt: Der ist so geil. Aber wir müssen doch alle in der Lage sein, ein Fußballspiel zu spielen und uns danach die Hand zu schütteln.“ Beleidigungen hätte es auch von der Frankfurter Bank gegeben. „Jeder muss sich selber hinterfragen, welche Wortwahl er gefunden hat.“

Der 38-Jährige, der nach der Begegnung auch noch mit Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner aneinander geraten war, drehte den Spieß um und beschuldigte die Hessen, Auslöser des Riesen-Zoffs gewesen zu sein: „Wir hatten sehr entspannte Heimspiele in letzter Zeit. Dann kommt die Eintracht und es kocht hoch. Da muss sich die Eintracht fragen, warum es immer bei ihnen so ist.“ Das gilt andersherum natürlich genauso.

Eintracht Frankfurt: Hütter hat das Gefühl, „dass sie es sehr auf Hinteregger abgesehen hatten“

Die Dissonanzen sind, wenn man so will, gewachsen. Es gibt kaum ein Aufeinandertreffen, ohne dass die Protagonisten jeglicher Coleur zu wilden Streithähnen mutieren. Ihren Anfang nahm die Fehde vor einigen Jahren nach einem Interview von Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic, der den Werder-Coach zwar lobte, ihm aber zu etwas weniger Emotionalität am Spielfeldrand riet. „Man muss aufpassen, da kann man sich als junger Trainer auch schnell verbrennen.“ Das kam in der Werder-Welt gar nicht gut an.

Auch beim letzten Auftritt der Eintracht in Bremen krachte es, damals hatte die Eintracht 3:0 gewonnen, doch Adi Hütter störte sich auch da am Ton und Verhalten des Bremer Stabs. „Jeder kämpft für seinen Verein, aber man muss nicht bei jeder Entscheidung hochspringen. Das hat etwas mit Respekt zu tun.“

Eintracht-Stopper Martin Hinteregger wird zum Buhmann

Und auch Martin Hinteregger steuerte seinen Teil dazu bei, weil er in einem Podcast im September 2020 den Werder-Stürmer Davie Selke ironisch zu seinem Lieblingsspieler erkor. „Ich weiß, ich bin besser. Gegen so einen spielt man auch gerne, um ihm zu zeigen: „Hey, was bist du eigentlich für einer?‘“, sagte Hinteregger. Ganz sicher haben sich das die Werder-Spieler gemerkt. Schon während des ohnehin ruppigen und hitzigen Spiels kam es zu Auseinandersetzungen mit Hinteregger, gerade Niclas Füllkrug sah sich in Abwesenheit Selkes, der nur auf der Bank saß, bemüßigt, dem Frankfurter Abwehrchef zuzusetzen.

Auf dem Spielfeld tobte einmal eine Art Hahnenkampf, Kopf an Kopf, auch nach dem Abpfiff kam es zu Rangeleien. „Ich hatte schon das Gefühl, dass sie es sehr auf Hinteregger abgesehen hatten“, sagte Hütter, der aber zumindest da entspannt blieb und es sportlich nahm. „Die Emotionen waren sehr hoch, aber sie gehören zum Fußball. Das ist kein Schachspiel oder ein Besuch in der Oper.“ Zumindest dann nicht, wenn Werder Bremen und Eintracht Frankfurt die Klingen kreuzen..

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