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Im Kreis des Vertrauens: Setzt Trainer Adi Hütter auf Jetro Willems (links) oder auf Jonathan de Guzman – oder auf beide?

Eintracht Frankfurt

Neues Herzstück gesucht

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Wie die Frankfurter Eintracht den Ausfall ihrer Schaltzentrale auffangen könnte.

Wer sich in aller Ruhe die Entstehung des späten Gladbacher Ausgleichs in Frankfurt anschaut, erkennt schnell, wo der Hase im Pfeffer liegt. Im Mittelfeld nämlich bekam die Eintracht keinen Zugriff und konnte in der Zentrale die großen Räume nicht schließen. Das lag in erster Linie daran, dass der eingewechselte Jetro Willems – warum auch immer – in Mittelstürmerposition versuchte, die Gladbacher zu attackieren, dabei aber auch noch ausrutschte und quasi aus dem Spiel war. Deshalb hatte Tobias Strobl eine ganze Menge Platz, den er für einen Sprint und einen klugen Flachpass auf Denis Zakaria nutzte.

Das wiederum war nur möglich, da weder Jonathan de Guzman noch Mijat Gacinovic Druck auf den ballführenden Strobl ausübten und in der Mitte sogar noch eine veritable Lücke ließen. Als das Unheil seinen Lauf nahm, trabten sie übrigens ganz gemächlich hinterher. Und weil Makoto Hasebe wahrscheinlich das erste Mal in diesem Spiel eine falsche Entscheidung traf und sich zu Alassane Plea orientierte, statt sich Zakaria in den Weg zu stellen, war die Bahn frei zum Ausgleich. Hasebe war in dieser Situation allerdings auch gänzlich alleine gelassen, er konnte so einfach nicht mehr ausbügeln, was zuvor verbockt worden war.

Natürlich kann so ein Gegentor immer mal passieren, es lässt sich bekanntlich nicht alles verteidigen, doch dieser Treffer steht dennoch exemplarisch für die Probleme, die sich bei der Eintracht auftun, zumindest dann, wenn ihre Terrier nicht im Spiel sind. Es war kein Zufall, dass im Zentrum ausgerechnet in den Momenten die größten Löcher entstanden, als Gelson Fernandes wegen einer Oberschenkelverletzung vom Feld humpeln musste. Der Schweizer Routinier hat sich längst zu einem unverzichtbaren Stabilisator entwickelt, keiner läuft und ackert mehr, keiner stiebitzt mehr Bälle oder stört den Gegner entscheidend. Fernandes fehlt an allen Ecken und Enden, auch am Donnerstag im enorm bedeutsamen Rückspiel in der Europa League gegen Schachtjor Donezk.

Vielleicht wagt Adi Hütter auch ein Experiment

Dann wird auch Sebastian Rode wohl nur als Besucher im Stadion dabei sein können, der Rückkehrer ist mit einer nicht näher definierten Wadenblessur ebenfalls unpässlich, obwohl er gestern schon in gutem Tempo seine Runden drehte. Vielleicht dauert es aber insgesamt nicht so lange wie beim Kollegen David Abraham, der wegen einer Wadenverletzung nun schon wieder seit Wochen zum Zuschauen verdammt ist.

Rode, 28, gehört wie Fernandes in die Kategorie Zerstörer mit Herz, weiß aber auch mit dem Ball am Fuß etwas anzufangen. Das Herzstück ist der Eintracht damit aus dem Leib gerissen, Fernandes und Rode passen auch deshalb so zu dieser Mannschaft, weil sie in gewisser Hinsicht stilprägend sind, sie passen mit ihrer Spielweise, ihre Haltung und ihrem Willen perfekt zu dem, was Trainer Adi Hütter von seiner Mannschaft verlangt: pressen, jagen, draufgehen.

Die Statistik gegen Gladbach ist eindeutig und beeindruckend: Die Eintracht kam auf 267 Sprints – 60 mehr als die Borussia und mehr als jedes andere Team am 22. Spieltag. Sie legte 721 intensive Läufe über 12,5 Kilometer zurück - auch dies Bestwert am vergangenen Wochenende. Das ist der Weg, den die Eintracht geht, so definiert sie ihr Spiel. Und die Schaltstelle im defensiven Mittelfeld ist, wenn man so will, die Triebfeder des Ganzen, die beiden sind die Vorreiter.

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Die Kardinalfrage wird sein, wie Trainer Adi Hütter ihren Ausfall kompensieren will. Natürlich hat er in Jonathan de Guzman einen erfahrenen Profi in seinen Reihen, der auf dieser Position auch daheim ist. Er kann Jetro Willems aufbieten oder Mijat Gacinovic eine Position nach hinten ziehen. Das Problem: Alle drei sind gänzlich andere Spielertypen mit anderen Qualitäten, sie kommen eher über die fußballerische Schiene, und alle drei sind auch nicht besonders gut in Form.

De Guzmann scheint so ein wenig die Praxis zu fehlen, er wirkt schwerfällig und seltsam lethargisch, kommt öfter mal zu spät. Er bringt zudem wenig Tempo mit, was sicher kein Vorteil ist. Aber er ist im Mannschaftskreis beliebt, ein Leader, ausgebufft, keiner, der sich verrückt machen lässt. Ein Nervenspiel wie gegen Donezk wird ihn kaum erschüttern, da steht er seinen Mann. Rein sportlich gesehen wird er sich aber ganz schön steigern müssen.

Jetro Willems, der vom linken Verteidiger zum defensiven Mittelfeldmann umgeschult wurde, hat in der Vorrunde ganz vielversprechende Ansätze gezeigt, in den Kurzeinsätzen im neuen Jahr aber bisher kaum überzeugen können. Er wirkt leicht phlegmatisch, etwas desorientiert, so, als wisse er nicht so richtig, was er zu tun habe. Vielleicht braucht er aber mal ein Spiel von Beginn an, um in den nötigen Spielrhythmus zu kommen. Ein feiner Fußballer ist er, er müsste sein Potenzial nur mal entfalten.

Gacinovic bringt noch am ehesten diese Jägerqualität mit, aber er ist nicht so der Bälleklauer in der Defensive, sondern eher der, der die Gegner in hohem Tempo anläuft und stört. Unter Ex-Trainer Niko Kovac spielte der Serbe fast eine ganze Saison auf der „Sechs“, aber auch mit eher durchwachsenem Erfolg. Coach Hütter sieht Gacinovic eigentlich weiter vorne oder auf einer Halbposition.

Vielleicht wagt aber der Trainer auch ein Experiment, beordert Kapitän Abraham in die zentrale Verteidigung und zieht Makoto Hasebe eine Position nach vorne. Abraham hat am Montag zumindest ganz normal am Mannschaftstraining der Reservisten teilgenommen. Besonders charmant wäre diese Lösung allerdings nicht. Zum einen ist unklar, ob Abraham tatsächlich schon wieder spielfähig ist. Zum anderen würde der überragende Hasebe seiner Stärke beraubt, denn längst entfaltet der Japaner seine ganze Kraft und Qualität auf der Position des freien Mannes in der Abwehr. Da ist er eine Klasse für sich. Im Mittelfeld zeigte er hingegen eher solide, unauffällige Leistungen.

Oder der Fußballlehrer zaubert auf einmal Marc Stendera aus dem Hut, der eine gewisse Aggressivität mitbringt, aber eigentlich zu langsam ist. Hütter aber schätzt Schnelligkeit über die Maßen. Zudem: Stendera kränkelte zuletzt, schaffte es nicht in den Kader. Gesund ist er jedenfalls wieder, am Montag stand er auf dem Übungsareal.

Klingt alles nicht nach einer Ideallösung, aber für eine gewisse Improvisationskunst sind Fußballtrainer ja auch bekannt. Es sollte halt nur funktionieren.

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